Erstellt am 19. Januar 2016, 11:35

von Thomas Werth und Beate Steiner

"Danke, Dr. Schelling!". Wölblinger Trafikant kritisiert die neue Belegerteilungspflicht:"Es ist eine mutwillige Müllproduktion." Wirte aus dem Bezirk steigen gegen Registrierkassenpflicht auf Barrikaden.

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Er zählt derzeit wohl zu den gefragtesten und bekanntesten Trafikanten des Landes. Klaus Schöndorfer, Betreiber der Trafik bei der Mauterner Donaubrücke in Stein, war in der vergangenen Woche in vielen Zeitungen und Fernsehsendern des Landes zu sehen. Seinen Ruhm verdankt der Wölblinger einem facebook-Eintrag, der bereits über 7.500 Mal geteilt wurde und mit „Danke, Herr Dr. Schelling“ beginnt.

Für „Gesetzestreue“ gibt es auch Tonne

Er kritisiert darin die Belegerteilungspflicht, die mit Anfang des Jahres in Kraft getreten ist. Jedes Unternehmen muss dadurch bar-zahlenden Kunden einen Kassabon aushändigen, den dieser auch bis außerhalb des Geschäftes mitnehmen „muss“ (ein Nicht-Mitnehmen hat keine finanzstrafrechtlichen Folgen für den Kunden).

Doch Schöndorfer weiß, was seine Kunden davon halten – nämlich nicht besonders viel. Dazu postete er auf facebook ein Bild von einem Karton, in dem er Kassenbelege sammelte, die an einem einzigen Tag nicht von seinen Kunden mitgenommen wurden. „Für die ,gesetzestreuen‘ Kunden steht auch noch draußen eine Tonne“, erklärt der Trafikant.

Für Schöndorfer ein Skandal! Durch die Belegerteilungspflicht benötigt er laut eigener Hochrechnung rund 300 zusätzliche Kassarollen mit je 80 Metern Papier pro Jahr. „Es ist eine mutwillige Müllproduktion. Wenn alle meine über 2.400 Trafikanten-Kollegen einen ebenso hohen Anstieg haben, dann brauchen wir dadurch zusammen um 720.000 Rollen. Damit können wir die Erde umwickeln – mit Thermopapier, das giftiges Bisphenol A enthält. Und die Rede ist hier nur von Trafikanten.“

Die Registrierkassenpflicht sieht Schöndorfer hingegen positiv („alles was getan wird, damit nichts an der Finanz vorbeigeht, ist schon okay“).

Acht Demonstranten machten Unmut Luft

Mit der Registrierkassa hingegen gar keine Freude haben acht Demonstranten, die in der Vorwoche beim St. Pöltner Wirtschaftskammer-Empfang vor dem WIFI ihrem Unmut Luft machten. Ihre Anliegen: Allergen-Verordnung, Rauchverbot und Registrierkassenpflicht, dann die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft – „die Vorschriften, die den Unternehmern das Leben schwer machen, werden immer mehr“, sagt der Asperhofener Biobauer und Gastronom Stephan Teix. Er hat die Kundgebung via facebook organisiert: „Wir müssen da etwas dagegen tun, auch, weil die Bevormundung für die Konsumenten immer mehr wird.“

Wirtschaftskammer-Chefin Sonja Zwazl hatte allerdings wenig Verständnis für Protestler: „Unser Weg bleibt gleich – ‚drinnen‘ gute Argumente finden anstatt ‚draußen‘ herumschreien.“ Die Präsidentin betont jedoch, dass die Kammer dabei ist, in der Petition enthaltene Punkte zu verbessern: „Bei der Registrierkassenpflicht haben wir schon jetzt auf Argumentation gesetzt und beim Finanzministerium viele Verbesserungen durchgesetzt, indem wir Praxisbeispiele aufgezeigt haben“, sagt Zwazl.

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