Erstellt am 05. Januar 2016, 03:53

von Ingrid Vogl

Wirlinger, der Mann im Hintergrund. Kreativer Kopf: Seit 2003 ist Hannes Wirlinger (45) als freier Drehbuchautor tätig. 18 Folgen der Fernsehserie „Soko Kitzbühel“ stammen aus der Feder des gebürtigen St. Valentiners.

Der gebürtige St. Valentiner Hannes Wirlinger war zehn Jahre lang einer der kreativen Köpfe hinter der Erfolgsserie »Soko Kitzbühel«. Mit NÖN-Redakteurin Ingrid Vogl sprach er über seine Liebe zum Schreiben, seinen Werdegang vom Journalisten zum Drehbuchautor und über die Herausforderungen, die sein Beruf mit sich bringt. Foto: Fuchs  |  NOEN, Fuchs
Ab Dienstag flimmert die 15. Staffel von „Soko Kitzbühel“ über die heimischen Bildschirme. Anfang April feiert man mit der 200. Folge ein ganz besonderes Jubiläum.

Einer, der dazu beigetragen hat, dass die Krimiserie zur Erfolgsgeschichte wurde, ist der gebürtige St. Valentiner Hannes Wirlinger. Der freie Drehbuchautor zählte zehn Jahre zum Team, 18 Folgen stammen aus seiner Feder.

„Zum Schreiben kommt man übers Lesen“

Seine Liebe zum Krimi entdeckte Wirlinger bereits in jungen Jahren. Dank seiner Mutter war er Stammgast in der St. Valentiner Bibliothek und stürzte sich vor allem auf Krimis und Geheimagenten-Geschichten.

„Zum Schreiben kommt man übers Lesen“, ist Wirlinger davon überzeugt, dass bereits damals der Grundstein für seinen heutigen Beruf gelegt wurde.

So richtig zum Schreiben kam er dann durch seinen Deutschprofessor in Linz. „Er hat viel gefordert und das hat viel gebracht. Mit 16 habe ich dann begonnen, Geschichten und Romane auf der Schreibmaschine zu schreiben“, erinnert sich Wirlinger an seine Anfänge.

Vom Publizistik-Student zum Drehbuchautor

Dass er das Schreiben zum Beruf machen möchte, stand für den Mostviertler damals bereits fest. Das Publizistik-Studium in Wien und der Berufswunsch Journalist waren die logische Folge. Wirlinger schrieb für die OÖ Rundschau Tourismusgeschichten, machte ein Praktikum bei der NÖN in Mödling und arbeitete für den NÖ Pressedienst. Hundertprozentig glücklich war er damit aber nicht.

Seine Erfüllung fand Wirlinger erst in der 1. Wiener Filmschule, wo er von 1996 bis 1997 die Drehbuchklasse besuchte. „Die Ausbildung war sehr praxisbezogen. Dabei habe ich gesehen, dass ich Talent für Geschichten habe“, erzählt Wirlinger.

Der Durchbruch als Drehbuchautor gelang ihm im Jahr 2003 nach einem zweiten Platz beim Carl-Mayer-Drehbuchpreis in der Kategorie Fernsehfilm. Er wurde vom ORF zu einem Gespräch eingeladen, knüpfte Kontakte zu Beo-Film und durfte Themenvorschläge abgeben. Darunter auch sein erstes verfilmtes „Soko Kitzbühel“-Drehbuch „Kajak in den Tod“, das im Vorfeld noch abgelehnt worden war.

„Wenn man an eine Geschichte glaubt, dann soll man sie durchziehen und sich nicht einschüchtern lassen. Durchhaltevermögen ist in dem Beruf ganz besonders wichtig“, hat Wirlinger aus dieser Erfahrung gelernt.

„Die Geschichten zu finden, ist nicht
das Problem. Schwierig ist, sie am
Fernsehmarkt zu verkaufen.“
Hannes Wirlinger

Dass es zwar keinen Film ohne Drehbuch gibt, der Autor bei der Produktion aber nicht dabei ist und auch nichts mehr mitzureden hat, musste Wirlinger auch akzeptieren lernen.

Wie sein Drehbuch im Detail verfilmt wurde, war daher auch für Hannes Wirlinger stets ein Geheimnis, das sich erst bei der Ausstrahlung der Folge lüftete. „Da waren schon Dinge dabei, die ich anders gesehen hätte, aber auch Dinge, die schöner geworden sind, als ich mir das vorgestellt habe“, betont Wirlinger.

Vor zwei Jahren beendete der heute 45-Jährige seine Tätigkeit für „Soko Kitzbühel“ und suchte sich andere spannende Aufgabenfelder. „Ich möchte breiter werden und kreativer in verschiedene Richtungen“, begründet Wirlinger diesen Schritt.

Er schrieb Kinderbücher, für die er derzeit einen Verlag sucht, und arbeitet mit einer Kollegin an einem Kinofilm. Und er verfasste Drehbücher für die neue ORF-Produktion „Fokus Mord“, die es voraussichtlich ab Herbst zu sehen gibt. Dabei werden reale Mordfälle dramaturgisch aufbereitet. Acht Folgen sind vorerst geplant, zwei davon stammen von Hannes Wirlinger.

Wissenswertes

  • Drehbuchautoren verkaufen nicht das fertige Drehbuch, sondern das Exposé. Darin wird der grobe Ablauf der Geschichte geschildert. Dann wird ein sogenanntes Treatment verfasst, in dem alle Szenen genau beschrieben werden. Erst beim Drehbuch kommen die Dialoge dazu.

  • Drehbuchautoren sind auch bei Fernsehproduktionen nicht angestellt und werden in drei Phasen bezahlt. Ein Drittel bekommen sie, wenn eine Geschichte gekauft wird. Das zweite Drittel folgt, wenn die Geschichte produziert wird, das dritte Drittel gibt es nur bei Ausstrahlung.