Erstellt am 02. Februar 2016, 05:23

von Birgit Kindler

"Die besten Leute für Oberndorf". Betreuerfirma gesteht Fehler ein und hat bereits reagiert: Neues Personal soll Missstände künftig beseitigen.

Vertreter aller 5 Parteien waren anwesend. Im Bild von links: Hermann Feiwickl (Blüh), Karl Nutz (Grüne) Integrationsstadtrat Richard Waringer und Vizebürgermeister Christoph Artner (SPÖ) (vorne ) Kurt Schirmer jun. und Günther Haslinger (SPÖ) sowie rechts Margarete Erber und Christian Kogler.  |  NOEN, zVg

Es hat etwas von Skikursatmosphäre, wenn man das Biomin-Gebäude in Oberndorf betritt. Jugendliche Flüchtlinge sitzen auf Sofas und spielen mit ihren Handys. Doch der Schein trügt – es gibt einige Probleme mit den Asylwerbern, wie auch Christian Kogler, Geschäftsführer von slc Asylcare gleich zu Beginn des Flüchtlingsgipfels mit allen politischen Parteien bei Biomin bestätigt: „Der Start ist holprig verlaufen, es hat einige Fehler gegeben.“

Kogler bestätigt auch, dass es mehrfach zu Polizeieinsätzen aufgrund von Ausschreitungen gekommen sei. Erst vergangenen Dienstag ist es zu einer Massenrauferei unter Alkoholeinfluss gekommen: „Jugendliche von zwei Zimmern haben sich geprügelt, deswegen wurde die Polizei gerufen. Verletzt wurde aber niemand.“ Der Notarztwagen sei zwar gekommen, aber erst drei Stunden nach dem Vorfall, weil ein Jugendlicher aufgrund psychischer Probleme in Folge der Rauferei zusammengebrochen sei.

Pädagogen waren ohne Führungskraft

Personalangelegenheiten seien ein Grund für die Schwierigkeiten gewesen. „Es wurde sehr schnell Personal aufgenommen und jener Mitarbeiter, der für diese Pädagogen zuständig gewesen wäre, musste länger in Krankenstand gehen“, berichtet Kogler. So hätten die Pädagogen ohne Führungskraft gearbeitet und verschiedene Formen der Erziehung entwickelt. „Nach dem Motto ‚Wenn Mama und Papa nein sagen, frage ich Oma und Opa‘.“ Jetzt habe man mit Kitti Kiss und Yvonne Frey zwei Pädagoginnen geholt, die viel Erfahrung haben und bereits Flüchtlingsquartiere in Amstetten und Alland aufgebaut hätten. „Wir haben nach Oberndorf unsere besten Leute beordert“, betont Kogler.

SP-Vizebürgermeister Christoph Artner gab zu bedenken, dass man sich im Vorfeld mehr Infos erwartet hätte: „Es gab wenig bis gar keinen Informationsaustausch, obwohl wir immer wieder angefragt haben.“ Auch über die Vorkommnisse habe man keine Mitteilung erhalten. Kogler versicherte: „Wir wollen offen kommunizieren, das haben wir bis jetzt nicht getan.“

SP-Integrationsstadtrat Richard Waringer bestätigte, dass die Kommunikation jetzt gut funktioniert: „FP-Stadtrat Schatzl sortiert schon seine Zettel, da will ich ihnen noch schnell Rückendeckung geben.“
Und Wolfgang Schatzl hat einige Beschwerden, auf die er hinweisen will. Erstens würden die Probleme, die es hier gibt, totgeschwiegen werden, er verlange Offenheit gegenüber der Gemeinde. „Natürlich versuchen wir, zuerst die Schwierigkeiten intern zu klären“, sagte Kogler dazu. Betreuerin Kitti Kiss ergänzte, dass die Frustrationsgrenze oft sehr niedrig sei, „die Flüchtlinge sind schließlich weit weg von der Heimat ohne Familie, fühlen sich fremd und wissen nicht, was sie machen sollen.“

Was Schatzl außerdem kritisierte ist, dass die Asylwerber „ihren Darm hundert Meter nach dem Biomin-Gebäude entleeren“. Auch der Müll entlang des Areals sei ihm ein Dorn im Auge. „Da haben wir sofort reagiert und den Müll eingesammelt“, meinte Kogler.

FP-Gemeinderätin Irene Schatzl hatte auch einige Kritikpunkte. Sie stört sich an den Bierdosen und Zigaretten, „die überall liegen“. „Außerdem weichen die Flüchtlinge nicht aus, wenn man ihnen entgegenkommt“, meinte sie. Kogler gab zu bedenken, dass die Flüchtlinge oft keinen Papierkorb oder die Straßenverkehrsordnung kennen. Bezüglich der Probleme mit dem Alkohol will man aber etwas unternehmen und einen Alkomat aufstellen, um die Asylwerber zu testen.

Geregelter Ablauf ist sehr wichtig

Wolfgang Schatzl forderte, dass man den Flüchtlingen Regeln beibringt, „denn sonst droht die Stimmung in der Bevölkerung zu kippen“. Kiss betonte, dass die Flüchtlinge einem geregelten Tagesablauf nachgehen und sich an die österreichischen Gesetze halten müssten. „Und was passiert, wenn einer das Gesetz bricht?“, fragte Schatzl. Kiss erklärte, dass es in diesem Fall eine Wegweisung geben würde und der Flüchtling von der Polizei abtransportiert wird.

Hermann Feiwickl von der Bürgerliste Blüh wies auf die Urangst in der Bevölkerung hin gegenüber Flüchtlingen hin. „Aber nur, weil es an Begegnungen fehlt“, betonte Margarethe Erber, Initiatorin des Flüchtlingsprojekts bei Biomin. Abschließend wurde besprochen, dass es einen monatlichen Jour fixe geben soll, bei dem sich alle Beteiligten über die aktuellen Geschehnisse informieren können.