Erstellt am 12. November 2015, 04:53

von Sabine Hummer

Unterricht an vier Haager Bauernhöfen. Seit Schulbeginn arbeitet die Volksschule Haag mit vier Bauernhöfen unter dem Slogan „Schule am Bauernhof“ eng zusammen.

Ein Erlebnis für Schüler, Lehrer und auch Bäuerinnen ist das neu angelaufene Projekt »Schule am Bauernhof« in Haag. Die Kinder und (hinten v.l.) Direktorin Andrea Preissler, Lehrerin Andrea Zeitlhofer, Gemeindebäuerin Silvia Schaumberger, Karin Metz, Sonja Illich, Annemarie Hiebl und Regina Geiblinger freuen sich bereits darauf. Foto: Hummer  |  NOEN, Sabine Hummer
Kontakte zwischen der Volksschule und den Bauernhöfen in Haag hat es bisher schon immer wieder gegeben.

„Oft haben uns die Klassen meiner Kinder im Rahmen eines Wandertages besucht und einen Vormittag am Hof verbracht. Auch sonst gab es immer wieder Besuch aus den Schulen, aber meist nur von einer Klasse“, erzählt etwa Karin Metz vom Mostviertler Kürbishof.

Nun wird diese bisher lose Beziehung auf professionell koordinierte Beine unter dem Motto „Schule am Bauernhof“ gestellt.

Bäuerinnen arbeiteten für jede Schule Konzept aus

Nach St. Valentiner Vorbild – hier gibt es schon seit einigen Jahren das Projekt „Schule am Bauernhof“ – haben sich vier Haager Bäuerinnen zusammengeschlossen, um es allen Schülern von der ersten bis zur vierten Klasse zu ermöglichen, in die verschiedenen Betriebe hinein zu schnuppern.

Bereits im vorigen Schuljahr wurde seitens der Bäuerinnen Kontakt mit Direktorin Andrea Preissler aufgenommen, die von diesem Projekt sofort begeistert war. Zu Schulbeginn wurde das Konzept den Lehrern vorgestellt, die davon ebenso angetan waren.

Für jede Schulstufe wurde seitens der Bäuerinnen ein pädagogisch wertvolles Konzept, passend zu ihren Höfen, aufbereitet. Dafür ausgebildet wurden die Landwirtinnen in St. Pölten, wo die Landwirtschaftskammer eigene Kurse zum Thema „Schule am Bauernhof“ anbietet. Die Erlebnisse am Bauernhof fließen dann auch in den Sachunterricht ein.

„Viele glauben wirklich, dass Schweine
sprechen können und Kühe lila sind.“
Regina Geiblinger über die Tierbilder,
die Kinder aus dem Fernsehen kennen

„Der Unterricht ist durch die Zusammenarbeit mit den Bauernhöfen realitätsnah und etwas ganz anderes, als in der Theorie. Schule am Bauernhof ist ein Unterricht mit allen Sinnen und außerdem ein lebendiger Heimatkundeunterricht, da die vier Höfe in verschiedenen Ortsteilen von Haag liegen“, freut sich Direktorin Andrea Preissler über diese besondere Kooperation.

Als Auftakt und Einführung in das Thema werden die Kinder der ersten Klassen Regina Geiblinger auf ihrem Alpakahof besuchen. Dort lernen die Schüler den Umgang mit den exotischen Tieren, die seit fünf Jahren am Haager Hof beheimatet sind.

„Wir wollen den Kindern ein reelles Bild von der Landwirtschaft vermitteln“, sagt Regina Geiblinger, die ein für alle Mal mit befremdlichen Tierbildern, wie Kinder sie aus Werbung und Fernsehen kennen, aufräumen will. „Es gibt immer weniger Kinder, die einen Bezug zu Nutztieren haben. Viele glauben wirklich, dass Schweine sprechen können und Kühe lila sind.“

Jedes Kind darf sein eigenes Weckerl backen

Die zweiten Klassen sind bei Sonja Illich eingeladen, die die Schüler mit Hintergrundwissen zum Thema „Vom Korn zum Brot“ versorgt. „Es ist wichtig, dass die Kinder wissen, woher ihre Nahrungsmittel stammen“, sagt Sonja Illich. Jedes Kind darf bei ihr sein eigenes Weckerl backen. Das Thema „Brot“ passt perfekt zur zweiten Schulstufe als Vorbereitung auf die Erstkommunion.

Obstklauben und selbst Saft pressen heißt es hingegen in den dritten Klassen, wenn die Schüler auf den Hof von Annemarie Hiebl kommen. Heimatkunde und das Thema „Mostviertel“ werden parallel dazu im Unterricht behandelt.

„Für die Kinder ist es ein Erlebnis, einen ganz frisch gepressten Saft zu trinken. Auch, dass das Obst erst geklaubt werden muss, ist für viele eine neue Erkenntnis“, will Hiebl den Kindern Wertschätzung für die Mostviertler Kulturpflanzen, die Birn- und Apfelbäume, vermitteln.

Im Abschlussjahr der Volksschule wandern die Kinder schließlich auf den Mostviertler Kürbishof Metz, wo sie mit Karin Metz alles zum Thema „Kürbis“ erleben und erfahren dürfen. „Von der Ernte, bis zum Waschen, Schnitzen und Bemalen reicht die Palette. Mir ist auch wichtig, dass wir gemeinsam eine Kürbissuppe kochen und die Kinder sehen, wie einfach ein köstliches Gericht mit regionalen Lebensmitteln zubereitet wird“, sagt Karin Metz.

Unterstützung erfährt das „Schule am Bauernhof“-Team von Gemeindebäuerin Silvia Schaumberger. Für sie ist es wichtig, dass die Lehrer auf die Bauernhöfe mitkommen. „Dadurch wird das Bewusstsein für Regionalität in den Lebensmitteln an die Kinder weitergegeben und gestärkt.“