Erstellt am 16. März 2016, 05:14

von Hans Kopitz

Ärger über EU-Richtlinie. Gesetzlich vorgeschriebene Aufstiegshilfen, welche Gewässer fischdurchgängig machen sollen, stellen eine große finanzielle Belastung für die Kleinwasserkraftwerke dar.

„Wir haben trotz großer finanzieller Belastung unser Soll erfüllt. Wie wird es aber beim Bund und Land sowie bei den Gemeinden ausschauen, die die rund 90 Buhnen entlang der Traisen umbauen müssen, damit der Fluss funktionier?t“, fragt Kurt Merkl, Obmann-Stellvertreter des Herzogenburger Wehrverbandes. „Wasserkraft ist seit jeher ein ständiger Begleiter von Handwerk, Gewerbe und Industrie und somit Initiator der wirtschaftlichen Entwicklung. So prägen die Mühlbäche links und rechts der Traisen seit mehr als 600 Jahre das kulturelle Landschaftsbild der Region.“  |  NOEN, Kopitz

Eine EU-Umweltschutzrichtlinie sorgt bei den Betreibern von Kleinwasserkraftwerken für Unmut. Sie schreibt Investitionen vor, die sich oft nicht rentieren würden. Für viele private Betreiber geht es um die eigene Existenz.

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie bedeutet in der Praxis, dass es Fischen künftig ermöglicht werden muss, ohne Barrieren die Flussläufe zu durchschwimmen. Dazu müssen bis spätestens 2027 spezielle Aufstiegshilfen errichtet werden. In Zeiten niedriger Strompreise ist das keine Kleinigkeit.

„Für das Kraftwerk ist das ein Desaster“

„Für einen Höhenmeter, den man mit der Fischleiter überwinden muss, muss man zwischen 70.000 und 100.000 Euro an Baukosten rechnen. Für das Kraftwerk selbst ist das ein Desaster“, sagt ein NÖ Kraftwerksbetreiber.

In NÖ beziehen knapp 150.000 Haushalte ihren Strom von den kleineren Kraftwerken abseits der großen Gewässer. Die EVN betreibt etwa 60 der mehr als 500 Kleinkraftwerke im Bundesland. „Wir haben einen Teil unserer Kleinwasserkraftwerke bereits auf den Stand der Technik gebracht, sie ertüchtigt und fischdurchgängig gemacht“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach. „Das kostet aber natürlich auch Geld. Wir hoffen sehr, dass die strengen Vorgaben der EU in Österreich nicht noch verschärft werden.“

„Ja, das Ganze soll nun eben sein, dass von der Mündung bis zum Ursprung die Fische den Flusslauf durchschwimmen können. Die drei Wehrverbände - der Wehrverband Herzogenburg sowie die Wasserwehrgenossenschaften St. Pölten und Altmannsdorfer Wehr - haben ihre Pflicht erfüllt und sind mit ihrer Arbeit fertig. Wir haben drei Fischaufstiegshilfen - in Wolfswinkel, Spratzern und an der Altmannsdorfer Wehr - gebaut und trotz der Förderung - je 25 Prozent zahlen Land und Bund - war es schon eine große finanzielle Belastung für uns, aber wir werden es überleben“, sagt Kurt Merkl, Obmann-Stellvertreter des Herzogenburger Wehrverbandes.

Abgabe von Restwasser macht auch Probleme 

Probleme macht jedoch die ständige Abgabe von Restwasser an die Traisen, nicht nur in einem extremen Sommer, wie er 2015 vorherrschte.

Die Fische werden außerdem von Kormoranen und Fischreihern, die da leichteres Spiel haben, stark dezimiert“, so Merkl. Er betont, dass Österreich bei dieser Umweltschutzrichtlinie in der EU wieder einmal Vorreiter ist. Seinen Informationen zufolge werden es andere Länder bis zum Jahr 2027 nicht schaffen.

Die Aufstiegshilfen werden am 1. April bei der Eröffnungsfeier in Spratzern gesegnet. Sowohl Landesrat Stephan Pernkopf als auch Vertreter der drei Wehrverbände werden daran teilnehmen.