Erstellt am 20. Oktober 2015, 05:02

von Alex Erber

Ist dieser Bruch noch zu kitten?. Elternvereinsobfrau und Direktor liegen im Clinch: Der Auslöser dürfte ein konfisziertes Mobiltelefon gewesen sein.

Der neue Vorstand des Elternvereins der Neuen Mittelschule Traismauer mit Schulstadtrat Vizebürgermeister Walter Kirchner (links): Michaela Vogt, Sandra Riedl, Marion Flachowski, Ursula Zederbauer, Claudia Brunthaler, Nicole Gruber-Pimperl, Barbara Gubitzer, Claudia Klopf, Marion Ziselsberger, Romano Casoria (von links).  |  NOEN, Schwab

In der Vorwoche fand die ordentliche Jahreshauptversammlung des Elternvereins der Neuen Mittelschule statt. Obfrau Nicole Gruber-Pimperl ist dabei in ihrer Funktion einstimmig für weitere zwei Jahre bestätigt worden.

Im Mittelpunkt standen aber nicht die Neuwahlen, sondern die Bilanz über das abgelaufene Schuljahr. Sie förderte einen tiefen Graben zwischen der Obfrau des Elternvereins und Direktor Gerhard Beitl zutage. Wie tief dieser Graben ist, zeigt die Analyse von Vizebürgermeister Schulstadtrat Walter Kirchner (SP): „Es herrscht ein gespanntes Verhältnis. Er kann mit ihr nicht und sie kann mit ihm nicht. Da geht es zu wie in einem Kindergarten. Die Situation ist hoffnungslos.“

Es sind im Grunde zwei Vorfälle, die die Lage eskalieren haben lassen: 
Im vergangenen Schuljahr ist eine Schülerin dabei ertappt worden, wie sie sich mit voller Konzentration ihrem Mobiltelefon anstatt dem Unterricht hingegeben hat. Fazit: Das Handy wurde konfisziert und landete in der Direktion.

Bei der betroffenen Schülerin handelt es sich um die Tochter von Nicole Gruber-Pimperl. Die Mutter war empört und verlangte, man solle ihr das Handy nach Unterrichtsschluss zurückgeben. Da soll sogar von „dauerndem Sachentzug“ die Rede gewesen sein, einem strafrechtlich relevanten Delikt.

Einstimmiger Beschluss deckt Vorgangsweise

Aber, und hier hakt Direktor Gerhard Beitl ein: Es gibt einen Beschluss des Schulforums, dass genau dieses Prozedere angewandt wird, falls Mobiltelefone den Unterricht stören. Es wird abgenommen und danach den Eltern retourniert.

Der Vorteil bei dieser Vorgangsweise: Der Direktor oder die Pädagogen können auf die Eltern einwirken, ihren Sprösslingen den korrekten Umgang mit dem Handy nachdrücklich zu erklären.
Der zweite Vorfall betrifft angebliches Mobbing von vier Schülern gegenüber einem Klassenkollegen. „Man kennt diesen Schüler sehr genau“, sagt dazu Nicole Gruber-Pimperl. Gemeint ist dabei wohl, dass es sich bei ihm eher um einen „Täter“ als um ein „Opfer“ handle.

Der Direktor ist diametral entgegengesetzter Meinung. Er spricht von „Aggressoren“, mit denen er nach dem Bekanntwerden des Mobbings „geschimpft“ habe. Denn: „Ich stehe immer auf der Seite der Schwachen!“
Das wiederum kam bei den Eltern der vermeintlichen Mobber gar nicht gut an. Sie wandten sich an die Elternvereins-Obfrau. Gemeinsam marschierte man in die Schule und ließ dem Unmut über die Maßregelung der „Aggressoren“ freien Lauf.

Beschwerde an den NÖ Landesschulrat

Der negative Höhepunkt: Der Elternverein unter der Regie seiner Obfrau richtete Beschwerden über den Direktor an den NÖ Landesschulrat und an das Bildungsministerium. Das bestätigt Landesschulinspektor Rudolf Köstler im NÖN-Gespräch. Er hat daraufhin ein Treffen der regionalen Schulaufsicht in Person von Pflichtschulinspektor Helmut Zehetmayer mit den Beteiligten angeordnet. Gleichzeitig befasste man sich mit dem Haupt-Vorwurf der „Handy-Abnahme“: „Wir sind der Sache rechtlich nachgegangen und auf den Beschluss des Schulforums gestoßen.“ Die Vorgangsweise des Direktors ist als korrekt erkannt worden: „Nach Erhalt des Protokolls war für mich die Sache erledigt.“

Schönheitsfehler: Das Gespräch zwischen Zehetmayer, Direktor und Elternvereinsvertreter fand ohne Obfrau Pimperl-Gruber statt: „Es war leider in den Sommerferien, da hatte ich keine Zeit“, bedauert sie.
Die „Revanche“ von Direktor Gerhard Beitl wegen der Beschwerde gegen ihn ließ jedenfalls nicht lange auf sich warten. Unmittelbar nach dem Beginn der NÖN-Recherche verständigte er die Polizei als Dienstgeber von Nicole Gruber-Pimperl von der Angelegenheit. Bezirkspolizeikommandant Oberstleutnant Gerhard Pichler bestätigt den Eingang einer Beschwerde. Solche Beschwerden gebe es „wie Sand am Meer.“

Obfrau-Stellvertreterin soll es jetzt richten

Denn der Direktor verknüpft hartnäckig Nicole Gruber-Pimperls Tätigkeit für den Elternverein mit ihrem Brotberuf. „Dass sich eine österreichische Polizistin auf die Seite von vier Aggressoren stellt, halte ich für bedenklich“, sagt er etwa.

Wie geht es nun weiter? Um eine Gesprächsbasis mit der Schulleitung zu schaffen, wird sich die neue Obfrau-Stellvertreterin Marion Flachowski mit dem Direktor ins Einvernehmen setzen. Einen Gesprächstermin soll es bereits am kommenden Freitag geben. Allerdings: „Davon weiß ich nichts“, erklärt Gerhard Beitl, der übrigens entgegen den üblichen Gepflogenheiten zur Jahreshauptversammlung des Elternvereins nicht eingeladen wurde.

Was jetzt noch bleibt, ist die Hoffnung: „Es gibt kein Problem, das man nicht durch Gespräche aus der Welt räumen kann.“ Davon ist zumindest Vizebürgermeister Walter Kirchner überzeugt.