Erstellt am 28. Dezember 2017, 05:46

von Claudia Stöcklöcker

Opferstockdiebe kassierten Haft. In Kirchen trieben Ungarn ihr Unwesen. Richter verordnete „Buße in der Justizanstalt“.

Stiftsdechant Petrus Stockinger und Mesnerin Bernadette Baumgartner vor dem Weihwasserbecken, durch dessen Pinkelinhalt alles ans Licht gekommen ist. Stockinger: „Ich bin froh, dass dieses Kapitel beendet ist.“    |  Hans Kopitz

Im Stift in Herzogenburg, in drei Kirchen in Wiener Neustadt und in der St. Othmarkirche in Mödling langten zwei Ungarn, 37 und 41 Jahre alt, zu, angelten Geld aus den Opferstöcken.

Eine Videoaufzeichnung überführte die Ungarn heuer im Herbst beim Versuch, im Stift Herzogenburg einen Coup zu landen. Als die Handschellen ebendort klickten, hatten die Langfinger Plastikbänder, Kleber und eine lange Pinzette im Gepäck. „Das ist unser Werkzeug“, erklärt einer beiden im Prozess.

Ob der 37-Jährige im Stift in ein Weihwasserbecken uriniert hat? Das verneint er vehement.

Ob die Angeklagten wissen, dass Kirchen rechtlich als besonders geschützte Räume gelten? „Ja, wir sind selber römisch-katholisch und schämen uns“, sagen sie gesenkten Hauptes.

„Diebstähle in Kirchen werden zu Recht strenger bestraft“, sagt der Richter. Und weiters: „Dort sollte man keine Straftaten begehen, sondern Buße tun. Und weil Sie ja römisch-katholisch sind, können Sie das jetzt über die Feiertage in der Justizanstalt tun.“ Es setzt teilbedingte Strafen, davon fünf sowie drei Monate gesiebte Luft.