Erstellt am 19. April 2016, 00:44

von Hans Kopitz

Drogen, Handys, TV: Wann beginnt Sucht?. Gefahren soll entgegengewirkt werden: Mittelschüler wurden mit den verschiedenen Formen von Abhängigkeit konfrontiert.

Anhand von Bildern, die für einen Artikel werben - ohne konkret den Artikel zu kennen - sollten die Schüler herausfinden, wie groß hier die Verführung sein kann. Im Bild: die beiden Pädagoginnen Andrea Hell und Martina Teufl (stehend, Zweite und Dritte von rechts) mit einer Schülergruppe.Hans Kopitz  |  NOEN

Auch heuer fand für die Schüler der 3. Klassen der Neuen Mittelschule ein „Tag der Suchtprävention“ statt. Mit Unterstützung der NÖ Landesregierung machten alle Klassenvorstände mit und vermittelten den Schülern, wie gefährlich Sucht sein kann.

Begriffe wie Sucht und Drogen sind häufig mit angsterfüllten und übertriebenen Vorstellungen verknüpft.

Im Zusammenhang mit legalen und illegalen psychoaktiven Substanzen sind Fehlmeinungen, Verharmlosungen und Übertreibungen weit verbreitet. „Es besteht also ein besonders hoher Bedarf an fachlicher und sachlicher Auseinandersetzung mit diesem komplexen Themenbereich“, weiß Pädagogin Andrea Hell.

Lange Zeit sei der Begriff „Sucht“ vor allem mit körperlicher, substanzgebundener Abhängigkeit gleichgesetzt worden. Nun wird es allerdings immer üblicher, den Begriff „Sucht“ auch auf psychische und soziale Abhängigkeit sowie auf nichtsubstanzgebundene Süchte, wie Spielsucht, Fernsehsucht, Fettsucht, Magersucht oder Handysucht auszudehnen.

Grenze: Die Sucht hat Krankheitscharakter

„Um der Gefahr der Beliebigkeit des Suchtbegriffs entgegenzuwirken, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nichtsubstanzgebundenen Süchten eine klare Grenze zu ziehen und darauf zu bestehen, dass ,Sucht‘ Krankheitscharakter hat“, erklärt Pädagogin Martina Teufl.

Anhand eines Extremfalls wurde den Schülern erläutert, wie leicht man, ohne es zu wollen, in eine Sucht gleiten kann. Bei einem Workshop verließ eine junge Frau alle 30 Minuten den Raum. Sie nahm immer ihren Laptop mit. Der Referent dachte zuerst an eine Unpässlichkeit, fragte sich aber dann doch, warum sie aber ihren Laptop mitnimmt? Zum Schluss des Workshops sprach der Referent die Frau darauf an. Sie antworte: „Ich muss jede halbe Stunde meine Mails checken, sonst halte ich es nicht aus.“

Der Pädagoge lud sie zu einem längeren Einzelgespräch - ohne Laptop ein - und musste feststellen, dass die junge Frau nach 90 Minuten total am Ende ihrer Kräfte war und ihr der Schweiß von der Stirn rann. Sie war schwer abhängig, ohne es zu merken . . .