Erstellt am 27. Mai 2017, 05:44

von Lisa Röhrer

Inzersdorferin hilft Kindern in Indien. Teresa Engelhart unterrichtet in Südasien ärmsten Teil der Bevölkerung. Die Herzlichkeit dieser Menschen hat sie überwältigt.

Glücklich: Teresa Engelhart mit „ihren“ Mädchen in der Schule in Indien.  |  NOEN, privat

„Du allein, als Frau, in Indien? Das würde ich nie machen – bei den vielen Vergewaltigern.“ Das ist nur einer der negativen Kommentare, mit denen Teresa Engelhart vor ihrer Abreise nach Südasien konfrontiert war. Doch die Inzersdorferin hat sich davon nicht abschrecken lassen.

Vor neun Monaten hat die 23-Jährige beschlossen, sich ein eigenes Bild von dem Land zu machen. Seither setzt sie sich in Kuppayanallur, einem kleinen Dorf im Süden des Landes, für den ärmsten Teil der indischen Bevölkerung, die Dalits, ein. Diese Bevölkerungsgruppe bildet die unterste Stufe des indischen Kastensystems. „Sie sind sozial ausgeschlossen, von extremer Armut geprägt und haben sehr geringen Zugang zu Bildung“, berichtet Engelhart auf ihrem Internet-Blog „Buntes Indien“. Wenn es einen Ausweg aus dieser Perspektivenlosigkeit gibt, dann ist es Bildung. Deshalb haben die „Jesuits of Madurai“ beschlossen, dem Schicksal der Dalits entgegenzuarbeiten und sie zu stärken.

„Die Gastfreundschaft, mit der ich willkommen geheißen wurde, rührt mich zutiefst.“ Teresa Engelhart

Und dazu leistet auch Teresa Engelhart einen wichtigen Beitrag: Sie unterrichtet an einer ländlichen Schule Englisch und betreut Kinder, die in einem Hostel leben, weil der tägliche Weg zur Schule zu weit wäre. „Ich versuche, dabei viel Kreatives einzubringen, mit den Kindern zu singen, zu malen und zu tanzen, sodass sie ein wenig Freude im sonst so strikten Schulalltag haben.“

Das Bild, das die Romanistin jetzt von dem Land hat, hat mit den negativen Kommentaren vor ihrer Abreise nichts zu tun. „Indien ist so anders als Europa. Die Menschen stressen sich nicht, es hat seine eigene Zeit“, erzählt Engelhart. Man lerne dadurch, sich in Geduld zu üben und die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind. Aber nicht nur das Land und seine Vielseitigkeit, auch die Menschen haben sie in ihren Bann gezogen.

„Ich will auch zuhause mehr Mitgefühl und Solidarität an den Tag legen.“

„Die Gastfreundschaft, mit der ich in Kuppayanallur willkommen geheißen wurde, rührt mich zutiefst.“ Somit hat sich der tiefere Blick – hinter dürre Landschaften, Armut und Perspektivenlosigkeit – auf jeden Fall gelohnt. „Die Menschen leben hier sehr einfach, Wasser und Reis sind knapp. Oft schlafen bis zu acht Personen in einem Acht-Quadratmeter-Zimmer“, schildert die 23-Jährige, „trotzdem teilen sie miteinander und haben mich als Fremde liebevoll aufgenommen.“

Vor dem Abschied im Juli hat Engelhart schon Bauchweh. Ihre Zeit in Indien will sie als Gelegenheit nehmen, um auch ihr Leben in Österreich neu zu erwürfeln. „Ich will auch zuhause mehr Mitgefühl und Solidarität an den Tag legen.“