Erstellt am 28. Oktober 2015, 05:42

von Daniela Führer

Strengberger Ärztepaar errichtet Notordination für Flüchtlinge. Das Ärztepaar Lahnsteiner übernimmt die medizinische Versorgung der Flüchtlinge in Mauer – es mangelt aber an allem.

Sabine Lahnsteiner hat kurzerhand eine Notordination beim Containerdorf in Mauer eingerichtet. Vor allem viele Kinder sind krank. Fotos: Schlemmer  |  NOEN, Daniela Schlemmer
Es ist eigentlich Zufall, dass die Allgemeinmedizinerin Sabine Lahnsteiner seit Donnerstag neben ihrer Ordination in Amstetten eine „Zweitpraxis“ führt – und zwar im Containerdorf für 90 Flüchtlinge in Mauer.

Alles ging plötzlich Schlag auf Schlag

„Ich wurde am Mittwoch angerufen, da ich gerade Ordinationszeit hatte. Die Betreuer baten mich, zu kommen, weil einige Menschen krank sind“, berichtet sie.

Und dann ging alles Schlag auf Schlag. Nach einem ersten Lokalaugenschein am Mittwochabend fuhr die Strengbergerin gleich am Donnerstag zur ersten Visite ins Containerdorf: „Da habe ich dann gemerkt, was mich erwartet. Es kamen viele Menschen zu mir, viele kranke Kinder oder auch eine schwangere Frau“, berichtet sie.

x  |  NOEN, Daniela Schlemmer


Die Versorgung ist aber schwierig. „Wir haben nur wenig Medikamente und keine medizinischen Geräte, die Verständigung ist auch sehr schwierig“, erklärt die Ärztin.

Sie und ihr Mann, Strengbergs Gemeindearzt Ernst Lahnsteiner, behandeln und untersuchen die Patienten derzeit im Büro der Mitarbeiter der Quartierbetreiberfirma SLC. Die Mitarbeiter unterstützen die Mediziner, wo es nur geht, etwa bei administrativen Tätigkeiten.

Dolmetscher sollen immer mit dabei sein

Noch am Freitag brachte auch eine Amstettner Apothekerin dringend benötigte Antibiotika vorbei. „Vor allem für die kranken Kinder“, erklärt die Ärztin.

In den nächsten Tagen soll dann ein Raum im Bürogebäude in eine Notfallordination verwandelt werden. „Mit Liegebett und Schreibtisch werden wir ein Arztzimmer einrichten“, erklärt Lahnsteiner. Zwei Mal pro Woche wird das Ärztepaar ihre Notordination in Mauer besetzen – auch Dolmetscher sollen immer mit dabei sein.

Benötigt werden aktuell weitere Medikamente und medizinische Untersuchungsgeräte. „Wir wären sehr dankbar über die finanzielle Mithilfe Sponsoren “, ruft die Ärztin zur Unterstützung auf.

Dass diese medizinische Not überhaupt erst entstehen konnte, ärgert die Ärztin sehr: „Man kann doch nicht einfach Leute in Container unterbringen und keiner organisiert, wie sie medizinisch versorgt werden. Und jetzt kommt auch noch die Grippewelle. Das hat sich wohl niemand überlegt, dass die Leute auch krank werden.“
Krankenversichert sind die Flüchtlinge übrigens. Als Asylwerber haben sie Zugang zum Gesundheitssystem.