Erstellt am 05. April 2016, 04:44

von NÖN Redaktion

Wirtschaft und Werte 2.0. Die Ausstellung „Schau ma amoi“ anlässlich des 125. Geburtstages von Julius Raab wurde eröffnet. Es geht darin um Ziele und Werthaltungen von damals und heute.

In einem ersten Rundgang durch die Räumlichkeiten brachte Abt Petrus Pilsinger den Ehrengästen mit Landeshauptmann Erwin Pröll an der Spitze die Inhalte der Ausstellung näher. Fotos: Daniela Rittmannsberger  |  NOEN, Daniela Rittmannsberger

„Schau ma amoi“ – lautete ein beliebter Ausspruch von Staatsvertragskanzler Julius Raab und ist daher nun auch der Titel einer Ausstellung im Stift Seitenstetten anlässlich seines 125. Geburtstages.

Vergangenen Freitag wurde die Schau im Stift Seitenstetten eröffnet, im Beisein von zahlreichen Politikern und Vertretern der Wirtschaftskammer. Moderiert wurde die Eröffnungsfeier, die im Promulgationssaal stattfand, vom Geschäftsführer der Kultur.Region.Niederösterreich, Martin Lammerhuber, der zu Beginn den Hausherrn Abt Petrus Pilsinger auf die Bühne bat.

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Die Knackwurst, die als Leibspeise von Kanzler Raab galt, sei ein Symbol der Bodenständigkeit, sagte der Geistliche. „Wir wollten keine rein historische Ausstellung machen. Wir wollen provozieren und zum Nachdenken anregen. “

Tatsächlich werden die Werthaltungen der sozialen Marktwirtschaft der Nachkriegszeit und die Ordensregel des hl. Benedikt dem Wirtschaften und Arbeiten im 21. Jahrhundert gegenüber gestellt und brennende Fragen aufgegriffen: die Zukunft der Wirtschaft, die Zukunft der Umwelt, die Zukunft der Arbeit.

Mit einem Handy-Altar wird auf die Risiken einer zunehmend virtuellen Welt hingewiesen. Insgesamt wird der Bogen vom Barock in die Neuzeit derart facettenreich gespannt, dass es nicht weit ist von Wein, Weib und Gesang zum einsamen Workaholic vor dem PC.

„Werte-Kanon, der bis heute Gültigkeit hat“

Landeshauptmann Erwin Pröll betonte bei der Ausstellungseröffnung, dass es wichtig sei, mit Weitblick die richtigen Schritte zu setzen, wenn man ein Ziel erkannt habe. „Wir dürfen nie vergessen, das Miteinander hochzuhalten. Auch der Weitblick ist heute genauso gefordert, wie es damals der Fall war, nämlich der Weitblick gemeinsam mit der Sensibilität, orten zu können, worauf es ankommt.“

Der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl, betonte, dass Raab vor allem ein „Wegweiser“ gewesen sei, „und Wegweiser mit Hausverstand und Überzeugungskraft werden in unseren schnelllebigen Zeiten mehr denn je benötigt“.

Für die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich, Sonja Zwazl, hat Raab „einen ganzen Werte-Kanon hinterlassen, der bis heute Gültigkeit hat“. Unter anderem führte sie Dialogbereitschaft, Offenheit für neue Entwicklungen, den Willen zur Zusammenarbeit, die ständige Bereitschaft zu Bildung und Weiterbildung sowie Eigenverantwortung und Leistungsbereitschaft an.

Dialog zwischen Raab, Benedikt und „Android“

Nach der Eröffnung, die musikalisch und tänzerisch von Schülerinnen des Stiftsgymnasiums umrahmt wurde, folgte natürlich ein Gang durch die Ausstellung. Moderne Installationen mischen sich dort mit historischen Dingen aus dem privaten Nachlass Raabs‘. Besonders ein virtueller Dialog zwischen Raab, dem heiligen Benedikt und „Android“ – dem Stellvertreter für die moderne Welt – regt zum Nachdenken an.

Nach dem Rundgang wurde noch zu einem Knacker-Essen – angeblich eben die Lieblingsspeise von Julius Raab – in den Stiftsmeierhof geladen.

Die Ausstellung ist ab sofort bis Ende Oktober täglich von 9 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet: www.schau-ma-amoi.at .

NÖN.at hatte berichtet:


Julius Raab

Der ehemalige ÖVP-Politiker Julius Raab wurde zu seinen Lebzeiten oft als der „Baumeister der Zweiten Republik“ bezeichnet, wohl auch deshalb, weil er selbst aus einer St. Pöltner Baumeisterfamilie stammte. Er war Bundeskanzler, als 1955 der Staatsvertrag unterzeichnet wurde.

Raab war ein Freund der Großen Koalition von ÖVP und SPÖ sowie ein Verfechter der Sozialpartnerschaft. 1964, nach seinem Tod, hat das Stift Seitenstetten Raabs Nachlass erhalten.