Erstellt am 08. März 2016, 05:04

Bald neue Ortschefin : "Politik in Wiege gelegt". Karin Gorenzel, Vizebürgermeisterin in Wölbling, spricht über ihre Erfahrungen in der Politik, den Weltfrauentag und was sich für Frauen künftig ändern muss.

 |  NOEN, zVg

Seit elf Jahren ist Karin Gorenzel im Gemeinderat, seit sechs Jahren Vizebürgermeisterin. Ab April soll sie die Nachfolge von Gottfried Krammel antreten und erste Bürgermeisterin in der Region werden. Anlässlich des Weltfrauentages sprach die künftige Ortschefin über Quotenregelung, Frauen in der Politik und Väterkarenz.

Die Politik wurde Gorenzel in die Wiege gelegt: „Der Großvater mütterlicherseits war Bürgermeister, die Großmutter väterlicherseits Gemeinderätin und auch mein Vater war lange im Gemeinderat.“ In der Familie sei immer viel politisiert worden und als Bürgermeister Krammel fragte, ob sie mitarbeiten wolle, habe sie nicht lange gezögert. Diesen Schritt habe sie nie bereut, „obwohl Politiker keinen guten Ruf haben.“ Das sei auch ein Grund, weswegen es so wenige Frauen in der Politik gebe. „Viele Frauen stehen nicht gerne in der Öffentlichkeit, Männer sind da risikofreudiger, sie versuchen einfach, Frauen hingegen überlegen viel und trauen sich oft nicht“, glaubt die Sozialdemokratin.

Sie findet das schade und möchte mehr Frauen dazu bewegen, sich im Gemeindegeschehen einzubringen. „Vielleicht fungiere ich ja jetzt als eine Art Vorbild“, hofft Gorenzel. Dass viele Menschen von den Abendterminen abgeschreckt sein könnten, lässt sie nicht gelten, denn das sei Einteilungssache. Es brauche gutes Management, um alles unter einen Hut zu bekommen, und Unterstützung der Familie. „Da gibt es keinen Unterschied, ob Frau oder Mann in der Politik ist“, sagt sie. Gorenzel habe sich für ihre politische Position zwar nie rechtfertigen müssen, „trotzdem musste ich mit größerer Fachkompetenz aufwarten als so manch männlicher Kollege.“

„Man kann nichts erzwingen"

Erste Ortschefin in der Region zu werden, ist für sie weniger bedeutend. „Es gibt in der Umgebung – wenn auch nicht in der Region – Bürgermeisterinnen.“ Grundsätzlich sei sie der Meinung, dass man nichts erzwingen soll: „Auf Biegen und Brechen wird nichts funktionieren, es kommt, wie es kommt.“

Dieser Ansicht ist sie auch, was die Frauenquote betrifft. Auf Zwang eine Frau in eine Position zu drängen, die sich damit nicht wohlfühlt, sei der falsche Weg. „Allerdings halte ich die Quote bei Streitigkeiten, ob eine Frau oder ein Mann zum Zug kommt, für sinnvoll.“

Damit auch Frauen öfter ein politisches Amt bekleiden können, sollte laut Gorenzel die Väterkarenz leichter gemacht werden. In diesem Zusammenhang weist sie auf ihr Lieblingszitat von Johanna Dohnal hin: „Was soll denn heißen, eine Frau hat Mann und Kinder zu versorgen? Sind Männer denn hilflos und unmündig?“ Allerdings gibt Gorenzel zu bedenken, dass Frauen oft schlechter verdienen und deshalb diejenigen sind, die in Karenz gehen.

Zum Einkommensunterschied vertritt Gorenzel eine klare Meinung: „Das ist fatal und darf in der heutigen Zeit nicht mehr sein.“ Um auf solche Probleme aufmerksam zu machen, sei der Weltfrauentag wichtig. „Es sollte aber nicht nur bei dem einen Tag bleiben.“ Denn verglichen mit dem Muttertag sei es auch zu wenig, nur einmal im Jahr seiner Mutter Aufmerksamkeit zu schenken.

Zur Person

Geburtsdatum: 28. Juli 1976

Familienstand: verheiratet, eine Tochter (Anna, 15 Jahre)

Ausbildung: Kleinkindpädagogin

Beruf: Kinderhausleitung (Tagesbetreuungseinrichtung für Kinder vom 1. bis 3. Lebensjahr)

Hobbys: Sport (Triathlon), Musik

Politisches Vorbild: Johanna Dohnal