Erstellt am 17. April 2016, 11:14

von Hans Kopitz

Petrus geht Jakobsweg. Kaplan Stockinger hat Herzogenburg bereits verlassen. Sein Ziel ist Santiago de Compostela. Zu den NÖ Kindersommerspielen will er wieder heimatliche Luft schnuppern.

Kaplan Petrus Stockinger bei der jüngsten Firmvorbereitung im Augustinussaal - im Bild mit Bettina Track. Derzeit befindet sich Stockinger bereits auf dem Jakobsweg.  |  NOEN, Hans Kopitz

Nach der sonntägigen Abendmesse war es soweit: Kaplan Petrus Stockinger stieg in den Zug nach Innsbruck, von wo er einen Tag danach auf seinen Pilgerweg nach Santiago de Compostela aufbrach. Bis Ende August wird er auf dem Jakobsweg unterwegs sein - zu den NÖ Kindersommerspielen will er dann wieder Heimatluft schnuppern.

Im Sommer des Vorjahres ist er von Herzogenburg nach Innsbruck gegangen - und nach diesen 500 Kilometern weiß er so ziemlich, was ihn auf den kommenden 2.500 Kilometern erwartet. Viele Menschen fragten ihn, ob er allein gehe - seine Antwort: „Ja das tue ich, denn nur wer alleine geht, kann sich auf Begegnungen einlassen. Der Weg führt mich durch Österreich, die Schweiz und durch Frankreich nach Spanien - aber in erster Linie führt er mich - so hoffe ich - zum Wesentlichen. Was kommt nicht alles im Leben daher und macht sich wichtig? Wer unterwegs ist mit knapp zehn Kilogramm Gepäck, ändert rasch seine Prioritäten und erfährt gerade durch die Gebundenheit an die eigenen körperlichen und geistigen Grenzen Freiheit“, so der Kaplan, für den der Weg nicht das Ziel ist. „Wer das behauptet, hat vielleicht noch zuwenig nachgedacht. Der Weg braucht ein Ziel, sonst ist es sinnloses Herumgehen im Irgendwo - aber kein Weg.“

Kein Telefon und auch kein Facebook

Für Petrus Stockinger heißt das körperliche Ziel Santiago de Compostela. Das geistige und geistliche Ziel ist weniger leicht zu umreißen: Vertrauen, das Gott seine täglichen Schritte lenkt und für sein Leben ein gutes Ziel vorgesehen hat. Sehnsucht danach, das Wesentliche unterscheiden zu lernen von dem, was sich wichtigmacht.

Zwei Sätze begleiten den wandernden Kaplan, der weder am Telefon, noch auf Facebook erreichbar sein wird: „Das Ziel nicht vergessen, den Weg nicht verlassen und den Mut nicht verlieren“ - dieser Rat stammte von einem seiner Professoren aus Salzburg - und den anderen hat ihm einer seiner Mitbrüder aus dem Stift mitgegeben: „Greife nicht nach den Sternen, sondern folge ihnen!“ Beide Sätze wird der Geistliche brauchen, der seinen Mitbrüdern dankte, für die Bereitschaft, ihn in seinen Arbeitsbereichen für diese Zeit zu ersetzen.

Propst Maximilian Fürnsinn dazu: „Der Weg ist für ihn gut zur Orientierung und Selbstfindung - aber er wird natürlich eine Ausnahme bleiben.“