Erstellt am 20. Oktober 2015, 05:12

von Alex Erber und Hans Kopitz

Ehrenamtliche im Einsatz. Im Geriatriezentrum St. Andrä haben bisher über 500 Schutzsuchende für kurze Zeit Zuflucht gefunden. Vermutlich nur noch wenige Tage steht es als Transitlager bereit.

Die Stadt kauft das Geriatriezentrum, im Bild das moderne Direktionsgebäude, vom Wiener Krankenanstalten-Verbund, um es dann an einen Nachnutzer wieder zu veräußern.  |  NOEN, Foto: Hans Kopitz

Zahlreiche Freiwillige haben sich in den vergangenen Tagen bereits an der Versorgung der Flüchtlinge im St. Andräer Geriatriezentrum, das derzeit als Transitlager benützt wird, beteiligt, denn sie möchten helfen und zeigen sich mit den vor Krieg und Verfolgung Schutz suchenden Männern, Frauen und Kindern solidarisch. Sie helfen mit bei der Essensausgabe in der Früh, mittags und abends und beteiligen sich natürlich auch bei der Reinigung, denn das alles würde der Arbeiter-Samariterbund, der die Flüchtlingsbetreuung in St. Andrä übernommen hat, alleine nicht schaffen.

Freiwillige und ASBÖ haben alle Hände voll zu tun

Die vorübergehend untergebrachten Flüchtlinge bleiben 48 Stunden und werden dann wieder weggebracht. Während der kurzen Zeit, bis die nächste Gruppe kommt, muss die erforderliche Reinigung und Desinfektion erfolgen.

Auch am vergangenen Donnerstag wurden wieder am späten Nachmittag 136 Flüchtlinge - davon 95 Männer, 17 Frauen und 24 Kinder von der Stadt Wien untergebracht, die am Samstag-Vormittag das Geriatriezentrum wieder verließen. Doch diesmal ging es nicht so ruhig ab, wie man es sonst in der Anlage gewohnt ist, denn während sich die Familien mit den Kleinkindern, die sich sehr wohl fühlten, eher still und leise verhielten, haben sich die jungen Männer Trinkgelage geliefert, die bis in die frühen Morgenstunden anhielten. Die Sanitäranlagen waren total verschmutzt.

Selbstverständlich sind gewisse Vorkommnisse vorprogrammiert und werden auch nicht so schnell beseitigt werden können, wenn man bedenkt, dass die Menschen aus Syrien andere hygienische Gegebenheiten gewohnt sind. Sie kennen zum Beispiel kein Klopapier und reinigen sich daher auch in St. Andrä nur mit Wasser.

Probleme gibt es leider auch immer wieder mit der gespendeten Bekleidung, denn wenn diese von den Flüchtlingen anprobiert wird und nicht passt, darf sie nicht weiter verwendet, sondern muss nach Vorschrift der Gesundheitsbehörde verbrannt werden. Es könnten sich sonst Ungeziefer oder Krankheiten ausbreiten, die man nicht so schnell unter Kontrolle bringen kann.

„Ab Anfang November wird die Anstalt geschlossen und mitdem Großreinemachen begonnen!“ Anneliese Schlager, Direktorin des Geriatriezentrums

Doch es sind nur mehr wenige Tage, wo das Zentrum als Transitlager zur Verfügung steht, denn, so Direktorin Anneliese Schlager, ab Anfang November wird die Anstalt geschlossen, die noch vorhandenen Möbeln - wenn sie noch nicht verkauft wurden - werden ausgeräumt und es wird mit dem Großreinemachen begonnen.

Noch gehört das Areal dem Wiener Krankenanstalten-Verbund. Deshalb könnte es leicht sein, dass die Planungen über den Haufen geworfen werden, wenn in der Bundeshauptstadt ein Flüchtlings-Engpass herrschen sollte. 

Wer die geplanten letzten Tage noch mithelfen will, kann sich bei Einsatzleiter Reinhard Schuster unter 02782/ 8018105 melden und sich über die Möglichkeit der Unterstützung erkundigen. Die Einsatzleitung freut sich über jede ehrenamtliche Tätigkeit.

„Fest der Begegnung“  im Augustinussaal

Eine erfreuliche Aktion fand am Sonntag-Nachmittag für jene Flüchtlinge statt, die gekommen sind, um zu bleiben: „Das Boot ist voll - wir können beginnen“, so Stiftsdechant Mauritius Lenz beim „Fest der Begegnung“ im Augustinussaal. Die Flüchtlingshilfe Herzogenburg hat alle eingeladen, die ihre Heimat wegen Krieg und Terror verlassen mussten und hier Zuflucht genommen haben, sowie alle Quartiergeber und Helfer, die die Gäste kennenlernen möchten. „Sie sind als Fremde gekommen - wollen aber nicht als Fremde bleiben“, so Viola Raheb, die mit Marwan Abado die Kinder und Erwachsenen mit orientalischen Geschichten und Klängen unterhielt, bevor das Kinderschminken begann.

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