Erstellt am 28. Mai 2016, 11:04

von Hans Kopitz

Musik aus aller Welt im barocken Schloss. Auch heuer stehen wieder großartige Konzerte in Heiligenkreuz auf dem Programm. Der Auftakt dazu erfolgt am 26. Juni.

Das Barockschloss Heiligenkreuz ist auch heuer wieder Aufführungsort einiger Ost-West-Musikkonzerte. Die Reihe beginnt am Sonntag, 26. Juni.  |  NOEN, zVg

Ein bauliches Kleinod, dem oft viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird, tritt jeden Sommer in den Mittelpunkt des NÖ Musikgeschehens, heuer vom 26. Juni bis 11. September: Im Festsaal des Barockschlosses Heiligenkreuz gehen die Meisterkonzerte des Ost-West-Musikfestes über die Bühne.

Das Schloss, das 1858 in den Besitz der Familie Figdor kam, die den bereits stark vernachlässigten Bau renovierte, hat eine interessante Entstehungsgeschichte: Der Herrschaftssitz befand sich ursprünglich in einem Renaissanceschloss im Dorf Gutenbrunn am Fuß des heutigen Kreuzberges, wo bereits 1233 ein Besitz des Dietmar von Gutenbrunn erwähnt wird.

1753 begann Joseph Johann von Tepsern mit der Erbauung eines Servitenklosters, verkaufte aber die Herrschaft bereits ein Jahr später an den Wiener Bischof Franz Anton Marxer. Dieser hatte 1742 am Wiener Rennweg ein großes Waisenhaus gegründet, wofür er von der Kaiserin Maria Theresia mit der Herrschaft Ebersdorf und bedeutenden Geldgeschenken belohnt wurde. Zwei hohe Lotteriegewinne erleichterten es ihm zusätzlich, die Bauten fertigzustellen und unmittelbar neben dem Schloss eine große Wallfahrtskirche errichten zu lassen.

Die Sommerresidenz des Wiener Bischofs

Der ganze Baukomplex wurde Heiligenkreuz genannt. Bischof Marxer benutzte das Schloss als Sommerresidenz, stellte die meisten Räume aber den Passauer Bischöfen als Alumnat zur Verfügung. Später schenkte er dieses mit der gesamten Herrschaft dem Passauer Bistum. Nachdem Kaiser Josef II. die Diözese St. Pölten gegründet hatte, wurde das Priesterseminar in St. Pölten eingerichtet und die Herrschaft Gutenbrunn 1836 öffentlich versteigert.

Von 1964 bis 2001 war hier das NÖ Barockmuseum untergebracht. Nach der Übersiedlung des NÖ Landesmuseums von Wien nach St. Pölten wurden aber im dortigen Neubau alle Exponate der Außenstellen konzentriert. Seitdem steht das Schloss für internationale Ausstellungen und Konzerte offen - wie eben dem 1987 von dem Wiener Violinsolisten Gernot Winischhofer gegründete Ost-West-Musikfest, das am Sonntag, 26. Juni, mit einem Oboe-Konzert startet. Gleichzeitig wird eine Ausstellung systemkritischer Werke zur UdSSR von Gabriel Glikman eröffnet.

Weitere Konzerte gibt es am 7. Juli, wo unter dem Titel „Von Wien bis Odessa“ ungarische Musik am Programm steht, am 24. Juli spielen Stefano Maffizzioni und Walter Favero Werke von Schubert und Verdi - und am 11. September gibt es eine Klaviermatinee mit Macha Makarevich und Yves Robbe.