Obritzberg-Rust

Erstellt am 05. August 2016, 12:21

von Thomas Heumesser

Kirchenorgel wird saniert. Orgelpfleger Karl Kastl ist drei Wochen lang am Werk, reinigt das Instrument und bessert Schrammen aus. Zum Laurenzi-Fest am Sonntag, 7. August, ist es wieder bespielbar.

Gehen behutsam vor: Karl Kastl und Marcus Ruhrhofer, seit 27 Jahren Organist auf dieser Orgel, beim Abbau der Prospektpfeifen.  |  NOEN, Hans Pflügl

Seit 167 Jahren versieht sie ihren Dienst. Sonntag für Sonntag, bei traurigen und freudigen Anlässen lässt sie ihre Stimme erklingen - die Orgel von Obritzberg. In den vergangenen Jahren ist sie etwas „heiser“ geworden - viele Pfeifen sind teilweise verstimmt oder gar verstummt. Staub, Verputzmörtel und Insekten sind in ihr Inneres und in die Pfeifen gefallen. Nun müssen diese grundlegend gereinigt und saniert werden.

Orgelpfleger Karl Kastl hat dafür insgesamt bis zu vier Wochen Arbeit eingeplant: 744 Pfeifen, zwei Drittel davon aus Metall, sind Stück für Stück auszubauen, zu reinigen und wieder neu auf den exakten Ton zu stimmen. Auch das übrige Werk muss überholt werden. Das dauert seine Zeit. Ein kleiner Kompressor steht vor der Kirchentür und im Vorraum der Kirche liegen Bürsten und Geräte, um Verunreinigung zu entfernen und Verbeulungen auszubessern. Auch während der Sanierung sind einige Register bespielbar, erläutert Kastl. „Aber bis zum Laurenzi-Fest am 7. August wird die Orgel wieder voll bespielbar sein“, verspricht er. Denn dann feiert Obritzberg um 10 Uhr das Kirchweihfest.

Begeistert erzählt der Orgelpfleger über das Instrument. Die Orgel wurde 1841 von Franz Meinl aus Ybbs errichtet. Es ist derselbe Orgelbauer, der auch in Oberwölbling und Getzersdorf tätig war. Mit 14 Registern gehört dieses Werk zwar nicht zu den größten, besitzt aber zwei Manuale und ein Brüstungspositiv.

Interessante Orgeln in Niederösterreich

Er macht seine Arbeit gerne, erzählt Karl Kastl. Als gelernter Orgelbauer hat er sich früh für die Arbeit eines Orgelpflegers entschieden. Eine Orgel, gleichsam ein „lebendiges Instrument“, muss stetig gepflegt und gestimmt werden. Temperaturunterschiede und Luftfeuchtigkeit nagen an den Pfeifen und auch die Materialermüdung schreitet voran. So kommt der St. Pöltner weit herum. Vor Kurzem war er noch im Burgenland und in der Steiermark, jetzt zieht es ihn bis in den süddeutschen Raum und mitunter bis Ostfriesland.

Kooperationen gibt es mit Firmen aus Frankreich, Spanien und den Beneluxländern bis hinauf nach Skandinavien. Dennoch sind für ihn die Stiftsorgel von Melk, aber auch Krems-St. Veit und vor allem die Orgel im Stift Zwettl wegen ihrer weltweit einzigartigen Bauart die „interessantesten Orgeln“, die er kennt.