Erstellt am 06. Januar 2016, 06:43

von Hans Kopitz

Hilfe für Hilfsbedürftige. Flüchtlingswelle stand im Zentrum. Propst Fürnsinn appellierte: "Setzen Sie bitte weiter ihre Kraft und Fantasie ein, denn viele Probleme müssen erst gelöst worden."

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„Wenn man die Weihnachtsbotschaft hört, und im Matthäusevangelium von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten liest, von Kindermord, die Fremdherrschaft im Heiligen Land, Terror und Angst, so hat die Zeit einen sehr realistischen Hintergrund bekommen. Angst, Flucht, Schlepperunwesen sind sehr ähnlich - wir hören die gleiche Botschaft“, so Propst Maximilian Fürnsinn beim heurigen Neujahrsempfang in der Prälatur des Stiftes. Er betonte dabei: „Eine Botschaft, die nur verkündet wird, ist keine. Erst wenn sie gehört wird, wird sie zur Botschaft.“

„Große Welle der Hilfsbereitschaft“

Und deshalb waren heuer neben den Vertretern der Stadtgemeinde auch die Mitglieder der Herzogenburger Flüchtlingshilfe - die in den vergangenen Monaten viel geleistet hatten - eingeladen.

„Es gab eine große Welle der Hilfsbereitschaft, viele Helfer waren im Einsatz - und so haben Menschen in Hallen, Containern und Häusern Herberge gefunden“, so der Propst, der dabei nicht nur das Rote Kreuz und Familien hervorhob, die Flüchtlinge aufgenommen haben, sondern auch den Politikern, die sich bei der Hilfe beteiligten, ein große politische Reife zusprach. „Ich weiß, es gibt unterschiedliche Meinungen, man spürt es in der Bevölkerung - und bei der Frage: ,Wie soll Europa reagieren?‘ prallen verschiedene Sichtweisen aufeinander. Die Kontrolle über die Staatsgrenzen muss erhalten bleiben, aber wer Hilfe braucht, soll sie auch bekommen. Setzten Sie bitte weiterhin ihre Kraft und Fantasie ein, denn viele Probleme müssen erst gelöst werden.“

Bürgermeister Franz Zwicker betonte in seiner wie immer kurzen und bündigen Ansprache, dass die Bevölkerung trotz der beiden nicht gerade positiven Themen - Flüchtlingswesen und Terror - nicht den Glauben an unseren Staat verlieren soll.

Martin Rigler sprach als Vertreter der Pfarrgemeinde das Jahr der Barmherzigkeit an, das der Papst ausgerufen hat, und meinte, es sollten auch in den Diözesen Pforten geöffnet werden. Doch die Politik müsse sich Gedanken machen, wie man die Ströme ordnet.

„Jugendliche lernen sehr fleißig Deutsch“

Eva Schafranek, eine unter elf Betreuern am ehemaligen Biomin-Areal, erzählte von ihrer Arbeit - sie leitet das Haus für die unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge - und betonte dabei, dass die Jugendlichen nicht nur sehr fleißig Deutsch lernen, sondern auch an der Gemeinschaft mit den Herzogenburgern interessiert sind. „Das zeigt auch, dass sie mit ihren Betreuern zu Weihnachten die Christmette in der Stiftskirche gekommen sind. Wer uns besuchen will, ist sehr herzlich eingeladen, aber bitte aus organisatorischen Gründen vorher unter 0660/4874464 oder herzogenburg@slc-europe.eu anmelden.“