Erstellt am 19. Februar 2016, 05:04

von Thomas Heumesser

"Mit Respekt begegnen". Maria und Dietmar Magnet berichten über ihre Erfahrungen, die durchwegs positiv sind: "Menschenverachtende Aussagen ermöglichen kein friedliches Zusammenleben."

 |  NOEN, zVg

Derzeit sind in den beiden Gemeinden acht Familien in Miethäusern oder Wohnungen, privat oder über den Verein Wohnen untergebracht worden. Viele von ihnen haben sich bereits einigermaßen eingewöhnt. „Die Kinder besuchen die Schulen und Kindergärten ihrer Wohngemeinde und sind dort herzlich aufgenommen worden“, berichtet Maria Magnet, ein „Motor“ der Flüchtlingshilfe in der gesamten Region.

Hilfe zur Selbsthilfe sei das Motto: Um rasche Selbständigkeit und Integration zu unterstützen, gibt es in den verschiedenen Familien regelmäßig Deutschunterricht.

Hilfe bei Bewältigung des Alltagslebens

Einige Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid haben auch schon die Möglichkeit, Deutschkurse in St. Pölten zu besuchen, und bemühen sich um den Erwerb der deutschen Sprache mit großem Eifer. Zahlreiche Freiwillige geben Hilfe bei der Bewältigung des Alltags und begleiten beim Einkaufen, bei Arztbesuchen und Behördenwegen, wenn nötig. Auch das Übersetzen von Schriftstücken braucht immer wieder Zeit.

Für die Kinder konnte ein Besuch im Tiergarten Schönbrunn und ein Besuch im Landesmuseum organisiert werden. „Besonders erfreulich ist die Hilfsbereitschaft vieler Menschen“, freut sich Maria Magnet. Beim Eislaufen in Herzogenburg haben sich spontan Jugendliche bereit erklärt, den Kindern das Eislaufen beizubringen. An vielen Nachmittagen steht das Lernen von Deutsch, Englisch und Mathematik auf dem Programm. Immer wieder werden Kinder auch zu Familien eingeladen, um lustige Aktivitäten zu unternehmen. Seit Kurzem treffen einander einige Frauen zu Abenden, an denen gemeinsam Reigentänze erlernt werden.

Im Dorfhaus in Neustift gab es bereits ein erstes Begegnungscafé und bei der Wohngemeinschaft Pomali in Landersdorf konnten die Flüchtlingsfamilien mit einem köstlichen syrischen Abendessen auftrumpfen.

In beiden Gemeinden sind weitere Veranstaltungen in Planung, die ein Kennenlernen in gemütlicher Atmosphäre leicht machen. Außerdem wird am 14. März für die erwachsenen Flüchtlinge ein Workshop zum Thema „Mein Leben in Österreich“ im Gemeindezentrum Obritzberg angeboten. Dieses ganztägige Seminar wird vom Österreichischen Integrationsfonds geleitet und hat Fragen wie „Warum ist es so wichtig, dass ich Deutsch lerne?“ oder „Welche Regeln muss ich in Österreich befolgen?“ zum Inhalt.

„Großer Beitrag zur Friedensarbeit“

Insgesamt laufe es sehr gut. „Wir sehen es als große Aufgabe für den Frieden, dass wir den Flüchtlingen mit Respekt begegnen. Menschenverachtende Aussagen und Hetzerei ermöglichen kein friedliches Zusammenleben und schon gar keine Integration. Muslime können erkennen, dass sie von Christen wohlwollend und hilfsbereit aufgenommen werden. Das ist ein großer Beitrag zur Friedensarbeit. Wir glauben, wenn wir Muslimen helfen, wieder Fuß zu fassen, zeigen wir als Christen Stärke“, meint Familie Magnet.

Die Unterstützung der Flüchtlinge koste dem Staat Geld, doch dieses werde zu 100 Prozent in die Wirtschaft investiert. Dietmar und Maria Magnet: „Sie brauchen Essen, Wohnung, Kleidung und zahlen damit auch Steuer. Auch Reisepässe, Führerscheine und das Übersetzten von Dokumenten kostet Geld, das in die österreichische Wirtschaft zurückfließt.“

Die Resonanz ist überwiegend positiv: „Besonders schön ist es, wenn sich fremde Menschen spontan bei uns bedanken, dass wir uns für Flüchtlinge einsetzen“, so Dietmar und Maria Magnet.