Nußdorf ob der Traisen

Erstellt am 02. August 2016, 14:04

von Lisa Röhrer

Zweiter Weltkrieg: In Erinnerung verankert. Historiker Rudolf Riha beleuchtet Schicksal eines Ehepaars. Die Nussdorfer Juden wurden nach Minsk deportiert. Ihre Namen scheinen nun auch am Todesort für immer auf.

Das Schicksal des jüdischen Ehepaars Elisabeth und Leopold Silbermann, das im Zweiten Weltkrieg nach Weißrussland deportiert wurde, soll im Gedächtnis der Menschen verankert bleiben. Rudolf und Brigitte Riha (im Bild) haben die Namen der Nussdorfer daher kürzlich auch bei der Gedenkstätte für österreichische Juden in Maly Trostinec (Minsk) angebracht.  |  NOEN, privat

Auf eine abenteuerliche Reise begab sich kürzlich der Nussdorfer Historiker Rudolf Riha. Gemeinsam mit seiner Gattin Brigitte hat er sich auf den Weg nach Minsk (Weißrussland) gemacht, um dort mit der Gemeinde Orechowsk - zu Deutsch „Nussdorf“ - Kontakt aufzunehmen. „Ich möchte eine Gegenüberstellung der Schicksale der beiden ,Nussdorfe‘ während des Zweiten Weltkrieges vornehmen“, berichtet Riha von seiner Reise.

Auf den Spuren der Familie Silbermann

In erster Linie begab sich der Historiker dabei auf die Spuren von Elisabeth und Leopold Silbermann. Das jüdische Ehepaar ist im Juni 1942 von den Nationalsozialisten nach Minsk verschleppt und ermordet worden.

In ihrer Heimatgemeinde Nussdorf war das Schicksal der Silbermanns weitgehend unbekannt. Zeitzeugen berichteten lapidar: „Sie konnten nicht mehr bleiben“ oder „Sie haben weg müssen.“

Erst im Zuge Rihas Recherchen zu seinem Buch „Wegbereiten - mitmachen - vergessen“ wurde Licht ins Dunkel gebracht. Der weitere Verbleib des Paares ist nach ihrer Vertreibung aus Nussdorf im Mai 1940 aufgeklärt worden. Nach mehrmaligem Wohnungswechsel in den „Judenwohnbezirken“ - dem neunten und zweiten Wiener Gemeindebezirk - wurden die Eheleute am 9. Juni 1942 vom Wiener Aspangbahnhof nach Minsk transportiert. Ohne Nahrung und Wasser hielt man sie dort zwei Tage lang in verschlossenen Güterwaggons gefangen. Am 15. Juni - sofern das Paar noch am Leben war - wurde es in den Wald Blagowschtschina südöstlich von Minsk gebracht. Dort sind die Silbermanns entweder vor vorbereiteten Gruben erschossen oder mit Gaswägen getötet worden. Ihre Leichname wurden anschließend in die Gruben geworfen.

Während das Ehepaar bereits im Jahr 2012 in seiner Heimatgemeinde Nussdorf auf Gedenktafeln verewigt wurde, hat Rudolf Riha bei seiner Weißrusslandreise dem Vergessen des Ehepaares nun endgültig entgegengewirkt.

Im Beisein von Ekaterina Kenigsberg (Vorstand der Abteilung für internationale Beziehungen an der Kunstakademie Minsk) hat er auch am Ort ihres Todes Gedenktafeln für Leopold und Elisabeth Silbermann angebracht.

Gedenken an nach Minsk deportierte Juden

Diese Gedenkstätte in Maly Trostinec ist im Jahr 2010 von Waltraud Barton, der Gründerin des Vereins „IM-MER Initiative Malvine - Maly Trostinec erinnern“, ins Leben gerufen worden.

Inzwischen sind die Namen von 400 der über 15.000 dort ermordeten österreichischen Juden dort angebracht worden. Dadurch soll vor allem auch im Bereich der Menschenrechte und in Fragen der Zivilcourage – so heißt es auf der Vereinshomepage - dazu beigetragen werden, dass nie wieder Derartiges im Namen des Rechts geschehen kann.