Erstellt am 18. November 2015, 10:51

Der Beste Österreichs. Für Philip Seiberl aus Kochholz lief die diesjährige Berufsweltmeisterschaft in Sao Paulo mehr als erfolgreich: Er holte sich nicht nur den Sieg in seiner Kategorie Schwerfahrzeugtechnik, sondern wurde auch mit der höchsten Punktezahl aller heimischen Teilnehmer bei der WM als „Best of Nation“ ausgezeichnet.

Die kleinsten Landmaschinen, mit denen Philip Seiberl in seiner Arbeit zu tun hat, sind Motorsägen.  |  NOEN, Presse&Foto FRANZ GLEISS
Landmaschinen, die haben Philip Seiberl schon immer fasziniert. Die logische Konsequenz: Eine Lehre zum Landmaschinentechniker beim Obritzberger (Bezirk St. Pölten) Unternehmen Pamberger Landmaschinentechnik.

In diesem Beruf hat der 22-Jährige bisher alles abgeräumt, was es abzuräumen gab: Abgesehen davon, dass Seiberl seine Lehre mit Matura mit Auszeichnung bestand und auch die Meisterprüfung bereits in der Tasche hat, zeigte er regelmäßig auch bei Bewerben, was in ihm steckt: Er holte sich jeweils den Sieg beim Landes- und Bundeslehrlingswettbewerb. Mit Letzterem qualifizierte sich der Kochholzer (Bezirk Melk) für die Berufsweltmeisterschaft WorldSkills, die heuer in Sao Paulo, Brasilien, stattfand. Und holte sich dort nicht nur die Goldmedaille in seiner Kategorie Schwerfahrzeugtechnik, sondern wurde als nach Punkten bester österreichischer Teilnehmer mit dem Titel „Best of Nation“ ausgezeichnet.

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An den WorldSkills nahm Seiberl auf Initiative seines Betreuers Werner Seltenhammer aus Mistelbach teil. Seiberl musste sich in seiner Sparte – in der übrigens sowohl Baumaschinen- als auch Landmaschinentechniker antreten konnten – gegen fünf Konkurrenten durchsetzen. „Es war ein Demonstrationsberuf, die Sparte gab es zum ersten Mal bei der WM“, erklärt er.

Sechs Stationen galt es für den Landmaschinentechniker zu absolvieren, für jede Station waren drei Stunden Zeit. Die Aufgaben: Etwa die Suche nach Fehlern sowie defekte Sensoren tauschen. Dass Philip Seiberl ehrgeizig ist, hat sich schon früh abgezeichnet: Er war nämlich der Erste, der bei der Firma Pamberger, die aktuell 38 Mitarbeiter beschäftigt, davon drei Lehrlinge, eine Lehre mit Matura gemacht hat. Was man bei der 3,5 Jahre dauernden Lehre zum Landmaschinentechniker bei Pamberger lernt?

Grundsätzlich zeichnet sich dieser Beruf durch Vielfältigkeit aus, sagt Chef Franz-Peter Pamberger – denn der Landmaschinentechniker muss sich mit Hydraulik, Pneumatik, Elektronik und Mechanik auskennen. Zu den Grundaufgaben gehört das Reinigen und Reparieren von Maschinen. Wichtig sei das „selbstständige Arbeiten, weil man oft allein auf einer Baustelle ist und zum Improvisieren gezwungen ist“. Außerdem ist der Landmaschinentechniker mit vielen Maschinengrößen konfrontiert: Von Motorsägen und Rasenmähern bis zu Feldhechs- lern bekommt jemand in diesem Beruf alles in die Hände.

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Im Schnitt schnuppern pro Jahr 15 Jugendliche bei Pamberger in den Beruf. Aber: „Es ist schwer, qualifizierte Leute zu finden“, sagt Seniorchef Franz Pamberger. Eintönig wird die Arbeit als Landmaschinentechniker nicht. „Bei uns hat man nie ausgelernt“, so Pamberger. Täglich warten neue Herausforderungen. Ein Beispiel: „Philip ist jetzt sieben Jahre da und hat zum ersten Mal die Achse von einem Anhänger ausgebaut.“ Was auch dazukommt: Als Landmaschinentechniker ist man viel unterwegs. Philip Seiberl etwa ist – je nach Aufträgen – in ganz Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark eingesetzt, ab und an auch in Ungarn.
Auf die Uhr schauen, das darf man in diesem Beruf übrigens nicht: Auftragslage und Jahreszeit (Ernte!) bestimmen die Arbeitszeit. Da wird auch mal an Abenden oder Wochenenden gearbeitet.