Erstellt am 10. November 2015, 05:02

von Hans Kopitz

Das Debakel ist perfekt. Nicht einmal eine Woche nach Vertragsunterzeichnung sprangen die Gastro-Betreiber wieder ab. Ex-Pächter Franz Dopler springt bis zum Neujahrskonzert ein.

Viele Herzogenburger - aber auch zahlreiche auswärtige Gäste - kommen das ganze Jahr über in das Anton-Rupp-Freizeitzentum. Befürchtungen, dass das Dach undicht sei, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet.  |  NOEN, Kopitz

„Das Hallenrestaurant ist tot - es lebe das Ossarner Wirtshaus!“ Diese NÖN-Schlagzeile aus der Vorwoche galt einen einzigen Tag. Die Pächtersuche ist ein Fiasko. Neuerlich sprang ein Gastronom nach Vertragsunterzeichnung ab. Um vielen Fragen vorzugreifen: Nein, es gab vergangenen Freitag keine Eröffnung, es gibt auch kein Ossarner Wirtshaus und das Hallenrestaurant ist (vorläufig) auch noch nicht tot.

Die neuen Pächter Jana Dobiasova, Inhaberin der Firma „Gastroservice und Eventcatering“, und ihr Lebensgefährte und Betriebsleiter Rainer Dietrich wollten dem Lokal eine neue Identität geben. Sogar die Speisekarte war schon fertig. Dann kam alles ganz anders.

Am Dienstag-Vormittag wollte ein Mitarbeiter der Firma Ottakringer die neue Bier-Anlage montieren, denn Dietrich wollte ja von Stiegl auf Ottakringer umsteigen, als der Mann Zeuge einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen der Inhaberin und ihrem Lebensgefährten wurde.

Pächter im Ausland untergetaucht

Am Mittwoch darauf hat nun Jana Dobiasova aufgrund „privater Probleme“, wie sie wortwörtlich sagte, der Stadtgemeinde mitgeteilt, dass sie das Pachtverhältnis nicht antreten wird. Ihr Lebensgefährte, der als Betriebsleiter alle bisherigen Gespräche mit der Stadtgemeinde Herzogenburg führte und auch als Firmenvertreter beim Hearing mit allen Fraktionsverantwortlichen der Parteien anwesend war, ist untergetaucht. Er befindet sich nach Auskunft einer Angehörigen im Ausland.

Neue Ausschreibung ist in Vorbereitung

Um für die beginnende Hallensaison den Besuchern und Benützern des Sportzentrums - bereits am vergangenen Wochenende gab es großes Kegelturnier - trotzdem ein gastronomisches Angebot bieten zu können, wurde nach einer Besprechung aller Fraktionsvorsitzenden und des zuständigen Stadtrates mit dem ehemaligen Restaurantpächter Franz Dopler kurzfristig Kontakt aufgenommen, da dieser den Betrieb ohne besondere Anlaufschwierigkeiten weiterführen könnte. Mit ihm wurde nun einvernehmlich vereinbart, dass er mit den beiden bisherigen Mitarbeiterinnen bis zum Neujahrskonzert am 3. Jänner kommenden Jahres das Hallenrestaurant um den üblichen Pachtbetrag vorübergehend übernimmt und den Kartenverkauf für Sauna, Solarium, Tischtennis und Kegelbahn fortführt.

Außerdem ist - so Stadtamtsdirektor Kurt Schirmer - eine Besprechung mit allen Herzogenburger Gastronomiebetrieben geplant, um abzuklären, ob es Interessenten für ein Pachtverhältnis im Freizeitzentrum gibt. Eine neuerliche Ausschreibung des Gasthausbetriebes bis zur Dezembersitzung des Gemeinderates ist ebenfalls in Vorbereitung. Falls sich die Pächtersuche dann erfolgreich gestaltet, könnte ab Mitte Jänner kommenden Jahres ein neuer Pächter den Betrieb übernehmen. Sollte sich kein Erfolg zeigen, wurde als Alternative auch die Aufstellung von Automaten angedacht.

Die 3.000 Euro Kaution, die Rainer Dietrich bei Vertragsunterzeichnung hinterlegen musste, wird für die das Auswechseln der Schlösser verwendet, da nicht alle Hallenschlüssel von ihm zurückgegeben wurden.

„Ich bin skeptisch, denn es wird in einem Fiasko enden.“ FP-Stadtrat Martin Hinteregger sollte Recht behalten

Damit ist das Ossarner Wirtshaus - das sich eigentlich ganz gut angehört - und auch die geplante „offene und positive Zusammenarbeit mit den Vereinen zu unser aller Vorteil“, wie Rainer Dietrich eine Woche vorher bei der Vertragsunterzeichnung im Rathaus betont hatte, nun Geschichte.

Die vorausblickenden Worte von SP-Vizebürgermeister Christoph Artner bei der jüngsten Gemeinderatssitzung haben sich bewahrheitet: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, im schlimmsten Fall müsste man im nächsten Jahr eine neue Ausschreibung machen.“ Dass es so schnell kommen würde, hat eigentlich niemand erwartet, nicht einmal FP-Stadtrat Martin Hinteregger, der damals prophezeite: „Ich bin skeptisch, denn es wird in einem Fiasko enden.“