Erstellt am 19. Januar 2016, 05:43

von Claudia Stöcklöcker

"Packt's euer Geld aus!". Mit Schreckschusspistole übten sich Tschetschenen als Räuber. "Beute genommen wie im Selbstbedienungsladen", sagt Ankläger. Duo kassierte nun acht Monate gesiebte Luft.

 |  NOEN, Erwin Wodicka

Mit einer Schreckschusspistole übten sich zwei Tschetschenen, 15 und 18 Jahre alt, im Verbrechen des schweren Raubes. Zwei Burschen überfielen sie und sackten bei dem Coup 70 Euro sowie Kopfhörer ein. Nun sitzen sie auf der Anklagebank vor einem Schöffensenat.

„Wir waren gegen 22 Uhr beim Kreisverkehr in Traismauer, dort haben wir uns jeden Abend getroffen. Wir haben geredet, und dann sind die zwei dahergekommen. ‚Packt’s euer Geld aus, hab’ ich zu ihnen gesagt“, erzählt der 15-jährige Angeklagte im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Angeklagter: „Überfall ist einfach so passiert“

Die Schreckschusspistole habe dann der Mitangeklagte aus dem Hosenbund gezogen und durchrepetiert. „Weil die beiden aber nichts hergeben wollten, hab’ ich sie abgetastet, ihre Geldbörsen genommen und ‚Tschüss, jetzt könnt’s nach Hause gehen!‘ gesagt“, setzt der Teenie fort. Von der Beute will er selbst nur zehn Euro bekommen haben. Warum der 15-Jährige das gemacht hat?

„Keine Ahnung, es ist einfach so passiert“, erklärt er. Ein unbeschriebenes Blatt ist der Jugendliche nicht, wegen gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls ist er vorbestraft.

Warum der Zweitangeklagte eine Waffe bei sich trug?

„Zu meiner Selbstverteidigung. Weil ich Angst habe, überfallen zu werden“, erklärt der 18-Jährige.

„Zur Gegenwehr?“, fragt der Richter und wundert sich: „Wie es so halt ist. Man muss wirklich Angst haben in Traismauer!“

Zur Waffe gegriffen habe der 18-Jährige nur, „weil sie mich im Hosenbund gestört hat. Herausgezogen hab’ ich sie nicht.“ Warum er repetiert hat? „Ich spiele gern mit solchen Sachen“, erklärt der bislang Unbescholtene.

Für ein Opfer waren die Räuber keine Unbekannten. „Wir sind nach wie vor befreundet“, sagt dieses Opfer. Warum der Bursche sich durchsuchen ließ? „Weil wir nicht auf eine Schlägerei aus waren“, erklärt er. Und: „Wir haben gefragt, warum wir Geld hergeben sollten, sie haben uns aber keine Antwort gegeben.“

Dass die beiden Angeklagten „eine Gangstergruppe gebildet haben“, erzählt das zweite Opfer. „Sie sind doch um einiges größer als die Angeklagten, hatten Sie Angst?“, fragt der Richter. „Schon, weil einer eine Waffe ausgepackt hat. Ich hab’ es nicht so drauf, ich versuche, alles diplomatisch zu regeln“, lautet die Antwort.

20 Minuten nach dem Coup klickten für das Duo die Handschellen. Die Opfer hatten Anzeige erstattet.

Unbedingte Haftstrafen fordert nun der Staatsanwalt. „Die Angeklagten haben den Opfern Geld weggenommen wie in einem Selbstbedienungsladen“, sagt er. Und: „Es reicht, wenn eine Waffe zur Drohung eingesetzt wird, es reicht, wenn man sie nur vorzeigt.“

Ein Verteidiger bittet um Milde und meint: „Dieses Strafverfahren ist ein Beispiel für den Erfolg unserer Politik.“ Und der Rechtsanwalt weiters: „Für ein Opfer war der Überfall kein einschneidendes Erlebnis, solche Vorfälle dürften zum Tagesgeschehen gehören.“

Für das Duo setzt es zwei Jahre teilbedingt, acht Monate davon Gefängnis. Rechtskräftig.