Hofstetten-Grünau , Herzogenburg

Erstellt am 05. Juli 2016, 05:03

von Claudia Stöcklöcker

Amokfahrt in Hofstetten: „Spur der Verwüstung“. Weil Liebe unerwidert blieb, fuhr 44-Jähriger mit einem Jeep durch die Glasfront eines Friseursalons. Ein Schöffensenat wies ihn nun in Anstalt für abnorme Rechtsbrecher ein.

Foto des Jahres: Ein 44-jähriger Hofstettener rast mit dem Geländewagen in den Frisörsalon »Schnittpunkt« von Daniela Enne - genau zu dem Zeitpunkt, als sie auf der Polizeiinspektion Anzeige gegen den Mann wegen Stalking erstattet. Von der Exekutive lässt er sich widerstandslos festnehmen und gesteht die Tat. Enne bekommt für die Weiterführung des Geschäfts ein Ausweichlokal zur Verfügung gestellt. Die St. Pöltner Staatsanwaltschaft ermittel wegen versuchten Mordes, gefährlicher Drohung und schwerer Sachbeschädigung: Jetzt ermittelt die St. Pöltner Staatsanwaltschaft.  |  NOEN, FF Hofstetten-Grünau

„Ich hatte das Gefühl, dass er von mir besessen war“, sagt Daniela E. vor Richtern. Aus verschmähter Liebe fuhr ein 44-Jähriger mit einem Jeep durch die Glasfront ihres Friseursalons „Schnittpunkt“ in Hofstetten-Grünau. Im Prozess am Landesgericht St. Pölten wurde der Mann nun in eine Anstalt für geistig Abnorme eingewiesen (nicht rechtskräftig).

„Eine Spur der Verwüstung“ habe der 44-Jährige bei der Amokfahrt hinterlassen, sagt die Staatsanwältin im Prozess. Um ihr Leben fürchtete damals, am 23. November 2015, eine Stylistin (52). „Ich habe die Lichter auf uns zukommen sehen, wir sind um unser Leben gerannt“, erzählt die Herzogenburgerin.

Noch heute unter Schock steht ihre Kundin. „Ich hatte den Kopf am Waschbecken, da sind mir Glassplitter entgegengeflogen. 20 Zentimeter vor mir ist er stehengeblieben, hat sich den Spiegel gerichtet, den Retourgang eingelegt, das höre ich heute noch, und ist wieder losgefahren“, berichtet diese.

Schluss war damit nicht. Im Friseursalon dreht der 44-Jährige noch ein paar Runden. „Vor und zurück ist er gefahren, bis alles demoliert war“, so ein Zeuge. Nach der Tat setzte der Amokfahrer sich in einen Stuhl und rauchte eine Zigarette.

Angst vor dem 44-jährigen hatte Friseursalon-Chefin Daniela E. „Ich fürchte mich vor seiner Unkontrolliertheit“, sagt sie. Und: „Zuletzt war er drei Mal am Tag im Geschäft.“

44-Jähriger: „Krawall wollte ich machen“

Wegen der unerwünschten Besuche war es am Vormittag in einem Kaffeehaus zum Disput zwischen Daniela E., deren Lebensgefährten und dem 44-Jährigen gekommen. Um 18 Uhr, während E.. deswegen von der Polizei einvernommen wurde, schritt der 44-Jährige zur Wahnsinnstat.

„Krawall machen wollte ich“, sagt der Amokfahrer vor dem Schöffensenat. Ob er ,Ich bring’ wem um!‘ geschrien hat? „Das war schwarzer Humor“, erklärt er und meint: „Wenn ich eingesperrt bin, kann ich nichts anstellen.“

Laut Psychiater Werner Brosch leidet der 44-Jährige seit einem Verkehrsunfall an organischem Psychosyndrom. „Auf Zurückweisungen reagiert er heftig, sein Persönlichkeitsgefüge war erschüttert, er war eindeutig nicht zurechnungsfähig“, so Brosch.