Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:03

von Claudia Stöcklöcker

„Ich zünde euch alle an!“. Via Handy drohte ein Alkoholkranker einem Mitarbeiter des Notrufs NÖ mit dem Abfackeln. „Ich wollte nur, dass mir jemand hilft“, sagt er nun vorm Richter.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi

Den Notruf Niederösterreich beschäftigt ein 41-Jähriger aus dem Perschlingtal seit einiger Zeit. Des Öfteren rief er dort bereits an, Notfall lag bislang aber keiner vor. Strafen fasste der Mann deswegen bereits aus.

Heuer im Februar langte wieder ein Anruf des 41-Jährigen bei der Rettungsleitstelle ein. „Für das, was ihr gestern gemacht haben, werde ich euch alle anzünden“, drohte er, nachdem er am Tag davor beim Notruf seinen Selbstmord angekündigt hatte. Nun sitzt der Mann wieder auf der Anklagebank, gefährliche Drohung und Missbrauchs eines Notrufzeichens wirft ihm die Anklagebehörde vor.

„Ich wollte stationäre Entwöhnungstherapie“

„Warum machen Sie das?“, fragt ihn der Richter im Prozess am Landesgericht St. Pölten. „Ich war schon bei vielen Ärzten. Keiner kann mir sagen, warum ich das mache. Aus Vereinsamung und wegen eines Aufmerksamkeitsdefizites vermuten sie“, so der Angeklagte.

Dass er damals verzweifelt war, weiß der 41-Jährige: „Ich hatte ein paar Liter Wein getrunken, war betrunken und wollte, dass mir jemand hilft. Ich wollte stationäre Alkoholentwöhnungstherapie. Die Rettungsleute wollten mich aber nur ins Klinikum St. Pölten bringen, deshalb hab’ ich mit dem Anzünden gedroht.“

Und weiters: „Damals habe ich nur getrunken, geschlafen, bin aufgestanden, hab’ wieder getrunken. Und damit ich länger als zwei Stunden schlafen kann, habe ich zusätzlich schlafanstoßende Antidepressiva genommen.“

Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt fraglich

Für den Richter steht fest: „Völlig klar, dass Alkohol hinter dieser Geschichte steckt. „Jetzt machen Sie aber einen guten Eindruck“, stellt der Richter fest. Dass es dem Angeklagten besser geht, bestätigt dieser. „In der Zwischenzeit habe ich stationäre Langzeittherapie gemacht.“

„Dass die Drohung ein Scherz war, glaube ich nicht“, meint der Mitarbeiter der Rettungsleitstelle, der den Anruf des 41-Jährigen entgegennahm. Denn: „Er hat dabei nicht gelacht.“

Über dem 41-Jährigen hängt nun das Damoklesschwert. Drei Vorstrafen hat er zu Buche stehen. „Für Sie gibt es nur mehr unbedingte Strafen“, sagt der Richter zu ihm. Dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig war, wie ein Psychiater bestätigt, glaubt der Richter aber nicht. „Das Gutachten ist mir zu oberflächlich“, sagt er, will eine neue Expertise einholen und vertagt.