Erstellt am 21. Dezember 2015, 10:47

von Hans Kopitz

Flüchtlinge in Herzogenburg: Langsam kehrt Alltag ein. 48 Flüchtlinge aus Afghanistan sind am Biomin-Gelände untergebracht. Der Tagesablauf besteht aus Deutschkursen, Spaziergängen, Beten und Fußball spielen.

Im Haupthaus sind die minderjährigen Alleinstehenden in Zwei- und Dreibettzimmern untergebracht. Im Containerhaus leben die Familien und alleinstehenden Erwachsenen.  |  NOEN, Kopitz

Die momentane Flüchtlingssituation beschäftigt noch immer viele Herzogenburger - und einige sind dabei, die hier auch Engagement zeigen und nicht nur Geld, sondern auch einen Teil ihrer Freizeit zur Verfügung stellen. So übergaben am vergangenen Freitag die Obfrau der Interessensgemeinschaft der Wirtschaft, Evelyne Moser-Bruckner und Kassier und Volksbank-Chef Wolfgang Keiblinger die Spenden, die beim kürzlich veranstalteten Gospelkonzert in der Stiftskirche hereingekommen sind, an Propst Maximilian Fürnsinn und Elisabeth Heuritsch, die sich sehr für die „Flüchtlingshilfe Herzogenburg“ engagieren.

Doch auch weiter im Süden, am Biomin-Gelände, wo seit zwei Wochen Flüchtlinge eintreffen, nimmt man sich dieser an. Derzeit sind dort 48 Menschen untergebracht. 29 minderjährige Alleinstehende zwischen 14 und 18 Jahren leben im Haupthaus.

Neunköpfiges Betreuer-Team

Im danebenliegendem Containerbau befinden sich 19 alleinstehende Erwachsene sowie Kinder und Erwachsene im Familienverband. Bis Ende Jänner sollen noch einmal rund 40 Schutzsuchende dazukommen.

Betreut werden die Flüchtlinge aus Afghanistan von neun Personen. Es ist rund um die Uhr immer jemand anwesend, der hilft, den Tagesablauf zu organisieren, ihnen beim Einkaufen unter die Arme greift und den Jugendlichen beim Kochen - vor allem beim Zwiebelschneiden - zur Hand geht, denn kochen, waschen, bügeln und zusammenräumen müssen sie selbst.

Unterhaltungen sind sehr schwer, denn sie sprechen nur teilweise Englisch und gebrochenes Deutsch. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert, ihre Eltern sind umgebracht worden oder auf andere Weise umgekommen und ihre Schulen wurden niedergebrannt. Bei der monatelangen Flucht pferchten sie die Schlepper oft in Auto-Kofferräume ein, viele Tage gab es keine Nahrung.

„Man muss ihnen Zeit lassen, anzukommen“

Mit welchem Geld sie die Schlepper bezahlt haben, ist schwer zu eruieren. Da aber in diesen Kulturkreisen der Familienzusammenhalt sehr groß ist, kann man annehmen, dass hier allen zusammengezahlt haben, um den Jugendlichen die Flucht in ein besseres Leben zu ermöglichen. „Man muss ihnen einfach Zeit lassen, anzukommen. Viele Flüchtlinge würden eine psychologische Betreuung brauchen“, erklären die Betreuerinnen.

Der Tagesablauf besteht vor allem aus Deutschkursen - das übernimmt das „Biku“, ein privates Sprachinstitut aus der Landeshauptstadt -, wobei die Jugendlichen dabei sehr viel Engagement zeigen. Einige Stunden am Tag dürfen sie hinaus, wo sie vor allem Spazierengehen, beten oder Fußball spielen. Gestern, Montag, wurden bereits die ersten Volksschulkinder eingeschult. Mit Anfang des neuen Semesters im Februar werden auch die Jugendlichen, für die noch Schulpflicht besteht, die Polytechnische Schule besuchen.

„Wir möchten uns für die vielen Sachspenden bedanken, die wir täglich bekommen - so spendete die Sparkasse Schulausrüstungen für die Kinder, es gab zum Beispiel auch ein Bügeleisen oder einen Staubsauger - beide wurden dringend benötigt“, erklärt Pia Mach vom Betreuerteam.

Gesucht werden noch Artikel wie Deosprays, Zahnpaste und Ähnliches - vor allem aber Menschen, die für Arztbesuche, Einkaufsgänge - oder auch zum Spielen einige Stunden ihrer Freizeit opfern könnten. Es sind Jugendliche darunter, die würden sich auch gerne sportlich betätigen, bis sie mit ihren Sprachkenntnissen so weit sind, um an die Zukunft denken zu können.