Erstellt am 21. September 2015, 14:15

von Alex Erber

"Die Riesenräder sind völlige Katastrophe!". Traismauers Windkraft-Projekt ist nicht nur in der Römerstadt umstritten. Auch Nachbargemeinden sind dagegen.

 |  NOEN, privat

Die Pläne Traismauers, die Errichtung von fünf Windrädern im Gemeindegebiet zu ermöglichen, werden von den Nachbarn gelinde gesagt nicht goutiert. In Herzogenburg hat das Thema sogar dazu geführt, dass die Mitglieder der Regierungskoalition aus Sozialdemokraten und Grünen erstmals seit dem Beginn ihrer Zusammenarbeit unterschiedlich votiert haben.

Klare Mehrheit gegen Projekt

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in der Stiftsstadt hat sich eine klare Mehrheit der Mandatare gegen das geplante Projekt ausgesprochen. SP-Vizebürgermeister Christoph Artner hat zwar hingewiesen, dass Herzogenburg keinerlei Möglichkeit hat, es zu beeinflussen: „Wir appellieren aber an Traismauer, die Widmung Grünland-Windkraftanlage nicht zu beschließen“, erläuterte Artner Herzogenburgs Stellungnahme zur geplanten Änderung des Flächenwidmungsplanes in Traismauer. Die Begründung lieferte der Vizebürgermeister gleich mit: „Wir fürchten, dass das Landschaftsbild beeinträchtigt wird.“

Sehr deutlich wurde FP-Stadtrat Martin Hinteregger: „Die Riesenräder auf einem Rücken sind eine völlige Katastrophe. Der Bürgerwiderstand in Traismauer ist leider zu spät aufgewacht.“ Hinteregger kennt noch einen Ausweg: „Hoffentlich verweigert Sitzenberg-Reidling den Bau der Zufahrtsstraße.“

In Sitzenberg-Reidling gibt es breiten Widerstand gegen das Projekt. Falls der Bau der Zufahrtsstraße nicht zustande kommt, haben die Betreiber einen Plan B. Dann soll die Zufahrt über den Einödgraben erfolgen: „Das wäre ein Verbrechen an der Umwelt“, erklärt VP-Stadtrat Josef Ziegler.

Bleiben die Grünen, die erwartungsgemäß einen gänzlich anderen Standpunkt einnehmen. Für sie gehe es um Grundsätzliches, so Stadtrat Franz Gerstbauer: „Wir brauchen die Energiewende. Wesentliche Potenziale liegen in der Windkraft. Wir müssen weg von der fossilen Energie und bekennen uns zu einem maßvollen Einsatz der Windkraft. Wir sollten die Windkraft nicht behindern.“

„Das wäre ein Verbrechen an der Umwelt!“ Stadtrat Josef Ziegler (VP) für den Fall, dass die Zufahrtsstraße über den Einödgraben kommt

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es in Herzogenburg nicht alleine ums Landschaftsbild geht: „In Pottenbrunn gibt es Leute, die überlegen, dass sie wegziehen. Sie leiden unter dem Lärm“, berichtete SP-Gemeinderat Ernst Schafranek.

Die Stadtgemeinde Herzogenburg wird eine negative Stellungnahme zur geplanten Umwidmung in Traismauer abgeben. Dafür votierten SP, VP, FP und „Blüh“-Gemeinderat Hermann Feiwickl, dagegen die drei Mandatare der Grünen.

Die Windkraft wird im Zentrum der nächsten Gemeinderatssitzung in Traismauer stehen (Mittwoch, 23. September, 19 Uhr, Schloss).