Erstellt am 25. Januar 2016, 14:50

von Doris Schleifer-Höderl

Vollprofi Gruber: Gips hat immer Saison. Bernhard Gruber ist Gipser am Landesklinikum Amstetten. Sein Job erfordert Können, Erfahrung, aber auch Einfühlungsvermögen – vor allem bei Kindern.

Bernhard Gruber ist ein Gipsprofi. Patient Johannes Leonhartsberger weiß sich beim Verbandswechsel daher in guten Händen. Foto: Schleifer-Höderl  |  NOEN, Schleifer-Höderl
„Hier bei uns ist nicht nur im Winter viel los, sondern das ganze Jahr über“, sagt Bernhard Gruber und schmunzelt. Im rund 40 Quadratmeter großen Gipszimmer in der Notaufnahme im Landesklinikum Amstetten ist er gerade dabei, Johannes Leonhartsberger einen alten Gips abzunehmen und einen neuen anzulegen. Der OP-Assistent ist seit 16 Jahren im Spital tätig und bereits das sechste Jahr ausschließlich als Gipser in der Notaufnahme tätig.

Wie viele Leute der 38-jährige Amstettner schon eingegipst hat, weiß er nicht mehr. „Einige tausend werden es wohl schon sein.“ Von einfachen Verbänden aus weißem Naturgips und farbenfrohen aus Kunststoff über unterschiedlichste Gipsschienen bis hin zu Spezialverbänden reicht das Repertoire. Pro Jahr werden im Klinikum Amstetten insgesamt rund 2.400 Gipsverbände angelegt.

Gruber wirft einen Blick auf die Uhr. „10.30 Uhr, da werden wir heute schon noch einiges zu tun bekommen, Karl“, sagt er zu seinem Kollegen Karl Pils, der an diesem Tag mit ihm Dienst hat. „Wenn draußen Schnee liegt und der Boden gefroren ist, so wie jetzt, dann kommt es oft zu Verletzungen“, weiß Gruber aus Erfahrung.

Egal welche Patienten zu ihm kommen – kleine Kinder, Erwachsene nach einem Sportunfall oder auch Pensionisten, die hingefallen sind, der Gipser weiß, dass nicht nur sein handwerkliches Können gefragt ist, sondern auch Einfühlungsvermögen. „Die Leute sind ja in einem Ausnahmezustand und haben oft starke Schmerzen. Ich versuche dann, sie zu beruhigen und während des Gipsanlegens nett mit ihnen zu plaudern. Das wirkt oft Wunder.“

Bei Kindern fließen oft auch Tränen

Bei kleinen Kindern fließen natürlich auch oft Tränen. Aber da er selbst Vater eines jetzt 13-jährigen Sohnes ist, weiß Gruber auch, wie er damit umgehen muss. „Vor allem muss man das Vertrauen der Kinder gewinnen und es schadet auch nicht, wenn man sie lobt und ihnen sagt, wie tapfer sie sind.“

Fad wird den Gipsern ihre Tätigkeit nie, weil ja immer wieder Patienten mit anderen Verletzungen kommen und oft ist viel Erfahrung und Können gefragt. Gruber weiß auch selbst, wie sich ein Gips anfühlt. Dreimal hatte er bereits das „Vergnügen“. „Einmal wegen einer Knieverletzung, das andere Mal an der Hand und das dritte Mal weiß ich gar nicht mehr. Einer meiner Kollegen muss das offenbar so toll gemacht haben, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann“, scherzt Gruber.

Wichtig ist dem Gipser mit einer Mär aufzuräumen. Er und seine Kollegen würden von Patienten nämlich immer wieder nach einem Sportgips gefragt. „Den gibt es aber nicht. Was es gibt, ist ein Kunststoffgips, der angenehmer zu tragen ist und der dennoch die nötige Stabilität besitzt. Sport darf man aber auch damit nicht betreiben – schließlich soll ja eine Verletzung ausheilen.“

Der neue Gips von Johannes Leonhartsberger ist inzwischen fertig und dieser bedankt sich und verlässt das Zimmer. Zeit zum Verschnaufen bleibt aber nicht, denn schon kommt der nächste Patient herein. Bei Bernhard Gruber ist er in guten Händen!