Haag

Erstellt am 11. Oktober 2016, 06:40

von Daniela Führer

Crowdfunding: 220.000 Euro in 14 Tagen. Der Haager Smoothie-Produzent Reinhard Mösl will sein Angebot erweitern und Smoothies im Glas anbieten. Dafür lukriert er Geld von privaten Investoren per Crowdfunding.

„Bio und Glas gehört für mich einfach zusammen“, ist Reinhard Mösl überzeugt von seinem Plan, künftig auch Bio-Smoothies in Glasflaschen anzubieten.  |  NOEN, Daniela Führer

Binnen zwei Wochen lukrierte der Haager Smoothie-Produzent Reinhard Mösl eine stolze Summe von über 220.000 Euro für sein neuestes Vorhaben: die Anschaffung einer Glasabfüllmaschine, um künftig auch Bio-Smoothies in Glasflaschen anbieten zu können. Dafür beschreitet der „Jucyou“-Geschäftsführer einen ungewöhnlichen Finanzierungsweg: jenen von Crowdfunding. Das heißt konkret, Privatpersonen investieren ihr Geld – mindestens 250 Euro – über die Crowdfunding-Plattform „Lion Rocket“ in sein Vorhaben, zu individuell festgelegten Bedingungen und Zinsen. Konkret haben bereits über 200 Menschen ihr Geld dafür bereitgestellt – auf fünf Jahre Laufzeit mit einem Fixzinssatz von fünf Prozent.

„An die 600-700.000 Euro wird uns die neue Glasabfüllmaschine kosten. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, rund 40, 50 Prozent der Investitionssumme über Crowdfunding zu sammeln, den Rest bekommen wir über eine Bankfinanzierung“, berichtet der Unternehmer und Wirtschaftskammerobmann im Bezirk Amstetten.

Erträge laufen direkt in das Wachstum

Doch warum überhaupt dieser ungewöhnliche Weg über Crowdfunding? „Wir wachsen jährlich um zirka 25 Prozent. Vor eineinhalb Jahren haben wir auch erst eine neue Abfüllanlage gekauft. Unsere Erträge laufen momentan direkt in das Wachstum und in kleinere Investitionen. Für eine so große Investition wie die neue Glasabfüllmaschine fehlt uns das Eigenkapital und die Bank finanziert so große Investitionen auch nicht zur Gänze“, erklärt der gelernte Jurist, der sich vor zehn Jahren als Smoothie-Produzent selbstständig gemacht hat. Zudem profitiere man auch von der höheren, medialen Aufmerksamkeit durch die Crowd-
funding-Plattform.

Vom künftigen Erfolg der Bio-Smoothies in Glasflaschen ist der „Jucyou“-Geschäftsführer aus mehreren Gründen überzeugt: „Für mich persönlich passen Bio-Produkte nicht wirklich zu PET-Flaschen. Unsere Bio/Glas-Kombination gibt es so auch noch gar nicht am Markt, daher wird für uns auch ganz Europa ein Thema. Aktuell haben wir eine Exportquote von 15 bis 20 Prozent. Die wollen wir steigern, speziell nach Deutschland und Skandinavien. Die längere Haltbarkeit durch Glasflaschen gibt uns auch bessere Exportmöglichkeiten. Gut zwei Monate ist das Produkt dann haltbar – in der PET-Flasche nur gut einen Monat.“

Erweiterte Absatzchancen für Bio-Glas-Smoothies

Doch nicht nur der Handel, auch die Gastronomie, Hotellerie, der Biohandel und Direktverkauf bergen erweiterte Absatzchancen für Bio-Glas-Smoothies. „Einen Smoothie im Plastikflascherl kann man zum Beispiel beim Frühstücksbuffet im Hotel nicht anbieten. Das Glas mutet da ganz anders an“, veranschaulicht der Haager Unternehmer.

Im Jänner möchte Reinhard Mösl den Auftrag zum Kauf der Glasabfüllmaschine erteilen: „Bis zur Lieferung dauert es acht bis neun Monate. Voraussichtlich werden wir mit Oktober 2017 die Produktion starten und mit Jänner 2018 auf den Markt gehen können.“