Herzogenburg

Erstellt am 02. August 2016, 05:52

von Hans Kopitz

Nach Gießkannen-Attacke: „Absage an die Gewalt“. Nach der Gießkannen-Attacke am Friedhof fand am Stadtamt ein Gespräch mit der betroffenen Familie statt. Bürgermeister Zwicker: „Hoffe, dass es bei einem Einzelfall bleibt.“

Gespräch im Reitherhaus: Ayse Arslan, Mevlüt Eren, Bürgermeister Franz Zwicker, Stadtrat Richard Waringer und das Angriffsopfer mit Tochter (von links).  |  NOEN, privat

Kürzlich sorgte ein islamfeindlicher Vorfall am Stadtfriedhof für Aufsehen, bei dem eine türkischstämmige Frau als „Terroristin“ beschimpft und mit einer Gießkanne attackiert wurde.

Am vergangenen Mittwoch fand aus diesem Anlass ein Gespräch bei Bürgermeister Franz Zwicker und Stadtrat Richard Waringer statt, bei dem neben der betroffenen Familie auch Mevlüt Eren von der Islamischen Föderation Herzogenburg und Ayse Arslan vom Integrationsservice vertreten waren.

„Gewalt - in welcher Form auch immer - hat in Herzogenburg keinen Platz."

Im Namen der Stadtgemeinde Herzogenburg stellte Bürgermeister Zwicker klar: „Gewalt - in welcher Form auch immer - hat in Herzogenburg keinen Platz. Ich verurteile diesen Vorfall und hoffe, dass es bei einem Einzelfall bleibt, der die Menschen jetzt zum Nachdenken bringt.“

„Der Angriff hat uns und alle in unserem Bekanntenkreis sehr schockiert. Sogar die türkische Botschaft hat uns diesbezüglich kontaktiert. Leider kommt es immer öfter vor, dass türkisch-stämmige Frauen auf offener Straße grundlos angepöbelt werden. Für jemanden, der seit Jahrzehnten in Österreich lebt, ist es besonders verletzend, als Terrorist beschimpft zu werden“, so die betroffene Familie.

Mevlüt Eren von der Islamischen Föderation betont: „Wir sind gegen jeden Terror, der Islam ist eine Religion des Friedens. Der IS oder sonstige Terroristen haben mit dem Islam nichts gemein, sie missbrauchen die Religion für ihre Zwecke. Und vor allem kann man uns Moslems, die hier in Österreich leben, nicht für den Terror in anderen Ländern verantwortlich machen.“ Er appelliert an die Bevölkerung: „Ich wünsche mir, dass die Leute von ihren Vorurteilen loskommen und uns Moslems als Menschen sehen! Wir alle wollen ein friedliches Leben mit gegenseitigem Respekt führen.“

Handlungsbedarf auf beiden Seiten

„Solche Vorfälle darf man nicht unkommentiert lassen. Hier werden immer weitere Grenzen überschritten. Dem gilt es entgegenzusteuern, wenn wir den Frieden in unserer Gesellschaft erhalten wollen!“, so Integrationsstadtrat Richard Waringer. Handlungsbedarf sieht Waringer auf beiden Seiten: „In den Köpfen vieler Menschen gelten Zugewanderte selbst nach Jahrzehnten noch als Fremde, selbst wenn sie schon österreichische Staatsbürger sind. Um das zu ändern, müssen sich aber auch die Migrantengruppen noch mehr der österreichischen Öffentlichkeit zuwenden. Man muss miteinander reden statt übereinander.“

Auch Ayse Arslan vom Integrationsservice der Stadtgemeinde Herzogenburg teilt diese Meinung: „Für ein friedvolles Zusammenleben ist es nötig, dass man gegenüber Menschen anderer Kulturen Offenheit zeigt und sie als einen bedeutenden Teil der Gesellschaft sieht. Offenheit zeigen heißt auch, den Dialog zu suchen und auch selbst einem kommunikativen Austausch einzuwilligen.“