Erstellt am 12. Oktober 2015, 08:28

von Sabine Hummer

Transitlager in St. Johann vom Tisch. Halle mitten in St. Johann sollte Transitlager für 300 bis 500 Flüchtlinge werden. Bürgermeister intervenierte erfolgreich dagegen, Infrastruktur reicht nicht aus.

Mitten im Ortskern von St. Johann liegt die Halle, in der zwischen 300 und 500 Flüchtlinge untergebracht werden sollten.  |  NOEN, Foto: Hummer

Eine Hiobsbotschaft erreichte Bürgermeister Johannes Heuras am vergangenen Mittwochnachmittag. In einem Telefonat mit der Bezirkshauptmannschaft Amstetten wurde er davon in Kenntnis gesetzt, dass die Hallen der Firma RS Auktionen in St. Johann seitens des Innenministeriums beziehungsweise der Landespolizeidirektion (LPD) als Flüchtlingstransitquartier ins Auge gefasst wurde. 300 bis 500 Flüchtlinge sollten abends mit Bussen dorthin gebracht werden und am nächsten Morgen weiterreisen.

„Ich habe sofort mit dem Führungsstab der Landespolizeidirektion Kontakt aufgenommen“, sagt Bürgermeister Heuras. „Denn das übersteigt unsere Leistungsfähigkeit bei Weitem.“

"Das können wir nicht schaffen!"

In Städten wie Tulln, St. Pölten und Wieselburg gibt es solche Lager bereits. Die liegen aber nicht mitten im Ort, wie es in St. Johann der Fall wäre. „Es gibt nur zwei Zufahrten, die eine bei der Kirche, die andere bei der Feuerwehr. Und genau dort spielt sich auch das Dorfleben ab“, erklärt Heuras die Gründe, warum ein solches Quartier in St. Johann nicht möglich wäre. Im Ortskern selbst wohnen nur rund 300 Personen, dort 300 Flüchtlinge unterzubringen, stünde daher in keinem Verhältnis.

Aber auch die örtliche Infrastruktur – das Kanalnetz, die Wasserversorgung und die Internetverbindung – seien für eine derart große Personenzahl nicht ausgelegt, sagt Heuras: „Wir stehen dazu, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Aber das können wir nicht schaffen!“

Johannes Heuras setzte daraufhin am Mittwochabend einen Krisenstab mit Ortsvorsteher Johannes Tanzer, Vizebürgermeister Alois Seirlehner und Amtsleiter Josef Maderthaner ein. Auch die Gemeinderäte aller Fraktionen wurden informiert und gemeinsam mit sämtlichen Vereinsobleuten aus St. Johann am Donnerstagnachmittag zu einer Lagebesprechung im Gemeindeamt einberufen.

Groß angelegte Info-Kampagne

Darüber hinaus wurde eine Stellungnahme zum Thema verfasst, die per Postwurf an alle Haushalte in St. Johann ausgeschickt und zusätzlich auf der Gemeindehomepage veröffentlicht wurde. „Mir war wichtig, alle zu informieren, damit keine Verunsicherung in der Bevölkerung entsteht“, betont Heuras. Etwa zwanzig Stunden nach dem Telefonat mit der BH war das Transitlager in St. Johann vom Tisch. Der Landesführungsstab hatte die Bedenken der Gemeinde zur Kenntnis genommen.

Schon vor einigen Wochen hatten die Behörden übrigens ein Transitlager für mehrere hundert Flüchtlinge in der Gemeinde Weistrach auf dem Gelände des ehemaligen Küchenherstellers Kornmüller ins Auge gefasst. Dort winkte dann aber der neue Besitzer des Areals ab, der es selbst benötigt.