Erstellt am 08. Dezember 2015, 05:48

von Claudia Stöcklöcker

Drei Teenager vor Richter. Mit gestohlenen Kennzeichentafeln haben drei junge Tschetschenen gratis getankt.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at

Grinsend sitzen sie beim Prozess. "Gruppendynamik ist Problem dieser Kultur", so der Richter.

„Willkommen in der Justizanstalt!“, begrüßt ein Richter einen Tschetschenen (16) im Prozess am Landesgericht St. Pölten. Gemeinsam mit zwei Landsmännern (16, 19) tankte der bereits vorbestrafte Teenager, ohne zu zahlen.

13 Mal schlug das Trio aus St. Pölten bei Tankstellen zu, montierte davor Kfz-Kennzeichen von Autos ab, „um beim Tanken nicht erwischt zu werden“ und tankte dann in Loosdorf, Neulengbach und Oberndorf.

Grinsend sitzen alle drei nun vorm Richter und geben Geldmangel als Motiv an. Ob sie gearbeitet haben? „Als Pizzakoch“, sagt einer, „das war mir aber zu anstrengend“. Ein anderer will einen Job in Aussicht haben. Wann? „Sobald ich meine Bewerbungsunterlagen zusammen habe.“ Die Schule brach der Dritte ab, weil „die Lehrer zu stressig waren.“

16-Jähriger: „Wenn ich sitze, sitze ich halt!“

Ob es egal ist, im Gefängnis zu landen? „Wenn ich sitze, dann sitze ich halt“, so ein 16-Jähriger. Nur eines interessiere ihn: „Die Kampfsportart Kampf ohne Regeln.“. „Ein reumütiges Geständnis sieht anders aus, ich habe den Eindruck, dass die Angeklagten ihre Taten cool finden“, fordert die Staatsanwältin strenge Bestrafung. „Würden hier junge österreichische Angeklagte sitzen, würden sie zittern und ihre Eltern würden den Schaden gutmachen. Beides ist hier nicht der Fall“, sagt ein Verteidiger.

„Meinem Mandanten ist alles wurscht und mir ist auch so ziemlich wurscht, was hier passiert. Wenn vielleicht einmal ein Aufenthaltsverbot verhängt wird, wird das Lachen ausbleiben“, meint ein anderer. Weiters: „Weil ich Verteidiger bin, muss ich aber auch etwas Gutes sagen. Mein Mandant steht unter Gruppenzwang und hat keine Perspektive.“ Und weil eine Schulklasse auf den Zuhörerbänken sitzt, fügt der Rechtsanwalt hinzu: „Man sollte vielleicht auch einmal eine Exkursion hierher für so manche Politiker andenken.“

„Gruppendynamik ist das Problem dieser Kultur“, sagt der Richter und verhängt über den bereits vorbestraften Angeklagten vier Monate Gefängnis. Diesem Teenager steht noch ein Prozess wegen schweren Raubes ins Haus. „Da geht es dann ans Eingemachte, da geht es um einen Überfall mit einer Gaspistole“, so der Richter. Die beiden anderen Angeklagten kommen mit bedingten Strafen davon. Die Urteile sind rechtskräftig.