Erstellt am 18. Oktober 2016, 05:54

von Alex Erber

Windkraft: Zwei Städte im Clinch. Schwertransporte auf Herzogenburger Gemeindegebiet? Das kommt für Politiker der Stiftsstadt nicht in Frage. Sie stellen sich hinter Anliegen einer „Interessensgemeinschaft“.

Elisabeth Egle: „Wir fordern die Gemeinde Herzogenburg auf, keine Zufahrt über unser Gemeindegebiet zum Traismaurer Windindustriepark am Reutbühel zuzulassen. Der Mühlbach-Erholungsweg wird zur vier bis fünf Meter breiten Fahrstraße für Schwertransporte und die letzte unverbaute Sichtachse im Unteren Traisental wird für immer zerstört.“  |  Hans Kopitz

Seit mehreren Monaten ist das geplante Windkraft-Vorhaben am Reutbühel von Widerstand begleitet. Jetzt kommt er plötzlich aus einer Ecke, mit der Traismauer nicht gerechnet hat; aus der Nachbarstadt Herzogenburg.

Widerstand von einer Bürgerplattform, von Medizinern, aus der Nachbargemeinde Sitzenberg-Reidling: Bisher haben sich die Verantwortlichen in der Römerstadt mit SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer an der Spitze nicht beeindrucken und gar beirren lassen.

"Versuchen alles, damit eine Zufahrt nicht zustande kommt"

Jetzt tritt mit der Stadt Herzogenburg jedoch ein mächtiger Gegner auf den Plan: „Wir werden alles Menschenmögliche unternehmen, damit eine Zufahrt zu dem geplanten Windpark über Herzogenburger Gemeindegebiet nicht zustande kommt“, kündigt SP-Bürgermeister Franz Zwicker an.

Er weiß die Mehrheit im Gemeinderat hinter sich. Gestern, Montag (nach Redaktionsschluss), sollte ein diesbezüglicher Beschluss gefasst werden.

Die SP kann mit Unterstützung der VP und der FP rechnen. VP-Stadtrat Erich Hauptmann greift zu einem Vergleich: „Das ist, wie wenn ich ein Haus auf einem Berg bauen möchte, aber keine Ahnung habe, wie ich dorthin gelangen soll.“

„Eingriff ist nicht zu rechtfertigen“

Die Mandatare aus der Stiftsstadt wurmt, dass Traismauer eine Zufahrt über das Gebiet der Römerstadt kategorisch ausschließt: „Dieser Eingriff in die Natur ist nicht zu rechtfertigen“, betont VP-Stadtrat Josef Ziegler, der im betroffenen Gebiet der Katastralen Einöd, St. Andrä, Winden und St. Andrä jede Handbreit Boden kennt.

In diesen vier Katastralgemeinden hat sich auch Widerstand der Bürger formiert. Initiatorin einer diesbezüglichen „Interessensgemeinschaft“ ist Elisabeth Egle, die seit 2014 ihren Hauptwohnsitz in Einöd hat: „Mehr als 100 Bürger hier sind inzwischen der Ansicht, dass Herzogenburg keine Zufahrt zum Traismaurer Windindustrie-Park zulassen soll!“

„Froh, dass Anliegen Gehör gefunden haben“

Einerseits würde aus dem Mühlbach-Erholungsweg eine vier bis fünf Meter breite Zufahrtsstraße, andererseits werde die Lebensqualität der Bevölkerung durch hochgerechnet 500 bis 750 Schwertransporte in der sechs- bis achtmonatigen Bauzeit massiv beeinträchtigt.

Egle ist zumindest einmal froh, „dass unsere Anliegen bei den Herzogenburger Politikern Gehör gefunden haben.“

Auch bei FP-Stadtrat Wolfgang Schatzl: „Die unglaubliche Lärmbelästigung, die Gefährdung der Verkehrssicherheit, vor allem für Kinder und ältere Menschen und nicht zuletzt die Zerstörung der letzten noch unverbauten Sichtachse im Unteren Traisental können niemandem zugemutet werden – erst recht nicht, da die Traismaurer die Nutznießer der Windkraftanlage sind und nicht die Herzogenburger.“

"Wir wollen keineswegs Nachbargemeinden belasten"

Die Grünen haben sich im Stadtrat der Stimme enthalten. Stadtrat Horst Egger weiß, dass man sich in einer Zwickmühle befindet: „Einerseits wollen wir die Windräder in Traismauer keinesfalls verhindern. Andererseits dürfen Belastungen nicht auf Herzogenburg abgewälzt werden.“

Aus Traismauer gibt es eine erste Reaktion: „Es ist das gute Recht, sich für protestierende Bürger einzusetzen. Wir wollen keineswegs Nachbargemeinden belasten, aber bei uns ist eine Zufahrt aus technischen Gründen nicht möglich“, betont SP-Bürgermeister Herbert Pfeffer.