Erstellt am 19. April 2016, 00:45

von Birgit Kindler und Alex Erber

"Mama, ich fahre nie mehr mit dem Rad!". ARBÖ-Vertreterin ließ neun von 19 Kindern durchfallen. Ortschef Michael Küttner: "Ich hätte nie erwartet, dass das Ganze so ausartet."

Vor der Praxisprüfung herrschte zumindest bei den Schülern noch einigermaßen gute Laune. Das Bild zeigte sie mit Bürgermeister Michael Küttner, ARBO-Prüferin Brigitte Übelbacher-Krumböck und einer Polizistin.  |  NOEN, privat

Kinder dürften ab dem zwölften Lebensjahr ohne Beaufsichtigung mit dem Fahrrad unterwegs sein. Um ihnen das Radfahren schon früher zu ermöglichen, bieten die Gemeinde und der ARBÖ freiwillige Prüfungen an. Die jüngste Prüfung in Statzendorf endete mit einem Eklat: verstörte Kinder, empörte Eltern und ein Bürgermeister, der gesteht: „Ich hätte nie erwartet, dass das Ganze so ausartet.“

Vor den Osterferien verteilte man Lernunterlagen, dann wurde der Lernstoff in zwei Einheiten durchgenommen, die je 50 Minuten dauerten. Auf der Strecke, im Vorhinein bekannt, sollte in Begleitung der Eltern die Praxis geübt werden.

Intervention des Ortschefs erfolglos

Schließlich kam der Tag X: Die Prüferin und zwei Polizisten der Inspektion Herzogenburg kontrollierten das Geschehen. Doch bereits bei der Theorie gab es noch nie Erlebtes: Gleich vier der 19 Kinder fielen durch. Ortschef Michael Küttner versuchte zu intervenieren, scheiterte jedoch.

Noch schlimmer war es dann beim Praxistest, der mitten im Berufsverkehr über die stark befahrene Landesstraße 100 durchgeführt wurde: Weitere fünf Kinder blieben auf der Strecke. Dabei hatte es brenzlige Situationen gegeben, die die Kinder meisterten: Sie stoppten ihr Rad vor der Landesstraße, doch auch die Autofahrer blieben angesichts der Kinder stehen. Wer fährt zuerst? Alles gut gegangen, nichts passiert.

Die Kinder wurden regelrecht vorgeführt

Auf eine Erklärung, warum die Kinder gescheitert sind, warteten die betroffenen Eltern vergeblich. Die Prüferin ergriff förmlich die Flucht. „Zuvor hat sie uns noch gesagt, dass wir verwöhnt sind, weil bisher immer alle Kinder durchgekommen sind“, berichtet eine entsetzte Mutter. Kein Wunder: Die Kinder waren vorgeführt worden, nach dem theoretischen Teil die Punkteanzahl der Schüler laut verlesen.

Jene, die es nicht geschafft hatten, wollten in Grund und Boden versinken, derart genierten sie sich. „Alle waren geschockt“, berichtet die Mutter: „Die Kinder, die es nicht geschafft haben, und die Kinder, die durchgekommen sind, weil sie den Schock ihrer Freunde miterleben mussten.“ Fazit eines weinenden Kindes: „Mama, ich fahre nie mehr mit dem Rad!“

ARBÖ-Geschäftsführer verteidigt Prüferin

Direktor Franz Pfeiffer, Geschäftsführer des ARBÖ NÖ, bestätigt, dass in Statzendorf schon ungewöhnlich viele Kinder durchgefallen sind. Aber seitens des ARBÖ habe man nichts davon, wenn mehr oder weniger Kinder durchfallen.

„Die Eltern waren eben ziemlich enttäuscht“, meint Pfeiffer. Aber es würde eben nichts bringen, die Kinder alleine fahren zu lassen, wenn sie nicht einmal Handzeichen geben könnten. Er selbst war zwar nicht dabei, aber er denkt, dass sich die ARBÖ-Vertreterin richtig verhalten hat: „Sie hat sogar eine pädagogische Ausbildung.“

„Der derzeitige Trend ist allerdings so, dass das Niveau bei den Prüfungen immer schwächer wird, obwohl der Parcours bekannt ist“, gibt Pfeiffer zu bedenken. Eigentlich sollten die Eltern mit den Kindern diese Strecke vorab üben: „Aber sie gehen davon aus, dass bei der Prüfung Radfahren gelernt wird.

Prüferin Brigitte Übelbacher-Krumböck wollte sich auf NÖN-Anfrage zu den Vorwürfen nicht äußern.