Erstellt am 16. November 2015, 10:53

von Hans Kopitz

"Bin stolz auf den Schritt". Im Pfarrzentrum drehte sich alles um Flüchtlinge und Flüchtlingshilfe. Anfang Dezember werden 60 Asylwerber im ehemaligen Biomin-Bürogebäude untergebracht.

Viele Menschen, die von Propst Maximilian Fürnsinn (Siebenter von links) und Moderator Andreas Kickinger (Achter von links) herzlich begrüßt wurden, kamen beim Flüchtlings-Infoabend im Augustinussaal zu Wort, darunter auch Maria und Dietmar Magnet (Neunte und Zehnter von links) sowie Margarete Erber (Elfte von links).  |  NOEN, Hans Kopitz

Volles Haus gab es vergangenen Donnerstag im Pfarrzentrum St. Stephan beim Informationsabend über Flüchtlingshilfe. Man sah, dass das aktuelle Thema an keinem spurlos vorübergeht und dass sich jeder - ob er will oder nicht - mit dem Problem beschäftigt ist.

Vertreter der verschiedensten Institutionen, die mit Flüchtlingshilfe zu tun haben, kamen zu Wort und berichteten über ihre Erfahrungen mit Flüchtlingen und Flüchtlingshilfe. Etwa Maria und Dietmar Magnet, die Flüchtlingsfamilien in ihr Haus aufgenommen haben, Elisabeth Heuritsch von der Flüchtlingshilfe Herzogenburg, Hannes Ziselsberger, Geschäftsführer vom „Verein Wohnen“, Barbara Wegscheider vom NÖ Hilfswerk, der Landesgeschäftsführer des Roten Kreuzes NÖ, Peter Kaiser, Michael Prunbauer von der Bezirksrettungsstelle Herzogenburg, Christoph Planitzer von der NÖ Landesregierung, der Integrationsbeauftragte Stadtrat Richard Waringer und Margarete Erber, Gründerin der Erber-Group.

Große Hilfsbereitschaft der Österreicher

Peter Kaiser brachte eine aktuelle Studie der Situation an den Grenzen und gab Einblicke in die Arbeiten der Hilfsorganisationen in Nickelsdorf, wo bis vor kurzer Zeit an jedem Tag tausende Flüchtlinge angekommen sind: „Viele kommen nach wochenlanger Flucht, ohne ärztliche Versorgung, mit feuchter Kleidung und wunden Füßen. Es ist unglaublich, wie groß die Bereitschaft der Österreicher ist, hier Hilfe anzubieten. Ich bin froh, in diesem Land zu leben!“

Michael Prunbauer schilderte die Situation auf der Bezirksrettungsstelle, die ja zwei Familien mit insgesamt zwölf Personen in ihren Räumen im Untergeschoß Unterkunft gewährt hat: „Es war nicht einfach, denn ich wusste nicht, wie es unsere 240 Mitarbeiter im Haus aufnehmen. Aber ich bin stolz, dass wir diesen Schritt gemacht haben.“

„Wichtig ist der persönliche Kontakt"

Elisabeth Heuritsch sucht Sachspenden wie Geschirr, Kleidung und Lebensmittel, bis staatliche Hilfe angelaufen ist: „Wichtig ist auch der persönliche Kontakt, wir möchten die Herzogenburger Vereine einladen, diese Menschen, die viel Leid erleben mussten, nicht auszuschließen, um hier Geborgenheit zu schaffen.“

Hannes Ziselsberger vom „Verein Wohnen“ hat bereits 220 Flüchtlinge in NÖ untergebracht: „Wir werden diesen Weg weitergehen.“

Barbara Wegscheider vom Hilfswerk sucht Mitarbeiter, die Arabisch können, denn die deutsche Sprache ist ein Grundbedürfnis, um hier Fuß fassen zu können - und Christoph Planitzer sprach über die Rechtsgrundlage bei der Grundversorgung, über die Zuschüsse und über die Leistungen bei organisierter und individueller Unterbringung.

„Areal wird nicht vollgestopft“

Zum Abschluss kamen Mitarbeiter der Erber-Group zu Wort, denn in ihrem 1990 errichteten Biomin-Bürogebäude in Oberndorf werden mit Anfang Dezember rund 60 Flüchtlinge einziehen. Herbert Eder und Georg Grassberger von der Firma SLC Europe mit Sitz in Lilienfeld, die das Areal angemietet hat, werden sich um die Unterbringung der Menschen in dem Gebäude kümmern, das - so Firmengründerin Margarete Erber - nicht „vollgestopft“ werden, sondern auch genügend Aufenthalts- und Fortbildungsmöglichkeiten bieten soll.

Andreas Kickinger, der die Moderation dieses Abends übernommen hatte, lud anschließend die vielen Gäste zu einem „syrischen Buffet“, das die Flüchtlinge aus der Herrengasse sowie die Familie Magnet bereitgestellt hatten.