Erstellt am 01. Oktober 2015, 10:37

von Alex Erber

Flüchtlinge haben Geriatriezentrum verlassen. Die 154 Flüchtlinge wurden gestern, Mittwoch, gegen 17 Uhr aus dem Geriatriezentrum St. Andrä abtransportiert, teilte Bürgermeister Franz Zwicker mit.

Geriatriezentrum St. Andrä: Die Unterbringung von Flüchtlingen ab der Jahreswende 2014/15 ist zuletzt dementiert worden.  |  NOEN, Hans Kopitz

„Wohin sie gebracht wurden, entzieht sich meiner Kenntnis“, so Zwicker.

NÖN.at hatte laufend berichtet:

In der Stiftsstadt haben sich in der Nacht auf Dienstag die Ereignisse überschlagen. 154 Flüchtlinge (75 Männer, 37 Frauen, 42 Kinder) befinden sich derzeit in bereits still gelegten Abteilungen des Geriatriezentrums in der Katastralgemeinde St. Andrä.

Am Sonntag sind zunächst die Mitarbeiter des Geriatriezentrums und die Polizeiinspektion Herzogenburg informiert worden, dass bis zu 150 Flüchtlinge, die in Wien untergebracht sind, nach Herzogenburg übersiedeln werden.

Erst geraume Zeit später, um 20.45 Uhr, klingelte es an der Haustür von SP-Bürgermeister Franz Zwicker. Die Nachricht von der möglichen Flüchtlings-Unterbringung ist ihm von zwei Polizisten persönlich überbracht worden.

Samariterbund übernimmt Betreuung

Doch am Sonntag-Abend kam niemand, ebenso nicht am Montag im Verlauf des Tages. Erst am Montag um 22.30 Uhr kam der erste von insgesamt drei Bussen mit Schutzsuchenden in St. Andrä an. Ihre Betreuung hat im Auftrag der Stadt Wien der Samariterbund übernommen. Angeblich handelt es sich um ein Transitlager, wobei St. Andrä vor wenigen Tagen noch als „mindergeeignet“ eingestuft worden ist.

Die Flüchtlinge sollten ersten Informationen zufolge am Mittwoch gegen 8 Uhr weiterreisen. Knapp vor 10 Uhr befanden sie sich noch am Areal des Geriatriezentrums.

"Praktisch keine Kommunikation"

Die Stadtgemeinde wird mit Informationen äußerst spärlich versorgt: „Es gibt praktisch keine Kommunikation“, beklagt Stadtamtsdirektor Kurt Schirmer. „Da es in der Vorwoche bei einer Besichtigung des Geriatriezentrums durch den Samariterbund die Aussage gab, dass das Geriatriezentrum nur mit großem Aufwand als Transitlager genutzt werden kann, ist dieser Schritt der Stadt Wien umso unverständlicher. Trotz intensiver Bemühungen des Bürgermeisters war es bis dato nicht möglich, von den Verantwortlichen der Stadt Wien nähere Details über die weitere Verwendung des Geriatriezentrums zu bekommen“, heißt es seitens der Stadtgemeinde.

Was heute gilt, kann morgen schon ganz anders sein

Am Dienstag-Abend fand eine „Zusammenkunft des Gemeinderates mit informellem Charakter“ statt, in der es rund um die Situation am Areal des Geriatriezentrums einerseits, um die geplante Unterbringung von bis zu 80 Flüchtlingen im ehemaligen Biomin-Bürogebäude in der Industriestraße andererseits ging. Die Debatte verlief in äußerst sachlichem Rahmen, mit verbindlichen Aussagen oder Prognosen konnten die Mandatare freilich nicht aufwarten.

Tenor: Was heute gilt, kann morgen schon ganz anders sein. „Blüh“-Gemeinderat Hermann Feiwickl sprach neuerlich von einer „Obergrenze“, die man in Herzogenburg erreicht habe. Man musste ihn korrigieren: Die Gemeinde kann zwar Wünsche anmelden oder deponieren, ein Mitspracherecht hat sie nicht, sie wird auch in Entscheidungen nicht eingebunden. Eine „Obergrenze“, so wie sie sich Feiwickl vorstellt, gibt es nicht.

"Wir sind hier überrannt worden"

Mittlerweile hat sich VP-Stadtrat Erich Hauptmann zu Wort gemeldet: „Auch wenn es viele auf der VP-Seite nicht hören wollen: Der Unmut unter den Gemeindebürgern ist mittlerweile riesengroß. Wir sind hier überrannt worden, ich bezweifle, ob die Gemeinde überhaupt irgendein Mitspracherecht hat.“

Man müsse jetzt den Blick schärfen und dürfe einige Fragen nicht außer Acht lassen: „Was ist, wenn andere Länder die Grenzen dicht machen? Werden dann aus Transitflüchtlingen echte Asylwerber?“ Hauptmann: „Es ist wie mit einem Flugzeug. Ist es überfüllt, dann stürzt es ab.“