Erstellt am 05. Juli 2016, 05:59

von Alex Erber und Hans Kopitz

Penny-Überfall: Bierbauch verriet Räuber. Nach dem vierten Coup war Schluss: Kremser (49), der auch für den Überfall auf den Herzogenburger Penny-Markt verantwortlich ist, sitzt hinter Gittern. Er ist geständig.

Die Herzogenburger Penny-Filiale war am 14. März Schauplatz eines Raubüberfalls. Der mutmaßliche Täter wurde nun verhaftet. Hans Kopitz  |  NOEN

Aufatmen herrscht seit der Vorwoche bei den Bediensteten des Penny-Marktes in der St. Pöltner Straße: „Natürlich sind wir erleichtert, dass der Kerl gefasst wurde. Wahrscheinlich nicht nur wir, sondern auch unsere Kollegen in den anderen Filialen“, sagt die Geschäftsführerin im NÖN-Exklusivgespräch. Nachsatz: „Aber die Angst bleibt trotzdem, dass so etwas wieder passiert.“

Nach dem vierten Überfall auf eine Penny-Filiale war in der Vorwoche für den Kremser Michael K. Endstation. Am Montag überfiel er den Diskonter in Neulengbach. Tags darauf klickten die Handschellen für den 49-Jährigen. Der Ablauf erinnerte frappant an die drei vorangegangenen Coups des Mannes in Krems, Prinzersdorf und Herzogenburg. Der mutmaßliche Täter war mit einer Wollhaube maskiert, bedrohte drei Angestellte mit einer Pistole. Er zwang einen Mann, den Tresor zu öffnen und erbeutete dabei viel Bargeld.

Der Räuber sperrte seine Opfer in den Kühlraum und flüchtete danach mit einem Auto, das er sich bei einer Leihwagenfirma in Krems geborgt hatte.

Zum Verhängnis wurde dem Verhafteten letztlich sein markanter Bierbauch. Auf den veröffentlichten Fahndungsfotos ist K. von mehreren Personen erkannt worden, die die Polizei auf die entscheidende Spur lenkten. Er geriet in den Fokus der Ermittlungen. Nachdem auch die Leihwagenfirma eruiert werden konnte, bei welcher sich der Verdächtige einen Pkw angemietet hatte, wurden die Fahndungsmaßnahmen auf dieses Fahrzeug konzentriert.

Verdächtiger gestand die vier Penny-Coups

Im Nahbereich des Leihwagenunternehmens ist Michael K. schließlich am Dienstag gegen 18.30 Uhr von Beamten des Landeskriminalamtes, Ermittlungsbereich Raub, gemeinsam mit Kräften aus St. Pölten, Stockerau und der Kriminaldienstgruppe Krems festgenommen worden. Im Fahrzeug befanden sich noch diverse Raubutensilien. Eine Hausdurchsuchung förderte dann noch die echte und halbgeladene Tatwaffe, Maskierung, Tatkleidung sowie Fesselungsmaterial und die Raubbeute aus Neulengbach zutage.

Leugnen war zwecklos: Beim Verhör gestand K. die vier Raubüberfälle.

Als Motiv nannte er seine ständigen finanziellen Schwierigkeiten aufgrund von Kreditschulden, welche sich seit seiner Haftentlassung im Jahr 2010 angehäuft hätten. Die Tatwaffe will er von einem bereits verstorbenen Ex-Mithäftling bekommen haben. Der Verdächtige wurde verhaftet und ins Gefangenenhaus des Landesgerichtes St. Pölten eingeliefert.

Michael K. hatte bereits im August des Jahres 2005 für Schlagzeilen gesorgt. Damals lebte er im Waldviertel und überfiel die Sparkasse in Maissau. K. zwang eine damals 25-jährige Bankangestellte, sich zu entkleiden und vergewaltigte sie brutal. Mit nicht weniger als 114.000 Euro Beute ergriff er danach die Flucht.

Weil der Täter einen Tag vorher bei der Meldung einer „fingierten“ Panne des Geldausgabeautomaten gefilmt worden war, hatte die Polizei bald eine heiße Spur. Nach der Beschattung des Tatverdächtigen wurde er noch am selben Abend verhaftet und schließlich zu einer achtjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Fünf Jahre davon verbüßte der Mann. „Seit der Einführung des Euro ist mir das Geld aus den Händen geronnen“, jammerte er damals. Tatsächlich dürfte Kaufsucht nach Elektrogeräten und exzessives Lottospielen den damaligen Buschauffeur auf die schiefe Bahn geführt haben.