Erstellt am 15. März 2016, 04:07

von Daniela Rittmannsberger

Vom Leben hinter dem Schleier. Anlässlich des Weltfrauentages erzählte Nahost-Korrespondentin Petra Ramsauer auf der Frauenkonferenz in bewegenden Worten über das Schicksal von Frauen inmitten des Krieges.

Nahost-Korrespondentin Petra Ramsauer (Mitte) berichtete in der St. Valentiner Stadtbibliothek in bewegenden Worten über das Schicksal von Frauen inmitten des Krieges. Einige Flüchtlinge, die in St. Valentin eine neue Heimat gefunden haben, erzählten von ihrer Flucht aus Syrien. Foto: Rittmannsberger  |  NOEN, Rittmannsberger
Was bedeutet es im arabischen Raum, eine Frau zu sein? Nimmt man sich unterdrückt und verschleiert überhaupt als Frau wahr?

Frauen im arabischen Raum und besonders in den Epizentren des Krieges standen im Mittelpunkt der St. Valentiner Frauenkonferenz, die vergangene Woche anlässlich des Weltfrauentages vorwiegend Frauen in die Stadtbibliothek lockte.

„Es ist ein Geschenk Gottes,
wo wir jetzt leben.“
Die junge Syrerin Jasmin, die
in St. Valentin eine Heimat fand

Zu diesem Anlass wurde mit der bekannten Journalistin Petra Ramsauer jene Dame eingeladen, die am besten weiß, wie es den Frauen dort geht: Die Nahost-Korrespondentin berichtet seit mehr als 20 Jahren aus Kriegsgebieten und kennt die aktuelle Problematik genau. „Ich kenne Kriege in der längerfristigen Perspektive. Vieles, was uns jetzt beschäftigt, gibt es schon länger.“

Die Autorin einiger Bücher zeigte Fotos ihrer Reisen nach Syrien und gab einen Einblick in die Hintergründe des Krieges. Denn vielen sei vor allem unbekannt, dass es in Syrien bis zuletzt immer wieder Demonstrationen gegen die Besetzung des Landes durch die Regierung gegeben habe und diese von den Frauen getragen wurden. „Die Frauen haben Widerstand geleistet und Flugblätter verteilt. Sie haben sich für ein modernes, freies Syrien eingesetzt“, erzählt die Expertin.

Seit dem Ausbruch des Krieges im Jahr 2011 hat sich in Syrien vieles radikal verändert, wie Ramsauer selbst miterlebte: „Es gibt mittlerweile keine Ärzte, keinen Strom und keine Infrastruktur mehr. Und nur mehr eine einzige Hebamme im ganzen Land.“

Dass die selbstbewussten Frauen Syriens dort ein fremdbestimmtes Leben führen, spürte die Autorin, als sie mit einer Krankenschwester sprach: „Sie sagte zu mir: Ich muss mich anpassen und verschleiern, sonst bin ich verloren. Wenn wir den Krieg gewonnen haben, lebe ich wieder ein freies Leben.“ Mittlerweile ist es selbst Ramsauer kaum mehr möglich, sich unverschleiert in Syrien aufzuhalten. Für Frauen sei es „gefährlicher als für einen Soldaten im Krieg.“

Mehr Frauen als Männer sind auf der Flucht

Vor allem Vergewaltigungen und Zwangsheiraten setzen den syrischen Frauen zu; zurzeit sind mehr Frauen als Männer auf der Flucht aus ihrem Heimatland. Doch Ramsauer beobachtete nicht nur das Leid der Frauen, sondern auch, wie sich so manche zur Wehr setzte und gegen das Regime ankämpfte. „Es gibt eine Revolution der Frauen. Sie sagen sich: „Ich kann auch kämpfen“, erzählte die Journalistin.

Zur Frauenkonferenz waren neben der Nahost-Expertin auch einige syrische Damen eingeladen, die in der St. Valentiner Godamühle leben. Sie erzählten über die Flucht aus Syrien und das Leben dort: „Man lebte in ständiger Angst um die Familie und um die Kinder“, erzählte Jasmin, eine junge Syrerin.

Sie verlor auf der Flucht ihren Mann aus den Augen und traf ihn erst ein Jahr und zwei Monate später in Österreich wieder. Für viele Frauen sei es ein völlig neues Erlebnis, als eigenständige Person wahrgenommen zu werden, sagt Petra Ramsauer, sie definieren ihr Frauenbild neu.

Die St. Valentiner Flüchtlinge bedankten sich am Ende der Veranstaltung für die Unterstützung, die sie vor Ort erfahren: „Es ist ein Geschenk Gottes, wo wir jetzt leben. Wir schlafen ohne Angst und haben auch keine Angst mehr, wenn die Kinder draußen sind. Wir leben in Frieden – das ist das Wichtigste.“ Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen der sichtlich bewegten Zuhörer und bei den „Menschen mit Herz, die diese sehr, sehr mutigen Frauen unterstützen.“