Herzogenburg

Erstellt am 18. Juli 2017, 05:35

von Alex Erber

Peiniger muss in Anstalt. Herzogenburger, der 14-Jährigen as vergewaltigte, war bei der Tat geistig eingeschränkt: zwei Jahre Haft.

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Adrettes Hemd, legere Hose, flotte Turnschuhe: Es ist nicht die etwas zu groß geratene Brille, die das Bild eines unscheinbar wirkenden jungen Mannes konterkariert, sondern es sind die Handschellen. Einem nun 15-Jährigen wird beim Prozess am Landesgericht St. Pölten das grauenhafteste Verbrechen vorgeworfen, das in Herzogenburg in der jüngeren Geschichte verübt worden ist.

Ehe der junge Türke, der zum Tatzeitpunkt 14 Jahre jung war, von zwei Polizisten in Zivil in den Gerichtssaal geleitet wird, schließt Richter Markus Grünberger die Öffentlichkeit aus. Zu brutal war die Vorgangsweise des Schülers gewesen, zu abscheulich das Verbrechen, zu dem sich der Angeklagte im Verhör durch die Polizei zwar geständig, aber keineswegs reumütig gezeigt hat.

„Arbeiten Sie mit den Therapeuten zusammen!“ Richter Markus Grünberger

Wie bereits ausführlich berichtet, hat der Bursch Ende Jänner des heurigen Jahres versucht, im Stadtpark unweit der Bahnhaltestelle Herzogenburg-Stadt eine 13-Jährige zu vergewaltigen. Er warf sie nieder, versuchte, sie zu küssen, wollte sie missbrauchen.

Der damals 14-Jährige hatte jedoch nicht mit der heftigen Gegenwehr des Opfers gerechnet, das sich in letzter Sekunde noch losreißen und flüchten konnte.

Mit Schere bedroht und vergewaltigt

Dieses „Glück“ war tags darauf einem Buben (13), ein Mitschüler des Peinigers, nicht beschieden. Der Täter lauerte ihm auf, setzte ihm eine Schere an den Hals und vergewaltigte ihn brutal. Das Opfer leidet an den Folgen der Tat bis heute.

Der Prozess ist eine Neuauflage, die erste Verhandlung fand bereits im April statt. Sie musste vertagt werden, denn es gab zwei Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten, die einander widersprechen. Richter Grünberger entschied sich daher, vor der Urteilsfindung ein drittes Gutachten anzufordern.

Es brachte auch den erwünschten Durchbruch und verschaffte dem Richtergremium sowie dem Schöffensenat schließlich auch Klarheit:

Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt geistig eingeschränkt; jedoch nicht zur Gänze. Den Einwand des Rechtsanwaltes, dass der 15-Jährige bei der Nötigung des Mädchens harmlose Absichten gehabt habe, wies der Richter in aller Deutlichkeit zurück. Nach mehr als einstündiger Verhandlung verkündete Grünberger das Urteil: Zwei Jahre unbedingte Haftstrafe.

Vollziehen wird der Täter die Haft in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, so wie die Staatsanwaltschaft St. Pölten das zuvor auch gefordert hatte. Mildernd wirkte die Tatsache, dass der 15-Jährige bisher einen ordentlichen Lebenswandel geführt hat. Er legte außerdem auch ein umfassendes Geständnis ab.

Latente Gefahr der Rückfälligkeit

Den Ausführungen des Richters zufolge leide der Vergewaltiger auch an einer geistig-seelischen Abartigkeit höheren Grades. Es besteht zudem die latente Gefahr, dass der Jugendliche rückfällig wird.

„Arbeiten Sie mit den Therapeuten zusammen!“, gab der Richter dem Verurteilten abschließend mit auf den Weg den Weg in die Justizvollzugsanstalt Wien-Gerasdorf. Der 15-Jährige hat das Urteil nach kurzer Absprache mit seinem Anwalt und den Eltern angenommen. Es ist daher rechtskräftig.