Herzogenburg

Erstellt am 26. Juli 2016, 05:00

von Alex Erber

Gießkannen-Attacke: Täterin in Mauer-Öhling. Psychisch schwer beeinträchtigte Frau hatte sich zuvor Wortgefechte mit zwei Dutzend Autofahrern geliefert. Am Friedhof schlug sie Muslimin, weil diese Schleier trug.

Bilderbox.com

Jene Frau, die für die vorwöchige Gießkannen-Attacke auf eine Türkin verantwortlich gezeichnet haben dürfte, ist psychisch schwer krank. Wie ein Sprecher der Landespolizeidirektion NÖ im NÖN-Gespräch bestätigt hat, befindet sich die mutmaßliche Täterin derzeit zum wiederholten Mal in der Landesnervenklinik Mauer-Öhling.

Wie ausführlich berichtet, befand sich eine verschleierte Türkin (54) gerade am Weg zu einem Grab, als sie wie aus heiterem Himmel von der etwa gleichaltrigen Frau attackiert worden ist. Und zwar mit einer Gießkanne! Der 23-jährige Sohn des Opfers: „Die Gießkanne war voll und die Täterin schlug mit ganzer Kraft zu.“

„Die Gewalt darf nie zur ,Normalität‘ werden!“ 
Mirsada Zupani, SP-Gemeinderätin in St. Pölten

Die Türkin konnte den Angriff fast vollständig abwehren, aber eben nur fast: Sie erlitt Verletzungen unbestimmten Grades am Handgelenk, die im Universitätsklinikum St. Pölten behandelt wurden. Wie die Tochter des Opfers mitteilt, ist die Muslimin mittlerweile wieder wohlauf.

Der Sohn kam unmittelbar nach der feigen Attacke zum Schauplatz des Geschehens. Was ihn ganz besonders erschüttert hat: „Meine Mutter ist nur deshalb angegriffen worden, weil sie einen Schleier trug. Und dann schrie ihr die Tobende noch zu: ,Du bist eine Terroristin!‘“

Schimpfkanonaden gegen 25 Autofahrer

Man mag sich nicht ausdenken, was passiert wäre, hätte der Sohn die Mutter nicht auf den Friedhof begleitet. Denn die Angreiferin hatte bereits vor dem Vorfall am Friedhof randaliert. Wie Augenzeugen berichten, war sie als Mofafahrerin in einen heftigen Disput mit einem Autofahrer am Schillerring verwickelt. Sie beschimpfte den Lenker mit obszönen Worten. Durch die Konfrontation wurden andere Verkehrsteilnehmer am Weiterfahren gehindert. Rund 25 Autos hatten Zwangspause. Nachdem sich der Disput gelegt hatte, wurden auch die anderen 25 Lenker mit Schimpfkanonaden bedacht. Völlig außer sich vor Wut, begab sich die Frau wenig später zum Friedhof.

Es hat viele Reaktionen auf den Vorfall gegeben, auch von einer Politikerin. Sie stammt nicht aus Herzogenburg, sondern aus dem benachbarten St. Pölten. SP-Gemeinderätin Mirsada Zupani, sie kam einst als Flüchtling aus Bosnien-Herzegowina nach Österreich, bespielt dort das soziale Klavier, arbeitet bei der Emmausgemeinschaft und ist freiwillig engagiert in der Suchtprävention.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Attacke hat sie auf Facebook viele Fragen gestellt: „Sie ist leider auch zu uns gekommen - die Gewalt gegenüber musimischen Frauen ist zur ,Normalität‘ geworden oder wie? Gelten die Menschenrechte für sie nicht?! Hört man mit dem eigenen Werten- und Freiheitsverständnis bei den muslimischen Frauen auf? Was soll das?! Wo soll das hinführen?! Sind wir nur dann ,weltoffen‘ und ,tolerant‘, wenn man ,unter sich‘ ist oder wie?“

Zupani verurteilt jede Gewalt: „Wir dürfen nicht schweigen und/oder wegschauen! Die Gewalt darf nie zur ,Normalität‘ werden!“