Erstellt am 07. April 2016, 15:04

von Alex Erber und Birgit Kindler

Ende einer Ära: Seine allerletzte Sitzung. Gottfried Krammel musste sich im Gemeinderat noch einige Kritik gefallen lassen. Hauptthemen waren der Rechnungsabschluss sowie Subvention für Polizei-Magazin.

Genau am selben Heurigentisch, wo für Gottfried Krammel die Ära als Bürgermeister begann, endete sie jetzt auch. Mit Nachfolgerin Karin Gorenzel stieß er auf seine Amtszeit an.  |  NOEN, Thomas Heumesser

Es war Punkt 21.42 Uhr, als im kleinen Sitzungssaal der Marktgemeinde Applaus aufbrandete. Er galt dem scheidenden Bürgermeister Gottfried Krammel, der sich soeben von den Mandataren verabschiedet hatte. Elf Jahre lang war Krammel Ortschef. Am 31. März 2005 begann seine Ära, am 31. März 2016 endete sie: „Ich habe den Termin der Sitzung extra ausgesucht“, verriet er schmunzelnd.

„Ich habe den Termin der Sitzung extra ausgesucht“

Denn Sinn für Symbolik behielt der Sozialdemokrat bei. Er lud die Mandatare zum krönenden Abschluss auf eine Jause und ein gutes Glas Wein ins Heurigenlokal der Familie Moser nach Ratzersdorf ein. In jenes Lokal, in dem man vor exakt elf Jahren auf eine neue Ära angestoßen hatte. Sogar die Sitzbank, die Krammel auswählte, blieb die gleiche.

Von einem harmonischen Abschied konnte man nicht sprechen. Hatte die VP schon im Vorfeld Kritik am Rücktritt geübt, so prasselten im Verlauf der Gemeinderatssitzung Kritik und Negativbemerkungen auf die SP ein. Sie kamen von der VP, zum größten Teil aber von den beiden Mandataren der Bürgerliste „Wölbling MITeinander“. Im Zentrum standen die Finanzen der klammen Kommune. Nicht weniger als 35 Anfragen hatte die Bürgerliste im Vorfeld der Sitzung an den Bürgermeister gerichtet. Sie wurden beantwortet. Dennoch gab es einen neuerlichen Fragenkatalog: „Denn im Zuge der Beantwortung sind neue Fragen aufgetaucht“, begründete Gemeinderat Bernhard Fellner von der Bürgerliste. Kritisiert wurde beispielsweise, dass die Schulden variabel verzinst sind. „Sollten wir uns da nicht absichern? Wie lange halten wir das als Gemeinde aus, wenn die Zinsen wieder steigen?“, fragt Fellner. Krammel betonte: „Wenn wir uns vor drei Jahren mit einem Fixzinssatz abgesichert hätten, hätten wir draufgezahlt.“

Ebenfalls war die Opposition der Meinung, dass die Aufschließungsgebühr nicht rechtzeitig eingehoben wurde. „Budgetiert waren 157.000 Euro, bekommen hat die Gemeinde bis jetzt nur 100.000 Euro“, so geschäftsführende Gemeinderätin Eva Woisetschläger (VP). Aufgrund der massiven Kritik war es keine Überraschung, dass nur die SP für den Rechnungsabschluss stimmte. Im ordentlichen Haushalt beträgt die Summe 5,94 Millionen Euro, im außerordentlichen 709.053 Euro. Der Schuldenstand per 31. Dezember 2015 beläuft sich auf 23,59 Millionen Euro. Pro-Kopf-Verschuldung: rund 8.000 Euro.

Für Kritik sorgte auch die Subvention in Höhe von rund 480 Euro für ein Magazin der Polizei NÖ. „Uns ist die Sinnhaftigkeit für diese Zahlung unklar“, so Fellner, der aus diesem Grund ebenso wie sein Listenkollege Christian Pfeiffer, FP-Gemeinderat Armin Daxböck und die gesamte VP gegen diesen Zuschuss stimmte.

Am 11. April wird Nachfolgerin gewählt 

Designierte Nachfolgerin von Gottfried Krammel ist, wie berichtet, die bisherige Vizebürgermeisterin Karin Gorenzel, die am Montag, 11. April, gewählt werden wird. Den Wechsel findet auch die NÖN-Community überwiegend gut. Bei der Abstimmung fanden 59 Prozent Voter Gefallen an der Lösung, 41 Prozent befinden den Wechsel für schlecht.