Erstellt am 25. September 2015, 12:11

von Hans Kopitz und Alex Erber

„Wir wollen zurück in unsere Heimat!“. Acht Kriegsflüchtlinge aus Syrien sind in Herrengasse untergebracht. Sie hoffen auf schnellen Abschluss des Asylverfahrens.

Al Baara (vorne, links) und Khaled (vorne, rechts) mit ihren Mitbewohnern, die unterschiedlich von einem halben Jahr bis einige Wochen auf ihren Asylbescheid warten. Sie hatten gerade Besuch von Stadtpfarrer Mauritius Lenz und Jakobus Wendland vom Stift sowie Marianne Hütter, als der NÖN-Reporter und Jugend-Gemeinderat Kurt Schirmer junior (Vierter von rechts) in der Herrengasse vorbeikamen.  |  NOEN, Hans Kopitz

Irgendwie hatte SP-Gemeinderat Kurt Schirmer junior bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Glück.

Sein Parteikollege Vizebürgermeister Christoph Artner übersah, dass er zwecks Wortmeldung aufgezeigt hatte, und schritt zur Abstimmung rund um einen FP-Dringlichkeitsantrag. „Ich wäre wohl explodiert“, so der engagierte Jung-Mandatar. Denn oft sei die Rede von Angst oder Überfremdung gewesen: „Aber ich kenne Flüchtlinge mittlerweile persönlich. Sie sind höflich, freundlich und alles andere als gefährlich!“

Acht Schutzsuchende, die es nach Österreich geschafft haben, wohnen zurzeit in der Herrengasse, oberhalb der ehemaligen Putzerei. Günter und Hanneliese Schwed, denen das Haus gehört, haben es dem „Verein Wohnen“ zur Verfügung gestellt und hier warten nun Khaled und sein Bruder Al Baara mit ihren sechs Flüchtlingskollegen, bis ihr Asylverfahren abgeschlossen ist.

„Haus zerstört, auf Lastwagen geflüchtet“

„Wir kommen aus Damaskus und wollten eigentlich nach Schweden. Vier unserer Geschwister sind nach Dänemark geflohen, der Rest der Familie ist noch in Damaskus. Unser Haus ist zerstört und wir wissen nicht, wie es unserer Familie geht. Wir sind auf einem Lastwagen hierher geflüchtet“, berichtet Khaled, der ein bisschen Deutsch und gut Englisch spricht. Er ist TV-Technik-Student und möchte, wenn es geht, sein Studium in Wien beenden.

Sie alle bekommen pro Woche zwei Stunden Deutschunterricht und hoffen, wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen ist, hier Arbeit zu finden. Gekocht wird selbst und es gibt meist Reis, Fisolen, Erbsen und Muscheln.

Die Flüchtlinge haben sich hier, so gut es geht, in die Gesellschaft eingegliedert und haben auch sofort zugesagt, als sie etwa zur Mitarbeit bei den NÖ Kindersommerspielen eingeladen wurden. Dort haben sie dann sechs Tage Tische abgeräumt und Teller gereinigt.

„Wir haben die Herzogenburger als nette, freundliche und aufgeschlossene Leute kennengelernt. Wir möchten uns gerne in die Gesellschaft einbringen, Kontakte knüpfen und arbeiten. Sonst können wir nur vor dem Fernseher die Zeit totschlagen, wenn wir nicht einkaufen gehen“, so Khaled, der mit seinen Mitbewohnern auf alle Fälle irgendwann in die Heimat zurück möchte, wenn dort der Krieg vorbei ist: „Wenn wir uns aber die Situation anschauen, wird das noch länger dauern.“