Erstellt am 15. Februar 2016, 12:15

von Hans Kopitz

Ein wenig mehr Gemüse. Gebot wird nicht allzu streng ausgelegt: Wer möchte, verzichtet freiwillig auf Süßigkeiten und Alkohol. Auch Facebook- und Fernseh-Abstinenz sind durchaus ein Thema.

Wenn er nicht gerade in der Schule ist, kommt Chorherr Stephanus - der an seinem Geburtstag italienische Gerichte bevorzugt - gerne in die Küche zum Abschmecken. Beide Köchinnen bereiten am liebsten Hausmannskost zu - haben aber privat auch ihre eigenen Gustos: Während Eva Rumpler (rechts) eher auf Hendln in allen Variationen steht, gehören Mohnnudeln zum Lieblingsessen von Erika Makoditsch (links).  |  NOEN, Hans Kopitz

Mit dem Aschermittwoch hat für die Christen die 40-tägige Fastenzeit begonnen. Worauf man verzichtet, wo und wie man fastet, das hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert, die strikten Fastenregeln des Mittelalters wurden gelockert und die Zeit vor Ostern wird heute oft benutzt, um sich beim Essen etwas einzuschränken und dem dadurch gewonnenen Betrag einem karitativen Zweck zuzuführen.

Auch im Stift wird das Fastengebot nicht mehr allzu streng ausgelegt. Wer will, verzichtet freiwillig auf Süßigkeiten und Alkohol - auch auf die edlen Tröpferl aus dem Stiftsweingut, das seinerzeit an den heutigen Finanzminister Hans Jörg Schelling verpachtet wurde.

Mit dem Speiseplan der insgesamt 17 Mitbrüder - wobei allerdings nicht alle im Stift wohnen und essen - kann jeder Nichtgeistliche leicht mithalten: Gegessen wird in der Fastenzeit wie sonst auch vorwiegend Hausmannskost und der fleisch- und süßigkeitenfreie Mittwoch und Freitag gilt ohnehin das ganze Jahr über.

Genau genommen kennt man im Stift nur zwei Einschränkungen in der Fastenzeit: Am Aschermittwoch und am Karfreitag wird eine Stoßsuppe serviert, eine einfache Milchrahmsuppe, wie sie früher oft von den Bauern gegessen wurde.

Allerdings wird im Stift viel Wert auf Tischkultur gelegt. „Das Klosterleben hat zwei Säulen: das gemeinsame Gebet und das gemeinsame Essen“, erklärt Herr Petrus.

„Fleisch kommt ganzes Jahr auf den Tisch!“

Er betont: „Beim gemeinsamen Gebet tritt man mit Gott ins Gespräch, beim gemeinsamen Essen kommt man miteinander ins Gespräch. Es ist jedem selbst überlassen, wie er mit dem Fasten umgeht.“ Denn auch das Facebook- oder Fernsehfasten seien durchaus ein Thema. „Aber Fleisch kommt auch in der Fastenzeit genauso wie das ganze Jahr auf den Tisch, sonst gibt es einen Aufstand vom Herrn Propst“, schmunzelt Herr Petrus und spielt damit auf den früheren Beruf von Propst Maximilian an, der als Fleischhauerlehrling zu den Besten des Landes zählte, bevor er sich für den Orden entschied.

Chefköchin Eva Rumpler schwingt seit fast 20 Jahren in der Stiftsküche das Zepter. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Erika Makoditsch ist sie für die Verköstigung der Chorherren zuständig. Mit Küchenmeister Herrn Leopold stellt jeden Monat den Speisenplan zusammen: „Früher haben wir es mit ein bisschen weniger Fleisch in der Fastenzeit probiert, das hat aber nicht gut funktioniert. Aber im Vergleich zu damals, als ich hier anfing, wird mittlerweile Salat und Gemüse schon mehr geschätzt. Es wird zumindest ein wenig mehr Gemüse gegessen.“

Und da Ausnahmen die Regel bestätigen, gibt es die natürlich auch im Stift: Beim Geburtstag eines Mitbruders darf sich dieser wünschen, was an diesem Tag auf den Tisch kommt.