Erstellt am 30. März 2016, 04:54

von Alex Erber

Also doch: Massive Kritik zum Abschied. Vor Hofübergabe von Krammel an Gorenzel: VP beschäftigt die Frage, warum der SP-Bürgermeister "so plötzlich zurücktritt."

Gottfried Krammel: "Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie mich die politischen Mitbewerber gern hätten."  |  NOEN, NÖN, Heumesser

Hofübergabe: Am Donnerstag, 31. März, wird SP-Bürgermeister Gottfried Krammel seine letzte Gemeinderatssitzung leiten. Dabei wird noch kein Nachfolger gewählt. Danach übergibt er das Zepter, wie ausführlich berichtet, an seine bisherige Stellvertreterin Karin Gorenzel. Wenige Tage vor dieser Sitzung tauchen Misstöne auf, was diesen Wechsel anbelangt.

Die Optik ist bezeichnend. An dem Tag, an dem sich Krammel per Gemeindezeitung von den Wölblingern verabschiedete, erschien auch die jüngste Ausgabe von „VP aktuell“. Darin übt Parteiobmann Gemeinderat Manuel Erber massive Kritik, die in Fragen gegossen ist, die auch der „Prangermann“ auf der letzten Seite des Blattes stellt: „Uns als VP Wölbling beschäftigen im Moment folgende Fragen: Warum der plötzliche Rücktritt? Wie lange war dieser Schritt schon geplant? Welche Gründe gibt es dafür? Was steckt dahinter?“ Im NÖN-Gespräch präzisiert Erber: „Jeder Mensch, der sich ein bisschen mit Politik beschäftigt, weiß, dass ein solcher Wechsel nicht innerhalb weniger Wochen zustande kommt. Es stellt sich die Frage, wie die Gemeinderatswahl im vergangenen Jahr ausgegangen wäre, wenn man den jetzt erfolgten Schritt schon vorher gewusst hätte.“

„Überrascht und auch enttäuscht“

In diese Kerbe schlägt auch Klubsprecher geschäftsführender Gemeinderat Peter Hießberger. Er stellt fest: „Wie viele Bürger sind wir überrascht und auch enttäuscht vom plötzlichen Rücktritt.“

Gottfried Krammel wiederum verweist in diesem Zusammenhang auf die Vergangenheit: „Einen solchen Bürgermeister-Wechsel gab es in Form und nahezu gleichem Zeitabstand auch im Jahr 1996. Damals trat Josef Mitmannsgruber zurück. Er war rund drei Monate länger im Amt als ich in dieser Periode. Zu Mitmannsgrubers Nachfolger wurde dann Herbert Erber gewählt.“

Die Kritik nimmt das Noch-Gemeindeoberhaupt ziemlich gelassen zur Kenntnis: „So ist sie eben, unsere VP-Opposition. Immer für einen Untergriff gut. Aber das war ich viele Jahre gewohnt, deshalb wundert mich die Attacke zum Abschied überhaupt nicht.“

Peter Hießberger hat Karin Gorenzel in einem offenen Brief Zusammenarbeit angeboten. Krammel: „Ich mache meiner Nachfolgerin hier natürlich keine Vorgaben, aber man muss das Angebot so nehmen, wie es ist: Es handelt sich um ein reines Lippenbekenntnis.“

Krammel abschließend: Ich wurde geboren, ohne es zu wollen. Ich werde sterben, ohne dass ich es möchte. Also lasst mich wenigstens nach 35 Jahre Kommunalpolitik so leben, wie ich es will. Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie mich die politischen Mitbewerber gern hätten.“