Herzogenburg

Erstellt am 25. August 2016, 04:10

von Hans Kopitz

„Schön, daheim zu sein!“. Stiftskaplan Petrus Stockinger pilgerte am Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Über seine vielen Erlebnisse wird er am Dienstag, 4. Oktober, im Augustinussaal berichten.

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Das Stift hat ihn wieder - nach 120 Tagen und 3.200 Kilometern Fußmarsch ist Stiftskaplan Petrus Stockinger von seiner Wanderung nach Santiago de Compostela wieder in heimatliche Gefilde zurückgekehrt.

Aufgebrochen ist er am 11. April von Innsbruck aus und genau an seinem 34. Geburtstag ist er am 11. Juli in Santiago gelandet. Dazwischen gab es jede Menge Entbehrungen, aber auch zahlreiche positive Augenblicke und Begegnungen.

Keine Maturaklasse, also: „Jetzt oder nie!“

„Ich wollte den Jakobsweg schon immer bewältigen - aber wie bei so vielem im Leben kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Zuerst war es das Studium, dann das Pastoraljahr, dann der Unterricht in der Schule. Eigentlich wollte ich den Weg in einem Stück gehen, das aber war zeitlich nicht möglich. Jetzt bin ich im Vorjahr von Herzogenburg erst einmal nach Innsbruck gegangen - sozusagen als Testballon, ob ich das auch aushalten würde, denn so durchtrainiert bin ich ja auch nicht. Als ich dann in den heurigen Kalender blickte und sah, ich habe diesmal keine Maturaklasse, wusste ich: Jetzt oder nie“, so Petrus Stockinger, der seinen Weg natürlich genau im Tagebuch verewigt hat. „Alleine eine ganze Seite habe ich meinen Ängsten gewidmet, was wir sein, wenn . . .? Aber es ist alles gut gegangen, obwohl ich bei jedem Bauchzwicken vor einer Blinddarm-Reizung und bei jedem Halsweh vor einer Mandelentzündung Angst hatte.“

Bevor er den Weg antrat, musste er sich aber erst mit dem Propst und den Mitbrüdern einig werden, wer seine Arbeit im Tourismusbereich und seine Gottesdienste übernimmt, denn auch im Stift ist es nicht so selbstverständlich, dass man einfach vier Monate Auszeit nimmt: „Der Propst war zwar nicht begeistert, aber er ließ mich gehen, denn er wusste, ich komme ja wieder.“

Die ersten drei Wochen fand Petrus Stockinger sehr anstrengend, obwohl er die 35 Kilometer pro Tag bald auf 40 erhöhen konnte. Dabei machten weniger die Füße, sondern viel mehr der Rücken Probleme, der den schweren Rucksack verkraften musste. Außerdem war das Wetter kalt und regnerisch. „Aber ich dachte mir, warte nur, bis du ins heiße Spanien kommst, da wirst du dich an jeden kalten Regentropfen erinnern. Aufgeben wollte ich nie“, so der Pilger, der den ganzen Weg alleine ging. „Es war die beste Entscheidung. Die meisten gehen in Gruppen und und fallen dann abends in der Herberge ins Bett und wollen ihre Ruhe haben. Bei mir war es umgekehrt: Ich bin alleine gegangen, konnte während des Tages meine Gedanken sammeln und interessierte mich abends für die Menschen aus aller Herren Länder, die ich auf diesem Weg traf.“

„Man beginnt, die Dinge anders zu ordnen“

Petrus Stockingers Wünsche sind in Erfüllung gegangen und er findet, dass der Spruch „Der Weg gibt dir nicht, was du willst, sondern was du brauchst“ durchaus Berechtigung hat. „Man bekommt eine gewisse Gelassenheit und man beginnt, die Dinge anders zu ordnen. Ich glaube schon, dass sich bei mir etwas verändert hat, obwohl es schwierig ist, manches zu bewahren, denn der Alltag holt einen bald wieder ein. Aber es ist schön, wieder daheim zu sein!“

Am Dienstag, 4. Oktober, wird der Chorherr um 19.30 Uhr im Augustinussaal des Stiftes in einem Vortrag über seine Erlebnisse auf dem Weg berichten.