Erstellt am 03. November 2015, 05:32

von Daniela Führer

„Tierschützer im Bezirk am Limit“. Die Zahl der aufgefundenen Tiere steigt ständig. „Übergabeeinrichtung“ und Finanzhilfe dringend notwendig.

Sabine Offenberger (Tier- und Naturschutzverein Ybbstal), Bürgermeisterin Ursula Puchebner, Christine Hausleitner (TSV Region Amstetten), Maria Kuttner (TSV Ybbstal), Landesrat Maurice Androsch, Ernst Hausleitner und Gemeinderätin Silvia Übelbacher haben zum Ziel, eine bessere Vernetzung und Kooperation der Tierschutzvereine im Mostviertel mit dem Tierschutzhaus St. Pölten zu forcieren. Im Raum steht auch die Installation einer »Übergabeeinrichtung« für den Raum Amstetten/Waidhofen.  |  NOEN, Foto: Stadtgemeinde Amstetten
„Man muss viel Herzblut haben, sonst ginge es nicht mehr“, sagt Christine Hausleitner, Obfrau des Tierschutzvereines (TSV) Region Amstetten. Die Tierschützer stoßen in ihrem Engagement nämlich ans Limit. Letztes Jahr haben beide Vereine im Bezirk zusammen 300 bis 400 Katzen, an die 100 Hunde und noch viele andere Tiere privat untergebracht. „Ich habe 26 Katzerl mit dem Fläschchen aufgezogen. Aktuell habe ich fünf Siebenschläferbabies, die ich alle drei Stunden rund um die Uhr mit einer Pipette füttern muss“, berichtet etwa Christine Hausleitner.

Sabine Offenberger vom Tierschutzverein Ybbstal hat selbst zehn Katzen und zehn Hunde bei sich aufgenommen – und das, obwohl sie auch noch berufstätig ist. Natürlich sind die Tierschützer darum bemüht, ihre Schützlinge in privaten Aufnahmestellen unterzubringen. Doch diese sind rar.

Bevor Tiere ins Tierheim nach St. Pölten gebracht werden können, gilt es, einen wahren Behördenmarathon zu überwinden. „Ich muss zuerst die Polizei verständigen, die muss dann die Amtstierärztin anrufen und diese kann erst das zuständige Tierheim in St. Pölten beauftragen, das Tier abzuholen. Erst kürzlich bin ich am Sonntag wieder vier Stunden bei einem Hund gesessen“, erzählt Hausleitner. Sie wünscht sich zumindest in diesem Punkt eine organisatorische Vereinfachung. „Es wäre schon leichter, wenn wir vom Tierschutzverein direkt das Tierheim mit einer Tierabholung beauftragen könnten.“

„Es ist die Rede, dass die Tierschutzvereine eine
große Erbschaft gemacht hätten. Das ist nur ein Gerücht.“
Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner

Zu kämpfen haben die Tierschützer auch mit den Kosten. Für Heizung und Futter kommen die Verantwortlichen oft selbst auf. Alleine die Tierarztkosten belaufen sich für den TSV Amstetten aber auf rund 28.000 Euro im Jahr. Um sie einigermaßen decken zu können, sind die Vereine auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.

Die prekäre Lage der Tierschützer ist auch Amstettens SPÖ-Bürgermeisterin Ursula Puchebner bekannt. „Seit Anfang des Jahres bin ich immer wieder mit ihrer Notsituation konfrontiert und es ist mir wichtig, dass diese Vereine, in denen viele Menschen ehrenamtlich und unentgeltlich tätig sind, um Tieren in Not zu helfen, auch Unterstützung bekommen. Die Pflegestellen in den Vereinen werden nicht mehr, die Zahl der gefundenen, kranken, ausgesetzten Tiere steigt aber von Jahr zu Jahr.“

Aus diesem Grund richtete Puchebner im Frühjahr ein Schreiben an den zuständigen SPÖ-Landesrat Maurice Androsch. „Er hat sofort geantwortet und wir haben uns ein Treffen abgemacht, damit er sich vor Ort ein Bild machen und mit den Verantwortlichen beider Vereine sprechen kann“, berichtet die Ortschefin.
Letzte Woche fand dieses Treffen statt. Androsch erklärte dabei einmal mehr, dass ein eigenes Tierheim für den Raum Amstetten/Waidhofen nicht möglich sei, weil es in Niederösterreich eine Viertelslösung gäbe. „Das bedeutet, in jedem Viertel ist ein Tierschutzhaus installiert, das dieses Gebiet abdecken muss. Für das Mostviertel ist das Tierschutzhaus St. Pölten zuständig“, sagt der Landesrat.

Noch kein Termin für „Runden Tisch“ 

Man einigte sich jedoch darauf, einen runden Tisch ins Leben zu rufen, bei dem Vertreter der TSV Amstetten und Ybbstal sowie des Tierschutzhauses St. Pölten dabei sein sollen. Eine bessere Vernetzung und Kooperation sei das erklärte Ziel. Aber auch von einer „Übergabeeinrichtung“ sei die Rede – einem Zentrum, in dem vorübergehend, bis zur Abholung durch das Tierschutzhaus St. Pölten, Tiere beherbergt werden könnten, womöglich angegliedert an einen Tierschutzverein.

„Dafür sollte es auch eine entsprechende finanzielle Abgeltung für die Vereine geben“, sagt Ursula Puchebner. Sie kann sich auch vorstellen, die Tierschutzvereine über eine Finanzierung, die an die Einwohnerzahl der Gemeinden geknüpft ist, zu unterstützen. „Tierschutz muss den Gemeinden etwas wert sein und geht uns alle an“, so die Bürgermeisterin.

Der Termin für den „Runden Tisch“ steht noch nicht fest. Diesen gibt Androsch vor. Bis dahin bleibt die Situation, wie sie ist: Mit viel Herzblut kümmern sich die Tierschutzvereine aufopfernd um Tiere in Not.