Erstellt am 26. Januar 2016, 08:03

von Gila Wohlmann und Hans Kopitz

Der bewaffnete Bürger. In Stadt und Bezirk stiegen in den vergangenen Monaten die Anträge zur Waffenbesitzkarte.

»Der Umsatz ist seit Oktober des Vorjahres Jahres um rund das Vierfache gestiegen. Am gefragtesten sind Waffen, die der Selbstverteidigung dienen, verlangt werden vor allem Schrotflinten und Pfefferspray, aber auch die Kugelgewehre haben zugelegt«, so der Herzogenburger Waffenhändler Franz Bauer, der sein Geschäft in der Herrengasse betreibt.  |  NOEN, Hans Kopitz

Pölten ausgestellt, die Monate zuvor waren es seit Jänner nur 39. „Eine eklatante Steigerung“, bestätigt Karl Perchtaler, Leiter der sicherheits- und verwaltungspolizeilichen Abteilung der Landespolizeidirektion NÖ. 2015 wurden in der Stadt St. Pölten somit 116 Waffenbesitzkarten ausgestellt. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es gesamt nur 41 Genehmigungen. Ähnlich verhält es sich im Gerichtsbezirk St. Pölten-Land: Von 195 Ausstellungen 2015 waren es in den letzten Monaten 80 genehmigte Anträge. 2014 wurden gesamt nur 84 Waffenbesitzkarten ausgestellt.

Zu den Hintergründen, sich zu bewaffnen, äußern sich Perchthaler und Bezirkshauptmann Josef Kronister einhellig: „Es ist einerseits der Wunsch nach Selbstschutz und Schutz des Eigenheims, aber auch die Änderung der Judikatur“. Mit 1. Oktober 2012 begann nämlich der Echtbetrieb des ,zentralen Waffenregisters (ZWR)“ und somit die Registrierung von Schusswaffen aller Kategorien. Außerdem gibt es eine neue EU-Richtlinie. Diese sieht Verschärfungen bei Erwerb, Besitz und Einfuhr ziviler Schusswaffen vor. Halbautomatische Schusswaffen sollen verboten werden, Gaswaffen, Schreckschusspistolen, deaktivierte Waffen und Spielzeugwaffen registrierungspflichtig.

Wer eine Waffenbesitzkarte erlangen will, muss mindestens 21 Jahre sein, einen einwandfreien Leumund haben, EWR-Bürger sein, ein ärztlich-psychologisches Gutachten vorlegen, ebenso eine Einschulung an der Waffe und eine sinnvolle Begründung. Waffenpässe werden nur bei Bedarf ausgestellt, die Genehmigungen sind rückläufig. In der Stadt waren es im Vorjahr 14 Ausstellungen, im Bezirk 32 Genehmigungen. „Da sind wir wirklich sehr rigoros“, sagt Kronister. „Keine verstärkte Bewegung in Richtung Waffengebrauch“, ortet Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler.

Frauen erkundigen sich wegen Pfeffersprays

Ihm ist aber aufgefallen, „dass Frauen vermehrt sich nach Pfeffersprays zum Selbstschutz und den damit verbundenen Gefahren erkundigen.“ Was ihn nachdenklich stimmt, ist die Werbestrategie mancher Waffenhändler.