Erstellt am 13. Oktober 2015, 05:02

von Hans Kopitz

Feuerwehr-Sitzung endete im Eklat. Voraussetzung wäre Fusion gewesen, das wurde von Herzogenburg-Stadt jedoch überraschend abgelehnt.

In der Rauchpause vor der Abstimmung waren die beiden Kommandanten Rudi Singer (rechts) und Alfred Eisner noch zuversichtlich, während Bürgermeister Franz Zwicker schon sichtlich eine dunkle Vorahnung hatte - die schlussendlich auch bestätigt wurde.  |  NOEN, Hans Kopitz

Die Würfel sind gefallen: Es gibt kein gemeinsames neues Feuerwehrhaus! Die außerordentliche Mitgliederversammlung mit dem einzigen Tagungspunkt „Feuerwehrhaus-Neubau“ ging am vergangenen Freitag-Abend im Volksheim über die Bühne. Es herrschte zwar eine lockere, aber doch nicht ganz spannungsfreie Atmosphäre, als Bürgermeister Franz Zwicker, die zahlreichen Feuerwehrmitglieder, alle Fraktionsobmänner der im Gemeinderat vertretenen Parteien und Stadtamtsdirektor Kurt Schirmer begrüßte und die Gegebenheiten erklärte.

Gemeinsames Feuerwehrhaus geriet etwas ins Hintertreffen

„Ich, weiß, es war meine Schuld - denn schuld ist immer der Bürgermeister -, aber der Rathausplatz-Umbau, die Bahnunterführung Wiener Straße und der Bahnhofvorplatz-Umbau haben viel Zeit und Energie gekostet und so ist das gemeinsame Feuerwehrhaus etwas ins Hintertreffen geraten. Inzwischen gab es längere Diskussionen bezüglich Standort, auch wegen der Zu-und Abfahrt vom Gerätehaus. Ich glaube aber noch immer, es ist die optimalste Löung. Jetzt haben wir zum Schutz der Bevölkerung die Möglichkeit, eine Entscheidung für ein neues, gemeinsames Haus herbeizuführen“, so das Stadtoberhaupt, bevor der Juniorchef des Kremser Architekturbüros Göbl den Plan des neuen Hauses vorstellte.

Für geplantes Objekt gab es Applaus

Östlich vom Neubau sollte die Verwaltung mit Mannschafts-, Besprechungs, Fahrmeister- und Jugendräumen hinkommen, eingeschlossen ein großer Versammlungssaal im Oberstock - und westlich davon die Halle mit Schlauchtrocknungs- und Übungsturm, Atemschutzwerkstätte, Waschbox und Katastrophenraum.

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„Wenn alles klappt, könnte bereits 2016 mit dem Bau begonnen werden. Es wird aber notwendig werden, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die alle Wünsche mit einbindet, sodass alle zufrieden sind“, erklärte Zwicker und nahm gemeinsam mit dem Juniorchef der Firma Göbl den Applaus der Anwesenden für das gelungene Objekt entgegen.

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Als Problem stellte sich jedoch die Neuwahl der Kommandos im Jänner kommenden Jahres heraus. Da sich weder Rudi Singer von der Stadtfeuerwehr, noch Alfred Eisner von den Oberndorfer Florianis für eine weitere Kandidatur zur Verfügung stellen, gibt es ab Jänner neue Gegebenheiten. Außerdem, und das ist wohl der entscheidende Grund für die Sensation, die folgen sollte, berief man sich auf juristische Vorschriften, die zwei eigenständige Wehren in einem gemeinsamen Haus nicht zulassen.

Konsequenz: Auflösung der Wehren, Neugründung einer einzigen Wehr, den Namen dieser Wehr würde der Gemeinderat bestimmen. Mit einem Wort: Fusion oder Verschmelzung der Freiwilligen Feuerwehren Herzogenburg-Stadt und Oberndorf/Ebene.

Zahlreiche Fragen im Vorfeld

„Es ist einer der wichtigsten Tage in unserer Feuerwehrgeschichte. Ich wünsche mir, dass es ein guter Abend wird, dass alle anstehenden Fragen auf den Tisch kommen und auch beantwortet werden - und dass die Abstimmung eindeutig ist und dass die Entscheidung von allen akzeptiert wird. Wer mit dieser Entscheidung nicht leben kann, muss seine eigene Entscheidung treffen“, erklärte Rudi Singer, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenburg-Stadt.

Alfred Eisner, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Oberndorf/Ebene, schloss sich den Worten seines Vorredners an und betonte: „Es ist in den vergangenen Jahren einiges Porzellan zerschlagen worden, aber ich möchte an eure Vernunft appellieren, heute zukunftsweisend zu denken - vor allem an die Jugend, die wir motivieren wollen.“

Der Gutenbrunner Feuerwehrkommandant Karl Gramer wurde als neutraler Moderator eingesetzt und leitete die anschließende Diskussion, die respektoll, wertschätzend, sachlich und lösungsorientiert werden sollte - und es auch war. Es tauchten zahlreiche Fragen auf: Wo finden künftig die Feuerwehrfeste statt? Sind 52 Pkw-Parkplätze wirklich genug? Wird nicht Lagerplatz verschenkt, wenn die Halle nicht unterkellert ist? Was ist, wenn bei einem Einsatz die Bahnschranken wieder einmal allzulange geschlossen sind? Warum ist der Katastrophenraum so klein geraten?

„Es gibt keinen Plan B"

Oder: Wo bleibt unsere 150-jährige Geschichte, wenn die Wehr aufgelöst wird? Wie wird die neue Wehr heißen - „Herzogenburg-Oberndorf“ oder „Oberndorf-Herzogenburg“? Eine Frage, die einigen auf der Zunge lag: „Wie schaut der Plan B aus, wenn die heutige Entscheidung kein Ergebnis bringt?“ Sie wurde vom Bürgermeister schnell beantwortet. „Es gibt keinen Plan B. Wenn heute keine Einigkeit erzielt wird, ist das ganze Projekt gestorben!“

Nachdem die Fragen ausdiskutiert wurden, schritt man zur Abstimmung, wobei es schon die erste Diskrepanz gab: Es wurde vorerst mit Handzeichen abgestimmt, ob nur die aktiven Mitglieder mitstimmen dürfen, oder ob auch die Reservisten zur Urne schreiten dürfen. Man wählte hier das Prinzip der Einstimmigkeit. Und kassierte prompt einen Bauchfleck: Zwei junge Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenburg-Stadt verhinderten mit ihren Gegenstimmen, dass sich altgediente Silberhelme an der Abstimmung beteiligen können.
Was folgte, war der totale Eklat.

Zukunftsprojekt nun "verbaut"

Galt ursprünglich Oberndorf der gewünschten Lösung genüber skeptisch eingestellt, so war es bei der entscheidenden Abstimmung genau umgekehrt: Bei den Herzogenburgern stimmten 13 Mitglieder für ja und 20 für nein, bei den Oberndorfern waren 25 dafür und 12 dagegen.

Die Enttäuschung lag in der Luft: „Es wäre ein Zukunftsprojekt gewesen, leider ist für die nächsten Jahre alles verbaut“, so Alfred Eisner - und Rudi Singer meinte: „Es ist so - es beginnt alles wieder bei Null. Schauen wir, was die Jahre bringen werden.“

Enttäuschung auch bei Bürgermeister

Auch Bürgermeister Franz Zwicker verbarg die Enttäuschung nicht. Auf die Frage, was jetzt mit dem Baugrund geschehen wird, antwortete das Stadtoberhaupt: „Er ist wieder auf dem freien Markt. Wenn er für den Wohnbau gebraucht wird, steht er zur Verfügung.“

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