Erstellt am 02. Mai 2016, 17:04

von Alex Erber

Falschmeldungen um City-Hotel empören die Stadt. Wiener Stadtzeitung und anonyme Fehl-Informanten wollen mit falschen Darstellungen das Projekt „City-Hotel“ zu Fall bringen.

Ausgangspunkt des Hotelprojektes ist das ehemalige „Gasthaus zum Goldenen Stern“ (links). Im Vordergrund ist die Parzelle sichtbar, die die Stadt an die Traisenhotel GmbH von Thomas Höhrhan verkauft hat.  |  NOEN, Hans Kopitz
Facebook, sei Dank! Gäbe es das soziale Medium nicht, wäre eine „kleine Geschichte“ mit dem Titel „Die Haberer von Herzogenburg“ einem überschaubaren Kreis von Wiener Lesern vorbehalten geblieben. Doch die Geschichte des Blattes „Falter“ hat sich rasch verbreitet. Was auf einer großformatigen Seite zu lesen ist, lässt sich ganz leicht zusammenfassen.

Stadt kauft Grundstück um 389.000 Euro, Investor erwirbt es um 160.000 Euro und verkauft es dann an eine Wohnbaugenossenschaft um 650.000 Euro. Die Gratis-Tageszeitung „Heute“, die den Bericht auszugsweise abgekupfert hat, hat es genau ausgerechnet: 490.000 Euro Gewinn für Thomas Höhrhan, der sich somit eine goldene Nase verdient haben soll.

Der Wahrheitsgehalt? Dürftig.

NÖN-Leser sind bestens informiert, die Causa „City-Hotel“ oder „Stadt-Hotel“ existiert schon seit dem Jahr 2008. Damals hatte Thomas Höhrhan die Idee, das Wirtshaus seiner Lebensgefährtin Nicole Villarmé, den „Goldenen Stern“ in der Kremser Straße, zu einem Hotel auszubauen.

Das Vorhaben war hoch gegriffen, seine Dimension groß.

„Finanzierung aus Bulgarien“

Hotel mit 70 Zimmern, Arztpraxen, Restaurant, Wellnessbereich mit der FX-Mayr-Kur im Angebot, Gebietsvinothek. Die Gretchenfrage der gar nicht wenigen Skeptiker: „Wie möchte Höhrhan das millionenschwere Projekt finanziell stemmen?“ „Es gibt bulgarische Investoren“, lautete seine Antwort. Was die Skepsis nicht unbedingt kleiner machte.

Höhrhan blieb hartnäckig und trieb die Planungen voran. Damals war er übrigens nicht, wie nun gleichfalls hartnäckig behauptet, VP-Obmann von Krems, sondern allenfalls ein kleines Licht in der Wachauer Hinterbank.

Zur Verwirklichung des Hotelkomplexes war, wie sich herausstellte, nicht nur das Villarmé-Grundstück notwendig, sondern auch eine Nachbarparzelle. Die Stadt kaufte sie um 389.000 Euro und veräußerte sie um 330.000 Euro an Höhrhan; 160.000 Euro direkt, für 170.000 Euro sind Stellflächen an den Investor vermietet worden, die er in den nächsten 20 Jahren abstottern sollte.

Änderung des Bebauungsplanes brachte Fass zum Überlaufen

„Und die Differenz zum Ankaufspreis von 389.000 Euro ergibt sich aus der Tatsache, dass die Gemeinde einen Teil der Fläche selbst als Verkehrsfläche (Bruckner-Kurve samt Nebenflächen) nutzt“, heißt es in einer Erklärung der Stadt (siehe unten).

Das Fass zum Überlaufen hat dann die Änderung des Bebauungsplanes gebracht. Denn zuvor hatten sich die bulgarischen Investoren offenbar ins Nirvana begeben. Zum (nunmehr abgespeckten) Hotelkomplex sollten Wohnungen (durch die Gedesag) errichtet werden, um auf diese Weise auch das Hotel quer zu finanzieren.

Dafür wiederum war die Anhebung der Bauklasse notwendig, was den Gemeinderat passierte. Das ist der einzige Punkt bei dem gesamten Vorhaben, bei dem Teile der VP nicht zustimmten. Denn es gibt eine Nachbarschaft, die das Projekt massiv bekämpft. Mehrfach haben die Anrainer klar gestellt, dass sie es nicht verhindern möchten - allerdings kommt für sie die beschlossene Bauklasse III nicht in Frage. Es liegen Einsprüche vor, die einer (Verwaltungs-)Gerichtsentscheidung bedürfen, daher kann noch nicht gebaut werden.

„Korruptionskeule war letzter Ausweg“

Inzwischen hat die Gedesag Thomas Höhrhan von allen Finanzsorgen erlöst und das Grundstück erworben. Daher werden unverhohlen Korruptionsvorwürfe erhoben, die die Beteiligten jedoch mit Leichtigkeit entkräften können.

Cui bono, wem also nützt der Bericht „Die Haberer von Herzogenburg“? Bürgermeister Franz Zwicker vermutet dahinter Projektgegner, „denen der ,Falter‘ überraschenderweise auf den Leim gegangen ist. Die Korruptionskeule war ihr letzter Ausweg.“ Also Haberer, die niemand benötigt.

Er selbst sei inzwischen dutzende Mal darauf angesprochen worden, sogar Anrufe aus Vorarlberg habe es gegeben. Abgehakt ist der Bericht nicht: „Alle Beteiligten werden prüfen, ob juristisch relevante Dinge wie Rufschädigung oder Verleumdung vorliegen und dann dementsprechend gegen die Anschuldigungen vorgehen.“