Erstellt am 07. September 2015, 13:44

von Alex Erber

Bis zu 80 Flüchtlinge nach Herzogenburg. „Wir wären sehr glücklich darüber, wenn sich dieses Projekt realisieren ließe“, betont Eigentümerin Margarete Erber.

In den Büroräumlichkeiten in der Industriestraße sind Kapazitäten frei. Die Erber AG würde dort gerne Flüchtlinge unterbringen.  |  NOEN, Hans Kopitz

Seit der Übersiedlung der Firmenzentrale nach Getzersdorf verfügt die Erber Group über leer stehende Büroräumlichkeiten in der Herzogenburger Industriestraße. Davon haben das Innenministerium und das Land NÖ Wind bekommen und bei dem Unternehmen angefragt, ob man die freien Kapazitäten als Flüchtlingsunterkünfte nutzen könne.
 


Bei dem Großkonzern stieß man dabei auf offene Ohren: „Wir wären sehr glücklich darüber, wenn sich dieses Projekt realisieren ließe“, betont Margarete Erber, gemeinsam mit Erich Erber Gründerin und Eigentümerin der Erber Group, im NÖN-Exklusivgespräch.

60 bis 80 Flüchtlinge sollen Unterkunft finden

Geplant ist die Unterbringung von 60 bis 80 Flüchtlingen. Betreiber der Unterkunft wird die Firma „SLC Europe“ rund um Herbert Eder sein, die bereits jetzt im Auftrag des Landes NÖ hunderte Asylwerber betreut.
Nun liegt der Ball bei der Stadtgemeinde, die ihre Zustimmung geben muss. Zwar ist SP-Bürgermeister Franz Zwicker über das Vorhaben vor mehreren Tagen informiert worden, aktiv tätig werden kann die Gemeinde aber erst, wenn ein formales Ansuchen durch „SLC Europe“ einlangt. Dieses soll am nächsten Montag abgeschickt werden.

SP-Bürgermeister Franz Zwicker hat mit der Ansammlung von 60 bis 80 Flüchtlingen „keine Freude.“ Ihm wäre eine Aufteilung auf kleinere Gruppen lieber gewesen, was im konkreten Fall offenbar nicht möglich sei.

Zwicker: „Das Ganze bedarf Überprüfung“

Für den Stadtchef müssen vor der Unterbringung einige Voraussetzungen erfüllt sein, speziell, was die Bereiche Brandschutz, Hygiene und Sicherheit anbelangt. Überdies habe man Flächenwidmung und Raumordnung zu berücksichtigen: „Es handelt sich hier um ein Industriegebiet. In Industriegebieten sind Wohnungen nicht gestattet. Das Ganze bedarf jedenfalls einer eingehenden Überprüfung, wobei ich hier auch die Bezirkshauptmannschaft einschalten werde.“
Der Bürgermeister hält fest: „Jetzt wird einmal die Bauanzeige eingereicht, dann werden Maßnahmen vorgeschrieben. Wir werden keinesfalls Unerfüllbares vorschreiben, aber den Gesetzen muss Genüge getan werden.“ Zeitfenster für allfällige Entscheidungen: ein Monat.

Offener Brief der FP an den Bürgermeister

Nicht mehr ganz vier Wochen dauert es, bis das von der Bundesregierung beschlossene „Durchgriffsrecht“ greift. In diesem Zusammenhang hat die FP einen offenen Brief an den Bürgermeister formuliert. „Gemeinden können ab 1. Oktober auch gegen den Willen der jeweiligen Bürgermeister gezwungen werden, Flüchtlinge aufzunehmen, und zwar im Ausmaß von 1,5 Prozent, gemessen an der Bevölkerungsanzahl der entsprechenden Gemeinde. Für Herzogenburg bedeutet das bei einer Einwohnerzahl von 7.694, dass wir mit 116 Flüchtlingen rechnen müssen“, so FP-Stadtrat Wolfgang Schatzl. Aufgrund der „Zwangszuteilung“ seien nun bereits einige aufgeregte Herzogenburger an ihn herangetreten: „Ihre Angst gilt nicht nur der grundsätzlichen Aufnahme von Flüchtlingen aus aller Herren Länder, sondern auch der Frage, wo diese Asylsuchenden denn konkret untergebracht werden sollen.“

Schatzl betont: „Nur der Ordnung halber sei festgehalten, dass die FP in dieser Angelegenheit keine Hilfe verweigern oder hetzen möchte, sondern dass wir ganz nüchtern und im Namen der Herzogenburger Einwohner die Fakten geklärt sehen möchten.“