Erstellt am 23. Februar 2016, 04:54

von Günther Schwab

Der Hauermarkt wackelt. Die Registrierkassenpflicht zeigt auch auf die Abhaltung von Kellergassenfesten Wirkung. Hans Schöller: "Gäste sind keine Konkurrenz zur herkömmlichen Gastronomie!"

Bei den Kellergassenfesten wird die Registrierkassenpflicht für zum Teil massive Veränderungen sorgen. So manche Traditionsveranstaltungen »wackeln« bedrohlich. Im Bild: Pfarrer Wolfgang Payrich, Grete Schöller und Hauermarktobmann Hans Schöller beim Wagramer Hauermarkt im Vorjahr.  |  NOEN, zVg

Die Registrierkassenpflicht stellt eine Bedrohung für die traditionellen Kellergassenfeste dar. Jenes in Feuersbrunn (Bezirk Tulln) ist der Neuregelung zum Opfer gefallen. In Wagram wackelt der Hauermarkt beträchtlich. Entwarnung kommt vom Eichberg, doch auch dort sind Einschränkungen unumgänglich.

Unter der Registrierkassenpflicht versteht man die Verpflichtung, alle Bareinnahmen zum Zweck der Losungsermittlung mit elektronischer Registrierkasse, Kassensystem oder sonstigem elektronischen Aufzeichnungssystem einzeln zu erfassen. Diese ist Anfang des Jahres in Kraft treten und bedeutet gerade für Klein- und Mittelbetriebe eine erhebliche finanzielle und bürokratische Mehrbelastung. Bislang gab es noch viele Unklarheiten als auch Verwirrung über eventuelle Ausnahmeregelungen. Nun herrscht Klarheit: Es wird keine Ausnahmen für Kellergassenfeste geben.

Dadurch werden die Organisation und die Abhaltung derartiger Feste deutlich erschwert. „Wenn es jetzt entgegen früheren Meldungen zu keiner Sonderregelung im Bezug der Registrierkassenpflicht beim Kellergassenfest kommen soll, dann wird es schwierig beziehungsweise sogar unmöglich sein, Betriebe zur Teilnahme am Wagramer Hauermarkt zu finden“, befürchtet der Wagramer Weinbauvereins- und Hauermarktobmann Hans Schöller.

„Kompromiss muss ausgearbeitet werden“

Weiters: „Es ist schade, wenn eine jahrzehntelange Tradition und ein Kulturgut, das auch zahlreiche Gäste von auswärts ins Traisental gebracht hat, so zu Ende gehen sollte. Ich persönlich verstehe die Sorge der Gastronomie, möchte aber festhalten, dass es sich bei den Besuchern eines Kellergassenfestes um eine besondere Zielgruppe von Gästen handelt, die eben gezielt solche Feste besuchen und nicht wirklich eine Konkurrenz zur herkömmlichen Gastronomie darstellen.“

Aus der Sicht von Hans Schöller sind nun die die Vertreter der Wirtschaftskammer und der Gastronomie gefordert, um sich mit der Interessensvertretung der Winzer an einem Tisch zu setzen und einen Kompromissvorschlag auszuarbeiten.

„Dies kann zur Folge haben, dass manche Kellergasse wieder dem langsamen Verfall preisgegeben wird.“ Andreas Denk, Obmann der Buschenschankgemeinschaft am Eichberg

Ähnlich ist die Sichtweise von Andreas Denk, der seit dem Herbst des Vorjahres der Obmann der Buschenschankgemeinschaft am Eichberg ist. „Bei den Heurigenschenkern am Eichberg sehe ich derzeit noch nicht so ein Problem, weil sowieso jeder eine Registrierkasse anschaffen und auch die dazu nötige Infrastruktur schaffen muss.

Problematisch werde es sicher bei den kleineren Betrieben, die knapp an der Umsatzgrenze sind. Denk: „Diese werden sich sicher drei Mal überlegen, ob sie Sinn macht, bei so einem Fest mitzumachen. Gerade aber sie sind das ,Salz in der Suppe‘, die auch mit ihrer Kreativität und ihrem speziellen Angebot einen wesentlichen Beitrag leisten. Einen Heurigenschenker, der mehrmals im Jahr geöffnet hat, kann ich auch unterm Jahr besuchen.“

„Investitionen werden rückläufig sein“

Auch aus seiner Sicht haben sich die Rahmenbedingungen für Kellergassenfeste deutlich verschlechtert. Durch die eingeschränkte Anzahl an offenen Kellern werden die Kellerfeste letztlich an Attraktivität verlieren.

Denk: „Dies kann auch zur Folge haben, dass die Investitionen in die Kellergassen rückläufig sein werden und so manche Kellergasse wieder dem langsamen Verfall preisgegeben wird.“